Die aktuelle Forschung untersucht vermehrt die Beziehung bzw. Abgrenzung von Bildungssprache und sogenannter Schulsprache. Besonders Schülerantworten werden durch Verwendung von Schulsprache seit Jahrzehnten zu bestimmten Zwecken modelliert. Die explizite oder implizite Aufforderung an Schülerinnen und Schüler „Bitte im ganzen Satz!“ spielt an dieser Stelle eine entscheidende Rolle. Während diese Modellierung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts vor allem dazu diente, SuS aus ländlichen Gebieten die hochdeutsche Sprache anstelle des regionalen Dialektes näherzubringen, ist sie in der heutigen Zeit möglicherweise durch das Erscheinen sozialer Medien und deren Nutzung, die vermehrt durch Abkürzungen gekennzeichnet ist, besonders interessant.
Die folgende Seminararbeit soll sich zum einen mit der Frage beschäftigen, welche Funktion die Aufforderung „Bitte im ganzen Satz!“ im Unterricht innehat und welche Kompetenzen der SuS hierdurch gefördert werden sollen. Dafür soll zunächst ein Überblick geschaffen werden, auf welche Weise die aktuelle Forschungslage die Begriffe Bildungssprache und Schulsprache definiert. Im Anschluss soll genauer auf die Funktion der bereits genannten Schüleraufforderung eingegangen werden, die eigene Unterteilungsversuche beinhalten wird. Bevor ein abschließendes Fazit gezogen wird, werden einige Kompetenzmodelle im Hinblick auf die herausgearbeiteten Funktionen und Kompetenzen genauer betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu den Begriffen Bildungssprache und Schulsprache
3. Schülerantworten in der Erwartung „Bitte im ganzen Satz!“
4. Der Einfluss des modellierten Antwortverhaltens auf die literale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern am Beispiel verschiedener Kompetenzmodelle
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und den Nutzen der schulischen Aufforderung „Bitte im ganzen Satz!“ sowie deren Einfluss auf die literale Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern unter Einbezug linguistischer Kompetenzmodelle.
- Definition und Abgrenzung von Bildungs- und Schulsprache
- Didaktische Funktion der Modellierung von Schülerantworten
- Analyse des Einflusses auf die Ausdrucksfähigkeit und Satzkonstruktion
- Literalität als Bildungsziel im schulischen Kontext
- Vergleich verschiedener Kompetenzmodelle zur Förderung des schriftlichen Sprachgebrauchs
Auszug aus dem Buch
3. Schülerantworten in der Erwartung „Bitte im ganzen Satz!“
Das Eingangszitat, das eine Gesprächssituation zwischen einer Lehrerin und einem oder einer Schüler/in darstellt, stammt zwar aus einem der Unterhaltung dienenden Genre, kann sich jedoch in einigen deutschen Klassenzimmern auf diese Weise ereignen. Die Lehrkraft verlangt auf die Bitte nach einem Bleistift einen grammatikalisch korrekt formulierten Satz und modelliert damit das Sprachverhalten des Schülers/der Schülerin. In Helmuth Feilkes Definition der Schulsprache findet sich, wie bereits ausgeführt, der Aspekt der Spracherwartung, die an SuS innerhalb des Schulkontextes gestellt wird. Da Feilke selbst betont, dass die Schulsprache didaktisch konstruiert sei, um daran zu lernen, soll nun aufgeführt werden, welchen Zweck und Nutzen die Modellierung des Sprachverhaltens insbesondere bei Schülerantworten hervorbringen kann, obwohl diese anderen Sprachmaximen und dem natürlichen Sprachgebrauch widerspricht.
