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Sekundäre Traumatisierungen durch den Zweiten Weltkrieg. Eine Auseinandersetzung mit Sabine Bodes "Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation"

Titel: Sekundäre Traumatisierungen durch den Zweiten Weltkrieg. Eine Auseinandersetzung mit Sabine Bodes "Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation"

Hausarbeit , 2017 , 25 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in)

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, wie es möglich ist, dass der Zweite Weltkrieg Personen belastet und einschränkt, die diesen gar nicht erlebt haben.

„Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“ wurde von Sabine Bode verfasst und ist 2009 im Klett-Cotta-Verlag in Stuttgart erschienen. In diesem Buch geht sie der Frage nach, wie die „Baby-Boomer“ damit umgegangen sind, mit Eltern aufgewachsen zu sein, denen der kaum bewusste Krieg „immer noch in den Knochen steckte". Bode ‚diagnostiziert‘ bei ihren Gesprächspartner*innen „Sekundäre Traumatisierungen“. Der Zweite Weltkrieg ziehe auch heute noch seine Kreise, weil die ‚Kriegsenkel‘, die das vermeintliche Glück hatten, spät geboren worden zu sein, Schuld(en) und persönliche Lasten von ihren Eltern geerbt hätten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wer oder was sind „Kriegsenkel“?

2. Transgenerationale Weitergabe

2.1 Wege der Traumaweitergabe

2.1.1 Mechanismen und Folgen sekundärer Traumatisierung

2.2 Wege und Inhalte transgenerationaler Weitergabe von traumatischen Weltkriegserfahrungen

3. Kritik an Bodes „Kriegsenkel“

4. Fazit

5. Literatur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Hypothese einer transgenerationalen Traumaweitergabe von den sogenannten „Kriegskindern“ an die nachfolgende Generation der „Kriegsenkel“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie traumatische Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs Personen belasten und einschränken können, die das Ereignis selbst nicht erlebt haben, und ob die populärwissenschaftliche Darstellung dieser „traumatischen Linie“ wissenschaftlich haltbar ist.

  • Definition und Problematik des Generationsbegriffs „Kriegsenkel“
  • Mechanismen der sekundären Traumatisierung und epigenetische Grundlagen
  • Die Rolle von Schweigen und Leerstellen in der familialen Kommunikation
  • Kritische Analyse der medienwirksamen Darstellung und Verallgemeinerung traumatischer Erbe

Auszug aus dem Buch

2.1 Wege der Traumaweitergabe

Man unterscheidet zwei Wege der Traumaweitergabe von einer Generation an die nächste, die nie offen und erklärtermaßen stattfinden:

Bei der „primären Traumatisierung“ erleben Kinder die elterlichen Traumatisierungen unmittelbar selbst. Eltern geben ihre eigenen erlittenen Traumata direkt an ihre Kinder weiter, indem sie das, was ihnen selbst als Kindern wiederfahren ist, 1:1 bei ihren eigenen Kindern wiederholen.40

Davon zu unterscheiden ist eine indirekte beziehungsweise mittelbare Traumaweitergabe, die als „sekundäre Traumatisierung“ (vgl. Einleitung) bezeichnet wird,41 denn Traumata können auch weitergegeben werden, ohne dass Eltern ihre Erfahrungen an ihren Kindern ausagieren42 und zwar „allein aufgrund der engen familiären Beziehungen und dem Zusammenleben mit traumatisierten Eltern(-teilen) bzw. anderen Familienangehörigen.“43

Dieser Begriff wurde zunächst nur in Bezug auf Kinder migrantischer Eltern verwendet, die keine unmittelbaren Kriegserfahrungen machen oder beobachten mussten und Symptome sowie Verhaltensweisen zeigten, die denen einer Traumafolgestörung in vielen Bereichen glichen. Inzwischen werden auch Kinder als sekundär traumatisiert bezeichnet, deren Eltern „in ihrer eigenen Kindheit Gewalt, Misshandlung, Vernachlässigung, Missbrauch oder existenzielle Trennungen und Verluste erlitten haben.“44

Sekundäre Traumata sind Beziehungstraumata und zeichnen sich dadurch aus, dass das Traumaerleben auf kein Traumaereignis zurückgeführt werden kann, das selbst erlebt oder beobachtet wurde.45

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des Werks von Sabine Bode sowie des Konzepts der „Kriegsenkel“ und Erläuterung der Forschungsabsicht zur kritischen Überprüfung der ungebrochenen „traumatischen Linie“.

1. Wer oder was sind „Kriegsenkel“?: Auseinandersetzung mit der Definition des Begriffs als familial bestimmter Generationenbegriff und dem untrennbaren Bezug zur Elterngeneration, den „Kriegskindern“.

