Kinderarmut stellt aufgrund der strukturellen Veränderungen in den vergangenen Jahren ein wachsendes gesellschaftliches Problem dar und gewinnt auch in der sozialwissenschaftlichen Forschung an Bedeutung. Armut ist in den Industrienationen Ausdruck sozialer Ungleichheit und zeigt sich in Deutschland für mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche über den unmittelbaren Mangel an Nahrung und Kleidung hinaus, auch in Erfahrungen, diskreditierbar und Exklusionsprozessen ausgesetzt zu sein.
In der sozialwissenschaftlichen Forschung erweist sich der sozialökonomische Status als bestimmende Größe für das Gesundheitsverhalten und die Gesundheit. In dieser Arbeit wird herausgestellt, inwiefern die materielle Armut die Gesundheit, insbesondere die psychische, von Kindern und Jugendlichen beeinflusst und welche Folgen sie mit sich bringen kann. Es wird versucht die Brisanz der Thematik hervorzuheben, auf die Langzeitfolgen von Kinderarmut im Bereich Gesundheit hinzuweisen und Interventionsmöglichkeiten vorzuschlagen, um Exklusionsprozesse zu vermeiden.
Dazu wird zunächst im zweiten Kapitel der Armutsbegriff ausgeführt. Anschließend werden dem Leser die verschiedenen Perspektiven der Armutskonzepte vorgestellt. Mit diesem Grundwissen werden im vierten Kapitel aktuelle Erkenntnisse über Kinderarmut zusammengetragen. Um die These „Armut macht Stress und Stress macht krank“ (Vavrik, 2016: 48) kritisch zu hinterfragen, werden im folgenden Kapitel Gesundheit und Krankheit definiert, um anschließend die Auswirkungen von Armut auf den Gesundheitsstatus zu betrachten. Diese werden sowohl aus der biomedizinischen als auch aus der psychosozialen Perspektive dargelegt. Abschließend werden im sechsten Kapitel intervenierende Maßnahmen vorgestellt, um die Wirkmechanismen sozialer Benachteiligung für Kinder aus deprivierten Lebenslagen zu unterbrechen.
Die in diesem Werk herausgearbeiteten Erkenntnisse stellen die Armutsthematik im Überblick dar und aufgrund deren Komplexität ist keine differenzierte Betrachtung empirisch erfasster Daten aus aktuellen Studien möglich. Der Fokus liegt auf der Erläuterung von relevanten Aspekten der Armut, sowie der Ausführung der Problemzusammenhänge zur Gesundheitsentwicklung von Kinder und Jugendlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Armutsbegriff
3 Armutskonzepte
3.1 Absolute Armut
3.2 Relative Armut
3.3 Perspektiven der Lebenslagen und der Ressourcen
3.3.1 Armut als Mangel an Einkommen
3.3.2 Die Kumulation von Unterversorgungslagen
4 Armutsforschung
5 Kinderarmut
6 Gesundheit und Krankheit
6.1 Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit und Krankheit
6.2 Die kindliche Betroffenheit
6.2.1 Chronische Erkrankungen als Armutsfolge
6.2.2 Psychosoziale Belastungen und Auswirkungen von Armut
7 Interventionen
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Armut und deren daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken und Verhaltensweisen. Dabei wird analysiert, wie materielle und psychosoziale Belastungen die gesundheitliche Entwicklung beeinflussen und welche präventiven Interventionsmöglichkeiten bestehen.
- Multidimensionale Definition von Armut
- Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher Lage
- Psychosoziale und physische Auswirkungen auf Kinder
- Bedeutung von sozialem Kapital und Prävention
Auszug aus dem Buch
6.2 Die kindliche Betroffenheit
Soziale Benachteiligungen treffen Kinder und Jugendliche in einer besonderen Härte, da „ein klarer sozialer Gradient zwischen sozialer Lebenslage bzw. Armut und der Gesundheit von Jugendlichen“ besteht (Klocke, 2006: 159). Das individuelle Gesundheitsverhalten wird im Sozialisationsprozess der Familie vermittelt, erworben und unzweifelhaft durch familiale Armutslagen beeinflusst (vgl. ebd.: 158; Hurrelmann, Richter, 2013: 30).
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass arm sein, massive Auswirkungen auf die gesellschaftliche Teilhabe und Entwicklungschancen nehmen kann. Insbesondere für Kinder zeichnet sich der Mangel in den Bereichen der materiellen Grundversorgung, Gesundheit, Bildung, Freizeit und Kultur sowie der sozialen Integration alltäglich ab (vgl. Höblich, 2012: 54f.). „Aufwachsen in Armut oder Armutsgefährdung bedeutet eine hohe Gesundheitsbelastung, bzw. -gefährdung für Kinder und Jugendliche“ (Vavrik, 2016: 47).
