Im Zeitalter zunehmender Globalisierung und alltäglichen Lebens in einer multikulturellen Gesellschaft stellt die Fähigkeit von Toleranz gegenüber anderen Kulturen und der Umgang mit unterschiedlichen Haltungen und Werten ein gewisses Einfühlungsvermögen dar, womit die Ausbildung einer Interkulturellen Kompetenz als Schlüsselqualifikation bei Schülerinnen und Schülern wesentlich ist. Was die Interkulturelle Kompetenz für den Deutschunterricht bedeutet und wie diese mit dem Jugendroman „Cengiz & Locke“ von Zoran Drvenkar (2002) erreicht werden kann, soll die vorliegende Arbeit erläutern.
Zunächst werden fachdidaktische Grundlagen vorgestellt: Der Begriff Interkulturelle Kompetenz wird erklärt und im Bezug auf den Deutschunterricht beschrieben. Wie man einen Roman interkulturell lesen kann wird in Anlehnung an Rösch (2008) erläutert und für die praktische Unterrichtsorganisation mit dem didaktischen Phasenmodell von Dawidowski ergänzend dargestellt. Es folgt ein fachwissenschaftlicher Überblick zum Buch, welches anhand seiner Gattung, Informationen zum Autor, dem Inhalt, der Erzähltechnik sowie seinen interkulturellen Bezügen präsentiert wird. Aus den fachwissenschaftlichen und –didaktischen Teilen ergeben sich praxisrelevante Schlussfolgerungen für den Literaturunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelles Lernen
2.1 Interkulturelle Kompetenz
2.2 Interkulturelle Kompetenz im Deutschunterricht
2.2.1 Interkulturelles Lesen
2.2.2 Vier Stufen des Interkulturellen Lernens
3. Informationen zum Roman „Cengiz & Locke“ (Zoran Drvenkar)
3.1 Der Autor Zoran Drvenkar
3.2 Überblick zum Buch
3.3 Inhaltsangabe
3.4 Erzähltechnik
3.5 Interkulturelle Bezüge
4. Möglichkeiten der praktischen Umsetzung im Deutschunterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie durch den Einsatz des Jugendromans „Cengiz & Locke“ von Zoran Drvenkar im Deutschunterricht die interkulturelle Kompetenz von Schülerinnen und Schülern gezielt gefördert werden kann, um einen reflektierten Umgang mit kultureller Vielfalt, Identitätsfragen und Fremdheit zu ermöglichen.
- Vermittlung fachdidaktischer Grundlagen zur interkulturellen Kompetenz.
- Analyse des Jugendromans „Cengiz & Locke“ unter literaturdidaktischen Gesichtspunkten.
- Untersuchung der narrativen Besonderheiten (z.B. Du-Perspektive) für das interkulturelle Lernen.
- Erarbeitung praktischer Unterrichtsmodelle und Methoden für die Klassenstufen 7-9.
Auszug aus dem Buch
3.4 Erzähltechnik
Die Handlung setzt sich aus fünf Teilen zusammen, die alle mit Wochentagen betitelt sind. „Prolog: letzter Freitag, Teil 1: Mittwoch und Donnerstag, Teil 2: Freitag, Teil 3: Samstag, Sonntag, Montag und Epilog: vergangene Freitagnacht“ ergeben jene Woche, in der Cengiz und Locke der Gewaltspirale ausgesetzt sind. Die Einteilung in den Prolog, die drei Hauptteile und einen Epilog ähnelt der Struktur eines Dramas.
Den fünf Stücken sind wiederum insgesamt 47 einzelne Kapitel subsumiert. Diese kurzen Kapitel werden aus der Sicht von sechs Protagonisten, besonders aus der Perspektive von Cengiz und Locke, erzählt, wodurch der Roman multiperspektivisch aufgebaut ist und eine personale Erzählform besitzt. Die Kapitel schließen chronologisch aneinander an. Berichte, Monologe, Szenen, Dialoge finden in erzählter Zeit statt. Allerdings überlappen und kreuzen sich diese aus den einzelnen Perspektiven, wodurch es auch häufig zu Zeitbrüchen kommt sowie Unterschiede in den Erzählungen gleicher Ereignisse auftreten.
