Wahrheit und Bedeutung werden in der philosophischen Diskussion immer wieder miteinander in Verbindung gebracht. In der Literatur werden an vielen Stellen ihre Gemeinsamkeiten und Differenzen betont. Die Art der Verbindung ist abhängig von den jeweiligen Wahrheits- und Bedeutungskonzeptionen, welche im 20. Jahrhundert verstärkt entwickelt wurden. In dieser Analyse konzentriere ich mich auf die Bedeutungstheorie des amerikanischen Philosophen Donald Davidson (1917-2003). Sie stellt eine tragende Säule
in seinem Theoriegebäude dar.
was macht die Bedeutung eines Wortes oder eines Satzes aus? Aus diesen und weiteren Fragen hat Davidson seine Theorie entwickelt, welche ich mit dieser Arbeit vorstellen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Erkenntnisinteresse und Vorgehensweise
2. Grundlagen der Sprachphilosophie
3. Die Wahrheitstheorie nach Alfred Tarski (1901-1983)
3.1 Wahrheitstheorien
3.2 Tarskis Wahrheitsverständnis und Konvention (W)
4. Die Bedeutungstheorie nach Donald Davidson (1917-2003)
4.1 Davidsons Antwort auf Tarski
4.2 Davidsons Bedeutungstheorie
4.3 Radikale Interpretation
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretische Verbindung zwischen Alfred Tarskis semantischer Wahrheitstheorie und Donald Davidsons Bedeutungstheorie, um den programmatischen Rahmen von Davidsons Sprachphilosophie und das Verhältnis von Wahrheit und Bedeutung zu ergründen.
- Grundlagen und zentrale Konzepte der analytischen Sprachphilosophie
- Tarskis Konvention (W) und der Wahrheitsbegriff
- Davidsons Bedeutungstheorie als Erweiterung Tarskis für natürliche Sprachen
- Das Konzept der radikalen Interpretation und das Prinzip der wohlwollenden Interpretation
Auszug aus dem Buch
4.3 Radikale Interpretation:
Die Theorien der radikalen Übersetzung und der radikalen Interpretation gehören zu den einflussreichsten sprachphilosophischen Theorien des 20. Jahrhunderts. Mit dem Gedankenexperiment der Erstübersetzung einer völlig fremden Sprache hat Quine einen Weg gefunden, Grundfragen der Bedeutungstheorie neu zu stellen: Was ist überhaupt sprachliche Bedeutung und welche Rolle sollte der Bedeutungsbegriff in der Sprachphilosophie spielen? Davidsons Theorie der radikalen Interpretation kommt das Verdienst zu, klassische hermeneutische Fragestellungen in eine allgemeine Bedeutungstheorie für natürliche Sprachen zu integrieren und mit Mitteln der analytischen Philosophie zu bearbeiten.
Davidsons Theorie kann man als eine Antwort auf die folgenden drei Fragen verstehen: Was sind die Prinzipien der Interpretation? Worin besteht Interpretation? Wann sind Interpretationen wahr? Davidson versucht diese Fragen zu antworten. Dadurch macht er auch seine Sprachtheorie verständlich, nach der die strikte Unterscheidung zwischen dem sprachlichen Wissen und dem Weltwissen, sowie zwischen der sprachlichen Bedeutung und der sachlichen Wahrheit, keinen Sinn mehr mache. Eine andere Person zu interpretieren, bestehe laut Davidson darin, zwischen ihrer Sprache und Welt und der eigenen Sprache und Welt eine Brücke zu schlagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt den Hintergrund der Arbeit dar, erläutert die Bedeutung von Wahrheit und Bedeutung für Donald Davidson und definiert das Erkenntnisinteresse sowie das methodische Vorgehen.
2. Grundlagen der Sprachphilosophie: Dieses Kapitel führt in die Disziplin der Sprachphilosophie ein, erläutert die Bedeutung der Sprachanalyse und differenziert zwischen Syntax, Semantik und Pragmatik.
3. Die Wahrheitstheorie nach Alfred Tarski (1901-1983): Hier werden verschiedene Wahrheitstheorien diskutiert und Tarskis Wahrheitsverständnis sowie seine Konvention (W) als formales Kriterium für Wahrheitsdefinitionen erläutert.
4. Die Bedeutungstheorie nach Donald Davidson (1917-2003): Dieses Kapitel analysiert Davidsons Übertragung von Tarskis Theorie auf natürliche Sprachen, seine eigene Bedeutungstheorie sowie das Konzept der radikalen Interpretation.
5. Zusammenfassung: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung reflektiert, die Verbindung zwischen Tarski und Davidson nochmals pointiert und Davidsons Denken zusammenfassend bewertet.
Schlüsselwörter
Wahrheitstheorie, Bedeutungstheorie, Donald Davidson, Alfred Tarski, Sprachphilosophie, Analytische Philosophie, Konvention (W), Radikale Interpretation, Wahrheitsbedingungen, Sprachphilosophische Wende, Interpretationstheorie, Bedeutungsholismus, Korrespondenztheorie, Prinzip der wohlwollenden Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Verbindungen zwischen der Wahrheitstheorie von Alfred Tarski und der Bedeutungstheorie von Donald Davidson innerhalb der analytischen Sprachphilosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Semantik, dem Verhältnis von Wahrheit und Bedeutung, dem Prozess der radikalen Interpretation und der Rolle der Sprachphilosophie bei der Analyse menschlicher Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den programmatischen Rahmen von Donald Davidsons Theorie offenzulegen und aufzuzeigen, wie er Tarskis semantisches Konzept für seine eigene, holistische Bedeutungstheorie fruchtbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische, philosophiehistorische Analyse, die zentrale Quellentexte (insbesondere von Davidson und Tarski) vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen, eine detaillierte Analyse der Wahrheitstheorie nach Tarski und eine umfassende Auseinandersetzung mit Davidsons Bedeutungstheorie und Interpretationskonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wahrheit, Bedeutung, radikale Interpretation, Davidson, Tarski, Konvention (W), Sprachphilosophie und Wahrheitsbedingungen.
Wie unterscheidet sich Davidsons Ansatz von Tarskis rein logischer Sichtweise?
Während Tarski Wahrheit primär formal-logisch innerhalb geschlossener Sprachsysteme definiert, weitet Davidson diesen Ansatz auf natürliche Sprachen aus und koppelt ihn an das epistemische Verhalten von Interpreten in realen Kommunikationssituationen.
Was bedeutet das "Prinzip der wohlwollenden Interpretation" bei Davidson?
Es ist ein methodologisches Prinzip, das Interpreten dazu anleitet, Sprechern rationale und wahre Überzeugungen zu unterstellen, damit eine sinnvolle Verständigung überhaupt erst ermöglicht wird.
- Arbeit zitieren
- Michael Schubert (Autor:in), 2018, Wahrheits- und Bedeutungstheorie.Was verbindet Alfred Tarski und Donald Davidson?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/437713