Die Lebensbedingungen unter denen Kinder und Jugendliche in Armutslagen aufwachsen, sind nach Vavrik oftmals hochgradig gesundheitlich belastend. Diese beginnen bereits mit der Wohnsituation, denn die Wahl des Wohnortes ist durch die stark eingeschränkte finanzielle Ressource auf die Angebote beschränkt, die sich in preisgünstigen, meist segregierten Quartieren befinden und per se eine kleine Wohnfläche bieten. Gemeint sind Gebiete mit Industriegewerben, an Hauptverkehrstrassen und in denen eine höhere Feinstaub- und Lärmbelastung dokumentiert sind (vgl. Vavrik, 2016: 48f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das wachsende gesellschaftliche Problem der Kinderarmut ein und beschreibt die Zielsetzung der Arbeit, die Auswirkungen materieller Armut auf die psychische und physische Gesundheit zu beleuchten.
2 Der Armutsbegriff: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Perspektiven und Konstruktionen von Armut, die von einem rein finanziellen Mangel bis hin zur mehrdimensionalen Einschränkung von Lebenschancen reichen.
3 Armutskonzepte: Hier werden Konzepte der absoluten und relativen Armut sowie Ressourcen- und Lebenslagenansätze vorgestellt, um die Komplexität der Armutswahrnehmung zu verdeutlichen.
4 Armutsforschung: Dieses Kapitel beschreibt das Bestreben der Armutsforschung, gefährdete Gruppen zu identifizieren und die Dynamik sowie Verfestigung von Armutslagen zu untersuchen.
5 Kinderarmut: Hier wird das spezifische Phänomen der Kinderarmut analysiert, die oft als Folge elterlicher Armut auftritt und die materielle sowie soziale Teilhabe von Kindern einschränkt.
6 Gesundheit und Krankheit: Dieses Kapitel untersucht die grundlegenden Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und gesundheitlicher Ungleichheit, mit besonderem Fokus auf die kindliche Betroffenheit und psychosoziale Belastungsfaktoren.
7 Interventionen: Hier werden pädagogische und sozialarbeiterische Strategien vorgestellt, die durch niedrigschwellige Angebote und die Stärkung von Ressourcen den negativen Auswirkungen von Armut entgegenwirken sollen.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Wirkungskette von sozialer Benachteiligung zu gesundheitlichen Risiken zusammen und betont die Notwendigkeit frühzeitiger, ressourcenorientierter Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, soziale Ungleichheit, Gesundheit, Gesundheitsverhalten, psychosoziale Belastung, Armutsforschung, Lebenslage, soziale Teilhabe, Intervention, Prävention, Bildungsstatus, gesundheitliche Ungleichheit, soziales Kapital, kindliche Betroffenheit, gesundheitliche Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit, insbesondere die psychische und physische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören der Armutsbegriff, Konzepte der Kinderarmut, Zusammenhänge von Gesundheit und sozialer Lage sowie Ansätze der sozialen Intervention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Brisanz der Kinderarmut hervorzuheben, die Langzeitfolgen für die Gesundheit aufzuzeigen und Strategien zur Vermeidung von Exklusionsprozessen zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller sozialwissenschaftlicher und gesundheitswissenschaftlicher Literatur und Studien zur Armutsthematik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Armutsforschung, die Definition von Gesundheit und Krankheit sowie eine detaillierte Analyse der Auswirkungen von Armut auf Kinder, unterteilt in physische und psychosoziale Belastungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Kinderarmut, soziale Ungleichheit, gesundheitliche Entwicklung, präventive Interventionen und das Konzept des sozialen Kapitals.
Welche Rolle spielt die elterliche Armut für Kinder?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Kinderarmut in der Regel eine Folge elterlicher Armut ist und Kinder durch materielle Einschränkungen, Zukunftsängste der Eltern und fehlende Teilhabemöglichkeiten direkt in ihrer Entwicklung beeinträchtigt.
Warum sind Interventionen im Bereich Schule wichtig?
Die Schule dient als prädestinierter Ansatzpunkt für niedrigschwellige Hilfen, um Eltern zu unterstützen, Gesundheitskompetenzen ('health literacy') zu fördern und Kinder in ihrer Identitätsbildung trotz ökonomischer Deprivation zu stärken.
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- Sina Eichler (Author), 2018, Auswirkungen von Armut auf das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/441158