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Perspektiven einer geschlechtergerechten Pädagogik

Titel: Perspektiven einer geschlechtergerechten Pädagogik

Examensarbeit , 2004 , 79 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Angela Faller (Autor:in)

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Wenn man sich heute mit „modernen“ jungen Frauen und Männern unterhält oder ihr Verhalten beobachtet, wird schnell klar, dass Geschlechtsstereotypen und Rollenzuschreibungen immer noch ein Teil des Alltags sind. Egal ob in Sachen Berufswahl, Studienfächern und Arbeitsteilung im Familienleben – die Rollen sind nach wie vor relativ traditionell verteilt und werden selten hinterfragt oder angezweifelt. Auch wenn Frauen immer emanzipierter zu werden scheinen, allmählich in Männerdomänen vordringen, Karrieren anstreben und auch Machtpositionen erlangen, kommen sie spätestens beim Thema Familienplanung in Gewissenskonflikte.
Im Gegensatz dazu scheinen die Männer nicht in „Frauendomänen“ vordringen zu wollen, weil es offensichtlich keine Vorteile für sie bringen würde. Gleichberechtigung und die Annäherung der Geschlechter findet also nur formal und einseitig statt und ist hauptsächlich für die Frauen mit Mehraufwand verbunden.

Diese Frauen und Männer von heute waren Mädchen und Jungen, die an Schulen mit koedukativem Unterricht einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachten. Ihre Geschlechtersozialisation fand nicht nur im Elternhaus, sondern an eben diesen Schulen statt. Man muss sich also fragen, ob die Koedukation das leistet, was man sich bei ihrer Einführung in den 60er Jahren von ihr versprach.
Längst geht es nicht mehr nur um die Benachteiligung der Mädchen durch die koedukative Praxis. In den letzten Jahren wurde vermehrt für neue Konzepte plädiert die beide Geschlechter berücksichtigen und mehr Entfaltungsmöglichkeiten außerhalb traditioneller Rollenmuster bieten.
Diese Arbeit zeigt auf, welche Probleme sich in der täglichen Arbeit von Pädagogen ergeben, welche Erklärungsansätze es für diese gibt und wie wir die Jungen und Mädchen von heute auf dem Weg zu selbstbewussten, sozialkompetenten Frauen und Männern von morgen unterstützen können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Koedukation – Diskriminierung im Klassenzimmer?

2.1 Koedukation, Monoedukation, Reflexive Koedukation?

2.2 Forschungsergebnisse zur Monoedukation

2.2.1 Monoedukation und Einstellung

2.2.2 Monoedukation und Leistungsdifferenzen

2.3 Gender Mainstreaming

2.3.1 Begriffsklärung

2.3.2 Bedeutung für die Schule

2.4 Fazit

3. Sozialisation und Geschlechtsstereotype

3.1 Sozialisation von Mädchen und Jungen

3.1.1 Hinführung

3.1.2 Sozialisationsbedingte Probleme bei Jungen

3.1.3 Sozialisationsbedingte Probleme bei Mädchen

3.2 Inhalte und Ursprünge von Geschlechtsstereotypen

4. Die Rolle der PädagogInnen – Probleme und Lösungsansätze

4.1 Interaktionsverhalten von LehrerInnen

4.2 Supervision bezogen auf das Geschlechterverhältnis

4.3 Fazit

5. Berufsorientierung und Lebensplanung von SchülerInnen

5.1 Vorstellungen über Berufs- und Familienplanung

5.2 Exkurs – Der mehrdimensionale Mann

5.3 Genderbewusste Berufs- und Lebensorientierung

5.3.1 Schulische Möglichkeiten

5.3.2 Der Haushalts- bzw. Werkstattpass

5.3.3 Konkrete Berufsvorbereitung

5.3.4 Elternarbeit im Kontext der Berufsorientierung

6. Mädchenstunden – Jungenstunden

6.1 Begründung partieller Monoedukation

6.2 Jungenstunden

6.3 Mädchenstunden

6.4 Fazit

7. Neuerungen im Bildungsplan 2004 für die Hauptschule

7.1 Hinführung

7.2 Der allgemeine Teil

7.3 Die Inhalte der neuen Fächerverbünde

7.4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Geschlechtsstereotypen und Rollenzuschreibungen im schulischen Alltag und analysiert, inwieweit koedukativer Unterricht zur Gleichberechtigung beiträgt. Ziel ist es, Erklärungsansätze für bestehende Probleme zu identifizieren und pädagogische Lösungsansätze sowie schulpraktische Strategien für eine geschlechtergerechte Pädagogik aufzuzeigen.

  • Analyse der Koedukationsdebatte und alternativer Konzepte (partielle Monoedukation)
  • Einfluss der Sozialisation auf die Entwicklung von Geschlechtsstereotypen
  • Die Rolle der Lehrkräfte und die Bedeutung von Supervision
  • Förderung einer geschlechterbewussten Berufs- und Lebensplanung
  • Umsetzung geschlechtergerechter Ansätze im neuen Bildungsplan 2004

Auszug aus dem Buch

1.1 Problemstellung

Wenn man sich heute mit „modernen“ jungen Frauen und Männern unterhält oder ihr Verhalten beobachtet, wird schnell klar, dass Geschlechtsstereotypen und Rollenzuschreibungen ein Teil des Alltags sind. Egal ob in Sachen Berufswahl, Studienfächer und Arbeitsteilung im Familienleben – die Rollen sind nach wie vor relativ traditionell verteilt und werden auch selten hinterfragt oder angezweifelt. Auch wenn Frauen immer emanzipierter zu werden scheinen, allmählich in Männerdomänen vordringen, Karrieren anstreben und auch Machtpositionen erlangen, kommen sie spätestens beim Thema Familienplanung in Gewissenskonflikte. Oft stehen sie dann vor der Entscheidung entweder Beruf oder Familie.

