Als man in den 1970ern, 20 Jahre nach dem Start des ersten deutschen Fernsehsenders, erkannt hatte, dass sich das Programm eines Senders nicht allein durch den Inhalt als zu einem Sender gehörig erkennen lässt, trat das Design seinen Feldzug durch die Fernsehlandschaft an. Heute gilt es in seiner Wichtigkeit als dem Programm fast gleichwertig. Eine einheitliche visuelle Sender- und Sendungsgestaltung bietet, wie eingangs bildlich im Zitat beschrieben, den Zuschauern Orientierung durch eindeutige Erkennbarkeit.
Das Design erschafft eine Corporate Identity, indem es Hinweise zu Sender, Sendung, Image und Inhalt gibt und so einen Wiedererkennungswert und Vertrauen, also eine gewisse „Treue zum Produkt“ bildet. Die 2014 erfolgten Erneuerungen von Tagesschau- und RTL-aktuell-Studio bestätigen die heutige Bedeutung des Designs im Fernsehen. Sie zeigen auch, besonders im Fall der Tagesschau, den schmalen Grat zwischen stilistischer Neuerung und Abweichen von der Sendungsidentität. Aufgrund der Aktualität dieses Themas wird in dieser Hausarbeit die historische Entwicklung des visuellen Sendungsdesigns der Tagesschau (TS) betrachtet und analysiert. Zunächst wird auf die Bedeutung des Designs als Medium in diesem Zusammenhang eingegangen, dann eine Unterscheidung zwischen Sender- und Sendungsidentität vorgenommen und der Untersuchungsgegenstand genauer vorgestellt.
Die Analyse erfolgt anschließend mittels den von Barbara Link angelegten, teils abgewandelten Kriterien. Es werden das Logodesign, die Studiogestaltung, das Design im Auftritt der Nachrichtensprecher, Grafiken und Beitragsbilder sowie das Farbdesign im Hinblick auf ihr Zusammenwirken für die Sendungsidentität in verschiedenen historischen Stadien betrachtet. Dabei soll gezeigt werden, wie im Kontext historischer und technischer Entwicklungen das Sendungsdesign an Bedeutung gewonnen hat, wie es konkret die gewünschte Identität vermittelt und aus welchen Aspekten diese sich im Rahmen von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Programmauftrag zusammensetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Design als Medium der Sender- und Sendungsidentität
3. Einführung des Gegenstandes: Die Tagesschau
4. Analyse des visuellen Sendungsdesigns
4.1 Sendung vom 16. November 1960
4.2 Sendung vom 26. Dezember 1992
4.3 Sendung vom 31. Dezember 2015
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des visuellen Sendungsdesigns der Tagesschau, um aufzuzeigen, wie durch gestalterische Elemente eine konsistente Sender- und Sendungsidentität im Kontext des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und dessen Programmauftrag konstruiert und über Jahrzehnte hinweg gewahrt wird.
- Historische Evolution des Tagesschau-Designs von 1960 bis 2015.
- Die Rolle von Design als Medium für Corporate Identity und Zuschauervertrauen.
- Analyse der Interaktion zwischen technischer Entwicklung und gestalterischer Umsetzung.
- Untersuchung der Konsistenz von Identitätsmerkmalen trotz moderner technischer Neuerungen.
- Bedeutung der Moderation und Studioarchitektur für die journalistische Glaubwürdigkeit.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Das muss werden wie Lübeck – da gibt es Wohnhäuser, Fabriken, Kontore, Kirchen und Kneipen; alles ist irgendwie anders, aber alles ist aus Backsteinen, und die sind gleich hoch, gleich breit und gleich lang“ (Heinz Pieroth zit. nach Schreiner 2005: 95 f.).
Als man in den 1970ern, 20 Jahre nach dem Start des ersten deutschen Fernsehsenders, erkannt hatte, dass sich das Programm eines Senders nicht allein durch den Inhalt als zu einem Sender gehörig erkennen lässt, trat das Design seinen Feldzug durch die Fernsehlandschaft an. Heute gilt es in seiner Wichtigkeit als dem Programm fast gleichwertig. Eine einheitliche visuelle Sender- und Sendungsgestaltung bietet, wie eingangs bildlich im Zitat beschrieben, den Zuschauern Orientierung durch eindeutige Erkennbarkeit. Das Design erschafft eine Corporate Identity, indem es Hinweise zu Sender, Sendung, Image und Inhalt gibt und so einen „Treue zum Produkt“ (Karstens & Schütte 2005: 221) bildet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des visuellen Designs für Fernsehsender ein und erläutert die Forschungsabsicht, die historische Entwicklung des Designs der Tagesschau zu analysieren.
2. Design als Medium der Sender- und Sendungsidentität: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Funktion von Designelementen wie Typografie und Logo als Instrumente zur Schaffung einer Corporate Identity und zur Förderung der Zuschauerbindung.
3. Einführung des Gegenstandes: Die Tagesschau: Hier wird der historische Kontext der Tagesschau als öffentlich-rechtliche Nachrichtensendung sowie ihre gesellschaftliche Rolle und Entwicklung vom Radio-Stil zur modernen Nachrichtensendung dargelegt.
4. Analyse des visuellen Sendungsdesigns: Dieser Hauptteil vergleicht anhand spezifischer Sendungsbeispiele aus den Jahren 1960, 1992 und 2015 die gestalterischen Veränderungen und Konstanten des visuellen Auftritts.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Grundkomposition der Tagesschau trotz technischer Fortschritte in 55 Jahren erhalten blieb, um Seriosität und Objektivität zu wahren.
Schlüsselwörter
Tagesschau, visuelles Sendungsdesign, Corporate Identity, Senderidentität, Sendungsidentität, Fernsehen, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Nachrichtengestaltung, Fernsehgeschichte, ARD, Medienästhetik, Journalistische Glaubwürdigkeit, Bildschirmdesign, Studioarchitektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung des visuellen Designs der Tagesschau und untersucht, wie dieses die Identität der Sendung im Laufe der Jahrzehnte geprägt hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die visuelle Identität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die technische Evolution des Sendungsdesigns und die Wahrung von Seriosität und Glaubwürdigkeit durch visuelle Mittel.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Sendungsdesign der Tagesschau als Mittel dient, um trotz technologischer Modernisierung eine beständige und vertrauenswürdige Identität zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine filmanalytische Vorgehensweise, bei der konkrete Sendungsbeispiele aus den Jahren 1960, 1992 und 2015 systematisch hinsichtlich ihrer gestalterischen Elemente ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das Design der ausgewählten Sendungen, inklusive des Intros, der Studioeinrichtung, der Rolle der Nachrichtensprecher sowie der Verwendung von Grafiken und Farben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Tagesschau, visuelles Sendungsdesign, Corporate Identity, Senderidentität und öffentlich-rechtlicher Rundfunk.
Warum spielt die Farbe Blau in den neueren Sendungsdesigns eine so tragende Rolle?
Blau wird als prägende Farbe eingesetzt, um Sachlichkeit, Objektivität und Seriosität zu vermitteln, was den Programmauftrag der Nachrichtensendung unterstreicht.
Wie hat sich die Rolle des Nachrichtensprechers in Bezug auf das Design über die Jahre verändert?
Während der Sprecher anfangs durch die technischen Gegebenheiten stark eingeschränkt war, ist er heute als integraler Bestandteil der modernen Studioarchitektur und -dynamik in den visuellen Gesamtauftritt eingebettet.
- Arbeit zitieren
- Anja-Katharina Riesterer (Autor:in), 2016, Die historische Entwicklung des visuellen Sendungsdesigns der Tagesschau, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/436638