Linkshändigkeit, ein anscheinender Sonderfall. Was sind die medizinischen Hintergründe? Wo sind die Ursprünge zu suchen? Wie wurden und werden Linkshänder in der Gesellschaft gesehen und, damit verbunden, wie wird ihnen geholfen? Diese Arbeit untersucht schwerpunktmäßig, inwiefern das Thema in den Grundschulen und bei den Lehrkräften präsent ist und wie im Unterricht darauf eingegangen wird. Es werden Hintergründe geklärt und Vorurteile abgebaut. Lehrkräften werden Möglichkeiten zur optimalen Förderung des linkshändigen Kindes aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Fragestellung
2. Überblick über die Arbeit
II. Wissenschaftliches Verständnis von Linkshändigkeit
3. Medizinische Definition
4. Geschichte der Linkshändigkeit
4.1 Ursprung der Linkshändigkeit
4.2 Linkshändigkeit in der Gesellschaft früher
4.2.1 Händigkeitsthematik im Alten und Neuen Testament
4.2.2 Die spätere Geschichte
4.3 Linkshänderdidaktik früher
4.3.1 Problematik der Umschulung
5. Linkshändigkeit heute
5.1 Linkshändigkeit in der Gesellschaft heute
5.2 Einrichtungen / Spezielles für Linkshänder
6. Linkshändigkeit in der Grundschule
6.1 Feststellung von Linkshändigkeit
6.2 Präsenz der Linkshändigkeit in den Lehrplänen
6.3 Gezielte Fördermaßnahmen für das linkshändige Kind
6.3.1 Der Schreiblernprozess
6.3.2 Der Handarbeits- und Werkunterricht
6.3.3 Der Musikunterricht
6.3.4 Der Sportunterricht
6.3.5 Allgemein
6.4 Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Legasthenie
III. Linkshändigkeit im Schulalltag der Grundschule
7. Zielsetzung
8. Methodologische Fragestellung
9. Umsetzung
9.1. Findung der Probanden
9.2 Kriterien für die Auswahl der Interviewtechnik
9.3 Interviewtechniken im Überblick
9.3.1 Interviews mit Kindern
9.4 Technik der Unterrichtsbeobachtung
9.5 Auswahl der Techniken entsprechend den Fragestellungen dieser Arbeit
9.5.1 Das Lehrerinterview
9.5.2 Das Kinderinterview
9.5.3 Die Unterrichtsbeobachtung
10. Ergebnisse der Feldforschung
10.1 Alltagstheorien linkshändiger Lehrer bezüglich Linkshändigkeit
10.1.1 Interview mit Lehrer 1
10.1.2 Interview mit Lehrer 2
10.2 Alltagstheorien rechtshändiger Lehrer bezüglich Linkshändigkeit
10.2.1 Interview mit Lehrer 3
10.2.2 Interview mit Lehrer 4
10.3 Befragung der linkshändigen Kinder
10.3.1 Schüler von Lehrer 1
10.3.2 Schüler von Lehrer 2
10.3.3 Schüler von Lehrer 3
10.3.4 Schüler von Lehrer 4
10.4 Eigene Beobachtungen im Unterricht
10.4.1 Bei Lehrer 1
10.4.2 Bei Lehrer 2
10.4.3 Bei Lehrer 3
10.4.4 Bei Lehrer 4
10.5 Gesamtzusammenfassungen
10.5.1 Lehrer 1
10.5.2 Lehrer 2
10.5.3 Lehrer 3
10.5.4 Lehrer 4
11. Vergleich der Lehrkräfte / Fazit
IV. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bewusstsein und das praktische Handeln von Grundschullehrkräften im Umgang mit Linkshändigkeit im Schulalltag. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit moderne Erkenntnisse der Linkshänderdidaktik in den Unterrichtsalltag einfließen und welche Unterschiede dabei zwischen linkshändigen und rechtshändigen Lehrkräften sowie verschiedenen Altersgruppen bestehen.
- Medizinische Grundlagen der Händigkeit und Gehirnhemisphären
- Historische Entwicklung der Linkshänderdidaktik und Umschulungsproblematik
- Qualitative Feldforschung mittels Lehrer- und Kinderinterviews sowie Unterrichtsbeobachtung
- Analyse von Alltagstheorien bezüglich linkshändiger Kinder
- Fördermaßnahmen für Linkshänder im Schreib- und Fachunterricht
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Problematik der Umschulung
Der Begriff „Umschulung“ verharmlost den eigentlich massiven Eingriff ins Gehirn. Besser trifft es der amerikanische Ausdruck „brain breaking“, was soviel heißt wie „Brechen des Gehirns“.