Im Gegensatz dazu scheinen die Männer nicht in „Frauendomänen“ vordringen zu wollen, weil es offensichtlich keine Vorteile für sie bringen würde. Gleichberechtigung und die Annäherung der Geschlechter findet also nur formal und einseitig statt und ist hauptsächlich für die Frauen mit Mehraufwand verbunden. Aber sowohl für die Männer, die ihre Position im Berufsleben verteidigen müssen, oder jene die aus traditionellen Mustern ausbrechen wollen, ist es ein steiniger Weg. Die Karrierefrau, die ihre Kinder früh in einen Kinderhort oder zur Tagesmutter gibt, um weiter ihrem Beruf nachgehen zu können, findet genauso wenig gesellschaftliche Akzeptanz wie der Hausmann der sich gegen den Beruf entscheidet, um bei seinen Kindern zu sein.

Diese Frauen und Männer von heute waren Mädchen und Jungen, die an Schulen mit koedukativem Unterricht einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachten. Ihre Geschlechtersozialisation fand nicht nur im Elternhaus sondern an eben diesen Schulen statt. Man muss sich also fragen, ob die Koedukation das leistet, was man sich bei ihrer Einführung in den 60er Jahren von ihr versprach. Diese Frage wurde nicht erst mit der aktuellen Koeduaktionsdebatte der letzten Jahre verneint, sondern stand im Mittelpunkt etlicher Untersuchungen und Überlegungen der letzten zwei Jahrzehnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet die anhaltende Relevanz von Geschlechtsrollen im Alltag und hinterfragt den Beitrag der Koedukation zur tatsächlichen Gleichberechtigung.

2. Koedukation – Diskriminierung im Klassenzimmer?: Diskutiert Konzepte der reflexiven Koedukation sowie Ansätze des Gender Mainstreamings und deren Bedeutung für den Schulalltag.

3. Sozialisation und Geschlechtsstereotype: Untersucht die geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozesse von Mädchen und Jungen sowie die Entstehung und Wirkung von Geschlechtsstereotypen.

4. Die Rolle der PädagogInnen – Probleme und Lösungsansätze: Analysiert das Interaktionsverhalten von Lehrkräften und zeigt Möglichkeiten der Supervision zur Reflexion geschlechtergerechten Handelns auf.

5. Berufsorientierung und Lebensplanung von SchülerInnen: Behandelt geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Berufs- und Lebensplanung sowie schulische Möglichkeiten zur Förderung, inklusive Praxisbeispielen wie dem Haushaltspass.

6. Mädchenstunden – Jungenstunden: Erläutert die Begründung für partielle Monoedukation und stellt konkrete Ansätze und Projekte für die Arbeit mit Jungen und Mädchen in der Schule vor.

7. Neuerungen im Bildungsplan 2004 für die Hauptschule: Überprüft den aktuellen Bildungsplan auf Ansätze reflexiver Koedukation und die Integration geschlechtergerechter Inhalte in den Fächerverbünden.

Schlüsselwörter

Geschlechtergerechte Pädagogik, Koedukation, Monoedukation, Sozialisation, Geschlechtsstereotype, Gender Mainstreaming, Berufsorientierung, Supervision, Lehrerrolle, Bildungsplan, Rollenzuschreibungen, Schulentwicklung, Mädchenarbeit, Jungenarbeit, Chancengleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht, warum trotz formaler Gleichberechtigung traditionelle Rollenbilder und Geschlechtsstereotype im schulischen Alltag fortbestehen und wie eine geschlechtergerechte Pädagogik diese Disparitäten abbauen kann.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Die Arbeit deckt die Bereiche Koedukationsdebatte, Sozialisation von Kindern, Lehrerverhalten, Berufsorientierung und die Integration der Gender-Thematik in den Bildungsplan ab.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Erklärungen für die Defizite der bisherigen Koedukation zu finden und Konzepte (wie reflexive Koedukation oder Jungen-/Mädchenstunden) auf ihre Wirksamkeit hin zu prüfen, um Schule als Ort der Chancengleichheit zu gestalten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien und Modellversuchen, kombiniert mit einer Analyse aktueller bildungspolitischer Vorgaben (Bildungsplan 2004).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Sozialisation, Geschlechtsstereotype), didaktische Reflexionen (Lehrerrolle, Supervision) und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in Form von Unterrichtsprojekten und Berufsorientierungskonzepten.

Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Geschlechtergerechte Pädagogik, Koedukation, Monoedukation, Sozialisation, Gender Mainstreaming und Berufsorientierung.

Welche Rolle spielt die „partielle Monoedukation“ in den Modellen?

Partielle Monoedukation wird als zeitweise getrennter Unterricht verstanden, der Mädchen und Jungen geschützte Räume bietet, um Kompetenzen zu entwickeln, die im gemischten Unterricht aufgrund von Stereotypen oder Rollendruck oft gehemmt werden.

Warum wird Supervision für Lehrkräfte als wichtig erachtet?

Supervision ist notwendig, um die tief sitzenden eigenen Geschlechtervorstellungen und unbewussten Verhaltensmuster der Lehrkräfte emotional zu reflektieren, da rein theoretisches Wissen oft nicht ausreicht, um diese subtilen Prozesse im Unterricht zu verändern.

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Perspektiven einer geschlechtergerechten Pädagogik
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Angela Faller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
79
Katalognummer
V43851
ISBN (eBook)
9783638415538
ISBN (Buch)
9783638843331
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perspektiven Pädagogik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Angela Faller (Autor:in), 2004, Perspektiven einer geschlechtergerechten Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/43851
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Leseprobe aus  79  Seiten
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