In Zeiten der Weiterentwicklung sozialer Medien scheint der Aspekt besonders aktuell. Dass dies jedoch ein überdauerndes Phänomen ist, zeigt sich dadurch, dass bereits Christian Zimmermann dieses Argument in seiner Abhandlung aus dem Jahr 1902 als Problem aufweist, dem durch das Antworten in ganzen Sätzen Abhilfe geschafft werden solle. Die Schülerantwort diene als ein „[…] vortreffliches Mittel zur Schulung in der Sprache […]“ und sei daher als Pflicht im Unterricht zu erwarten. Zudem stelle dieses Antwortverhalten eine Möglichkeit dar, den schriftlichen Gedankenaustausch vorzubereiten und zu unterstützen. Die direkte Rückmeldung durch eine Schülerantwort im ganzen Satz bestehe, zunächst in der Aufforderung zu zeigen, dass die jeweilige Lehrerfrage in ihrer Aufgabe und ihrem Zweck erkannt und verstanden wurde. Die SuS signalisieren an dieser Stelle ihre Kompetenzen darin, die Problemstellung erkannt zu haben und diese gleichzeitig lösen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Bildungssprache ein und skizziert die Fragestellung nach der Funktion der Aufforderung zu vollständigen Sätzen im Unterricht.
2. Zu den Begriffen Bildungssprache und Schulsprache: Das Kapitel differenziert zwischen allgemeiner Bildungssprache und der spezifisch für schulische Kontexte konstruierten Schulsprache sowie deren Funktionen.
3. Schülerantworten in der Erwartung „Bitte im ganzen Satz!“: Hier wird der Zweck und Nutzen dieser spezifischen Modellierung des Sprachverhaltens diskutiert und deren historischer Bezug beleuchtet.
4. Der Einfluss des modellierten Antwortverhaltens auf die literale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern am Beispiel verschiedener Kompetenzmodelle: Das Kapitel analysiert anhand verschiedener wissenschaftlicher Modelle, wie das Antwortverhalten die Schreib- und Ausdruckskompetenz der Schüler beeinflusst.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Modellierung von Sprachverhalten ein mächtiges, wenn auch oft unbewusstes Instrument zur Förderung literaler Kompetenzen darstellt.
Schlüsselwörter
Bildungssprache, Schulsprache, Sprachmodellierung, Schülerantworten, literale Kompetenz, Didaktik, Schriftspracherwerb, Sprachregister, Unterrichtskommunikation, Kompetenzmodelle, Textgestaltung, Sprachförderung, Satzkonstruktion, Sprachbewusstsein, Schulkontext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der unterrichtlichen Praxis der Aufforderung „Bitte im ganzen Satz!“ und deren linguistischer sowie didaktischer Bedeutung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Unterscheidung von Bildungs- und Schulsprache, die Analyse von Spracherwartungen und die Auswirkungen auf die Kompetenzentwicklung von Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktion der Modellierung von Sprachverhalten im Unterricht zu klären und zu untersuchen, welche Kompetenzen dadurch bei den Schülerinnen und Schülern gefördert werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse basierend auf fachwissenschaftlicher Literatur und setzt diese in Bezug zu gängigen Kompetenzmodellen der Sprachdidaktik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Analyse der Schüleraufforderungen sowie die Anwendung verschiedener Kompetenzmodelle zur Bewertung des Antwortverhaltens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildungssprache, Schulsprache, literale Kompetenz und didaktische Sprachmodellierung sind die tragenden Begriffe der Arbeit.
Inwiefern unterscheidet sich die Schulsprache laut Helmuth Feilke von der Bildungssprache?
Feilke betont, dass die Schulsprache didaktisch für den Unterricht konstruiert wurde, während die Bildungssprache historisch gewachsen ist und zum allgemeinen Sprachsystem gehört.
Warum wird die Aufforderung „Bitte im ganzen Satz!“ als problematisch oder gleichzeitig sinnvoll angesehen?
Sie widerspricht zwar dem natürlichen Sprachgebrauch, dient jedoch als didaktisches Mittel zur expliziten Sprachschulung und zur Sicherung der Nachvollziehbarkeit von Gedanken.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Schülerantworten. "Bitte im ganzen Satz!", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/436346