Die wesentliche Besonderheit des Romans liegt in der Erzählweise, welche in der „Du-Form“ erfolgt. Diese Perspektive ist anfangs gewöhnungsbedürftig und wirkt zunächst verwirrend, entwickelt aber später einen Sog, da die Erzählform den Leser direkt anspricht und ihn Gedanken und Gefühle so erfahren lässt, als ob es die eigenen wären. Man „erfühlt sich auf eine bestimmte Weise selbst zum Charakter“ und ist dadurch besonders nahe am Geschehen dabei. Dieser Effekt wird beispielhaft an der Situation, in welcher Cengiz von den Yugos verprügelt wird, verdeutlicht: „Du versuchst auszuschlagen. Doch du kannst dich kaum rühren. Sie halten die fest. Dein Rücken trifft hart auf den Boden, eine Faust hämmert wieder und wieder in deinen Magen, presst dir den Atem aus raus, dann wirst du weggeschleift, rückwärts, weg aus dem spärlichen Licht, in dem ihr gesessen habt, hinein in die Dunkelheit.“ (Drvenkar 2002, S. 97)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz interkultureller Kompetenz im globalisierten Schulalltag und steckt den Rahmen der Arbeit ab, die den Roman „Cengiz & Locke“ didaktisch erschließt.
2. Interkulturelles Lernen: Dieses Kapitel definiert interkulturelle Kompetenz theoretisch und überträgt sie auf den Literaturunterricht, wobei Methoden wie das „Interkulturelle Lesen“ und das vierstufige Lernmodell nach Dawidowski vorgestellt werden.
3. Informationen zum Roman „Cengiz & Locke“ (Zoran Drvenkar): Der Abschnitt bietet eine umfassende Analyse des Autors, des Inhalts, der Erzähltechnik sowie der spezifischen interkulturellen Bezüge des Romans.
4. Möglichkeiten der praktischen Umsetzung im Deutschunterricht: Hier werden konkrete didaktische Anregungen geliefert, wie die theoretischen Phasen (Irritation, Transparenz, Perspektivwechsel, Transfer) in den Unterrichtsalltag übertragen werden können.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das Potenzial des Romans als Plattform für ethische Diskussionen und betont die notwendige, fachkundige Begleitung der Lehrkraft bei der Behandlung dieser komplexen Themen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Literaturdidaktik, Jugendroman, Cengiz & Locke, Zoran Drvenkar, Du-Perspektive, Migration, Identitätsfindung, Bandenkriminalität, Multiperspektivität, Interkulturelles Lesen, Deutschunterricht, Hybridität, Gewaltspirale, Fremdheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein spezifischer Jugendroman im Deutschunterricht genutzt werden kann, um interkulturelle Lernprozesse bei Schülern anzustoßen und zu vertiefen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen Identitätsentwicklung bei Jugendlichen, der Umgang mit Migration, Bandenrivalität, familiäre Konflikte sowie der Einfluss von Sprache auf die Wahrnehmung des Fremden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Roman „Cengiz & Locke“ als didaktisches Werkzeug zu erschließen, das durch seine besondere Erzählform Empathie fördert und zur Auseinandersetzung mit Diversität anregt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturdidaktischen Analyse unter Einbeziehung rezeptionspragmatischer Ansätze und interkultureller Erziehungsmodelle, insbesondere der Phasenmodelle nach Dawidowski.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des interkulturellen Lernens, eine fachwissenschaftliche Analyse des Romans und konkrete Vorschläge für die praktische Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind interkulturelle Kompetenz, multiperspektivisches Erzählen, Hybridität, literaturdidaktische Phasenmodelle und die jugendkulturelle Identitätsfindung.
Welche besondere Bedeutung hat die „Du-Form“ im Roman?
Die Erzählweise in der „Du-Form“ erzeugt eine unmittelbare Identifikation des Lesers mit den Charakteren, was den Zugang zu den inneren Konflikten und den fremden Perspektiven der Figuren intensiviert.
Wie trägt das Modell der „Vier Stufen des Interkulturellen Lernens“ zur Unterrichtsplanung bei?
Das Modell dient als didaktisches Gerüst, um den Lernprozess von der ersten Irritation durch das Fremde bis hin zum eigenständigen Transfer in die eigene Lebenswelt methodisch zu strukturieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Gestaltung eines interkulturellen Deutschunterrichts mit Zoran Drvenkars Roman "Cengiz & Locke", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/437374