2. Transgenerationale Weitergabe: Erörterung der theoretischen Grundlagen und der vielfältigen Wege, wie Traumata innerhalb von Familien weitergegeben werden können, inklusive neurobiologischer Aspekte.

2.1 Wege der Traumaweitergabe: Differenzierung zwischen primärer und sekundärer Traumatisierung sowie Untersuchung der Mechanismen der Identifizierung und Resonanz.

2.1.1 Mechanismen und Folgen sekundärer Traumatisierung: Detaillierte Analyse epigenetischer und neurologischer Einflüsse auf die seelische Entwicklung von Kindern in Abhängigkeit vom elterlichen Stresserleben.

2.2 Wege und Inhalte transgenerationaler Weitergabe von traumatischen Weltkriegserfahrungen: Kritische Betrachtung des Forschungsstandes zur Weitergabe von Weltkriegstraumata in Deutschland.

3. Kritik an Bodes „Kriegsenkel“: Analyse der populärwissenschaftlichen Aufarbeitung durch Sabine Bode mit Fokus auf deren psychologische Entlastungsfunktion und die Gefahr der Übergeneralisierung.

4. Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass traumatische Erfahrungen nicht pauschal als Generationsmerkmal verallgemeinert werden dürfen und eine differenzierte Betrachtung notwendig ist.

5. Literatur: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Kriegsenkel, Kriegskinder, transgenerationale Weitergabe, sekundäre Traumatisierung, Trauma, Epigenetik, Bindungstheorie, Identitätsverwirrung, Familiengeschichte, Bewältigungsstrategien, Generationenbegriff, Traumapädagogik, Schweigen, Zweiter Weltkrieg, Psychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen der sogenannten „Kriegsenkel“ und die Hypothese, dass Traumata der Elterngeneration (der „Kriegskinder“) in Form von sekundärer Traumatisierung an die Enkelgeneration weitergegeben werden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die transgenerationale Weitergabe von Traumata, die Bedeutung der familiären Kommunikation (oder deren Ausbleiben), epigenetische Faktoren sowie die kritische Reflexion populärwissenschaftlicher Bestseller zu diesem Thema.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, ob und wie der Zweite Weltkrieg Personen belasten kann, die ihn selbst nicht erlebt haben, und ob die mediale Darstellung einer traumatischen Vererbung wissenschaftlich tragfähig ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlichen Modellen aus der Traumaforschung und Soziologie, um die Aussagen von Sabine Bodes Buch „Kriegsenkel“ zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Generationenbegriffen, der Unterscheidung von primärer und sekundärer Traumatisierung sowie der kritischen Diskussion, warum und wie Traumata scheinbar „vererbt“ werden und wo die Grenzen solcher Konzepte liegen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Kriegsenkel, sekundäre Traumatisierung, transgenerationale Weitergabe, Trauma und Familiengeschichte sind die tragenden Begriffe der Arbeit.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen primärer und sekundärer Traumatisierung?

Die primäre Traumatisierung beschreibt die unmittelbare Erleidung eines Traumas, während die sekundäre Traumatisierung eine indirekte Übertragung innerhalb familiärer Beziehungen ohne eigenes Erleben des ursprünglichen Traumaereignisses bezeichnet.

Welche Rolle spielen epigenetische Faktoren in dieser Analyse?

Epigenetische Faktoren werden als biologischer Erklärungsansatz angeführt, wie Stresserleben und Traumafolgen über Regulationsmechanismen der Gene von den Eltern auf die Kinder übertragen werden können.

Inwiefern kritisiert die Autorin den Bestseller „Kriegsenkel“ von Sabine Bode?

Die Autorin kritisiert, dass Bode Traumata als universelles Erklärungsmodell für die Probleme der 1960er Jahrgänge nutzt, was zu einer unzulässigen Übergeneralisierung führt und dabei andere Faktoren vernachlässigt.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des „Kriegsenkel-Phänomens“?

Sie kommt zu dem Schluss, dass es zwar transgenerationale Belastungen gibt, diese aber nicht als allgemeingültiges Merkmal für eine ganze Generation angesehen werden dürfen und individuell höchst unterschiedlich ausgeprägt sind.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sekundäre Traumatisierungen durch den Zweiten Weltkrieg. Eine Auseinandersetzung mit Sabine Bodes "Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation"
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Trauma, Traumatisierung und Traumapädagogik
Note
1,0
Autor
Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V438849
ISBN (eBook)
9783668791084
ISBN (Buch)
9783668791091
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bode Kriegsenkel Transgenerationale Traumaweitergabe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in), 2017, Sekundäre Traumatisierungen durch den Zweiten Weltkrieg. Eine Auseinandersetzung mit Sabine Bodes "Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/438849
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  25  Seiten
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