Der altsächsische Heliand gilt als herausragende volkssprachliche Dichtung der seit der Antike bestehenden Tradition der poetischen Bearbeitung der Heiligen Schrift.
Die vorliegende Arbeit untersucht zwei unterschiedliche Deutungsweisen des Heliand: zum Einen die Theorie der ‚Germanisierung’ des Christentums, die z.B. mit dem Verweis auf die Verwendung von Gefolgschaftsterminologie, Kampfmetaphorik, Schicksalsbegriffen usw. begründet wird; zum Anderen die Annahme einer Akkommodation an eine bestehende Tradition, d.h. die Übertragung formaler Elemente (Stabreim, Variation, Formeln etc.) der weltlich-mündlichen Dichtung auf einen neuen geistlichen Inhalt. Ziel ist es zu ermitteln, mithilfe welches Ansatzes eine bestmögliche Annäherung an das Verständnis der Dichtung erreicht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die sogenannte,Germanisierung' des Christentums
- Gefolgschaftsterminologie
- Kampf
- Schicksalsbegriffe
- Anzeichen der Akkommodation
- Kulturelle Distanz und Übertragungsstrategie
- Formelhaftigkeit
- Metrum und Stil
- Variation
- Beispiel: Die Bergpredigt im Heliand
- Bezeichnungen für Jesus Christus: drohtin und cuning
- Die Jünger: gesiðos, heliðos, iungorun
- Die Seligpreisungen
- Das Vaterunser
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Frage, ob der altsächsische Heliand eine „Germanisierung“ des Christentums darstellt oder eher eine Akkommodation an die mündliche Dichtung des frühen Mittelalters. Das Ziel ist es, den Unterschied zwischen diesen beiden Ansätzen herauszuarbeiten und zu analysieren, welche Methode am besten geeignet ist, um den Text und seine Bedeutung zu verstehen.
- Die Rolle des Heliand in der Tradition der Bibeldichtung
- Die Theorie der „Germanisierung“ und ihre Kritik
- Die Akkommodation als alternative Deutung des Heliand
- Die Verwendung von Sprache, Metrum und Stil in der Dichtung
- Die Bedeutung der Bergpredigt im Kontext des Heliand
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert die Verbreitung des Christentums in Europa und die Herausforderungen, die sich aus der Verbreitung der Heiligen Schrift ergaben. Die Diskussion umfasst die Entwicklung der Bibeldichtung in der Antike und die Bedeutung der Rhetorik für die Vermittlung religiöser Inhalte. Kapitel 2 beleuchtet die Theorie der „Germanisierung“ des Christentums und analysiert die Verwendung von Gefolgschaftsterminologie, Kampfmetaphorik und Schicksalsbegriffen im Heliand. Kapitel 3 untersucht die Anzeichen für eine Akkommodation an die mündliche Dichtung. Es analysiert die Rolle der kulturellen Distanz, die Formelhaftigkeit, das Metrum, den Stil und die Variation im Text. Kapitel 4 widmet sich der Bergpredigt im Heliand, analysiert die Bezeichnungen für Jesus Christus und seine Jünger sowie die Seligpreisungen und das Vaterunser.
Schlüsselwörter
Heliand, Germanisierung, Akkommodation, Bibeldichtung, mündliche Dichtung, frühes Mittelalter, Stabreim, Variation, Gefolgschaftsterminologie, Kampfmetaphorik, Schicksalsbegriffe, Bergpredigt, Jesus Christus, Jünger, Seligpreisungen, Vaterunser.
- Quote paper
- Yvonne Luther (Author), 2003, Der Heliand: ,Germanisierung' des Christentums oder Akkommodation an die mündliche Dichtung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/43846