Eine Umschulung bedeutet nicht nur eine Umtrainierung, sondern ist auch ein „schwerer Eingriff in die Persönlichkeit... .“
Wie in Kapitel 3 bereits ausgeführt, ist Händigkeit „... Ausdruck einer motorischen Dominanz im menschlichen Gehirn... .“
Eine Umstellung auf die rechte Hand beim Linkshänder bewirkt keine Umpolung dieser Dominanz, sie bleibt weiterhin in der rechten Hemisphäre angesiedelt., die umgeschulte Person weist lediglich äußerlich die Merkmale eines Rechtshänders auf.
Ein Konflikt zwischen den Gehirnhälften entsteht. „Die starke darf nicht, die schwache kann nicht, beide behindern sich gegenseitig: Knoten im Hirn.“
Betroffene beschreiben das hieraus resultierende Phänomen oft als eine Art „Wackelkontakt im Gehirn“.
Gemeint ist eine Diskrepanz zwischen der Aufnahme- sowie Begriffsfähigkeit eines Menschen und der Unfähigkeit, das Wissen adäquat schriftlich oder sprachlich auszudrücken.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung begründet das Thema durch die eigene Betroffenheit der Autorin und formuliert das Ziel, die Einstellung und den Umgang von Lehrkräften gegenüber linkshändigen Kindern zu hinterfragen.
II. Wissenschaftliches Verständnis von Linkshändigkeit: Das Kapitel erläutert medizinische Fakten zur Hemisphärendominanz, beleuchtet die historische Diskriminierung von Linkshändern und analysiert die negativen Folgen erzwungener Umschulungen.
III. Linkshändigkeit im Schulalltag der Grundschule: In diesem Hauptteil wird das methodische Vorgehen der Feldforschung beschrieben, die durch Interviews mit Lehrkräften und Schülern sowie durch Unterrichtsbeobachtungen Erkenntnisse über die tatsächliche didaktische Praxis liefern soll.
Schlüsselwörter
Linkshändigkeit, Rechtshändigkeit, Umschulung, Gehirnhemisphären, Grundschule, Schreiblernprozess, Didaktik, Hakenhand, Lateralität, Legasthenie, Feldforschung, Alltagstheorien, Schulpädagogik, Sonderpädagogik, Schreibhaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von linkshändigen Kindern im deutschen Grundschulalltag und wie Lehrkräfte mit deren spezifischen Bedürfnissen und Herausforderungen umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die medizinischen Hintergründe der Händigkeit, die historische Entwicklung der Diskriminierung von Linkshändern, die problematischen Folgen von Umschulungen sowie konkrete didaktische Unterstützungsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Lehrkräfte über modernes Wissen zu Linkshändigkeit verfügen und wie dieses (bzw. die Unkenntnis darüber) ihre Unterrichtsgestaltung und den Umgang mit betroffenen Schülern beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen qualitativen Forschungsansatz, bestehend aus Leitfadeninterviews mit Lehrkräften, Befragungen von linkshändigen Grundschulkindern sowie teilnehmenden Unterrichtsbeobachtungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Umsetzung der Feldforschung: der Erhebung und Auswertung der Daten bei vier verschiedenen Lehrkräften, differenziert nach Alter und Händigkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernthema "Linkshändigkeit" spielen die "Umschulung" und ihre psychomotorischen Folgen sowie "Alltagstheorien" von Lehrern eine zentrale Rolle.
Welche Rolle spielt die eigene Händigkeit der Lehrkraft?
Die Arbeit zeigt, dass linkshändige Lehrkräfte durch ihre eigene Biografie eine höhere Sensibilität für die Bedürfnisse linkshändiger Kinder aufweisen, auch wenn ihr theoretisches Fachwissen variiert.
Führt die Umschulung zwingend zu Intelligenzminderungen?
Nein, die Autorin hebt hervor, dass die Intelligenz nicht gemindert wird, jedoch die "fehlgeschaltete Vernetzung" im Gehirn den Zugriff auf kognitive Ressourcen massiv erschwert und zu Sekundärfolgen führt.
- Quote paper
- Sonja Götz (Author), 2002, Linkshändigkeit im Schulalltag der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/43716