Diese Hausarbeit behandelt den Prozess der sozialen Konstruktion von Identität nach George Herbert Mead. Entsprechend seiner Kernthese: „Der Prozeß, aus dem heraus sich die Identität entwickelt, ist ein gesellschaftlicher Prozeß, der die gegenseitige Beeinflussung der Mitglieder der Gruppe, also das vorherige Bestehen der Gruppe selbst voraussetzt“ soll beleuchtet werden, inwieweit die Bildung der Identität eines Individuums durch die Gesellschaft beeinflusst und vorangetrieben wird.
Der Hauptteil dieser Arbeit ist unter dem ersten Abschnitt, soziale Konstruktion von Identität, in drei Teilabschnitte gegliedert. Zunächst wird im ersten Teilabschnitt der Symbolische Interaktionismus vorgestellt, welcher sich mit der Vermittlung von gesellschaftlichen Regeln durch Sprache und Symbole auseinandersetzt und bis heute eine der bekanntesten Theorien aus Meads Sozialpsychologie darstellt. Im darauffolgenden zweiten Teilabschnitt wird das Augenmerk auf die eigentliche Entwicklung der Identität gelegt, die bereits im frühen Kindesalter beginnt und im Kern darin besteht, dass das Kind verschiedene Rollen übernimmt. Zuletzt wird im dritten Teilabschnitt der Aufbau der menschlichen Identität genauer beleuchtet und untersucht, wie sich Diese aus dem sogenannten Ich und ICH zusammensetzt.
Der zweite Abschnitt des Hauptteiles beschäftigt sich vornehmlich mit dem gesellschaftlichen Einfluss auf die Identitätsbildung und schlägt somit die Brücke zur eigentlichen Kernthese. In diesem Rahmen befasst sich die Arbeit mit dem - mit der Identität eng verknüpften - Thema der Moral, so wie Mead diese verstand.
Am Ende dieser Arbeit folgt eine Schlussbetrachtung, in welcher zum einen Kritik an Meads Theorie geübt und diese zum anderen kurz in den Kontext vergleichbarer oder folgender Theorien eingebettet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Prozess der sozialen Konstruktion von Identität
1.1 Symbolischer Interaktionismus als Voraussetzung der Identitätsbildung
1.2 Entwicklung der Identität durch Perspektivübernahme
1.3 Die Beschaffenheit der Identität
2. Die Identität des Individuums als Teil der Gesellschaft
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess der sozialen Konstruktion von Identität nach George Herbert Mead, mit dem zentralen Ziel zu beleuchten, inwieweit die Identitätsbildung eines Individuums durch die Gesellschaft beeinflusst und vorangetrieben wird.
- Symbolischer Interaktionismus als theoretische Grundlage
- Phasen der Identitätsentwicklung (Play und Game)
- Zusammenspiel von Ich und ICH
- Gesellschaftlicher Einfluss und moralisches Handeln
Auszug aus dem Buch
1.3 Die Beschaffenheit der Identität
Nach Mead ist die Identität ein Zusammenschluss zweier Teile; dem I, zu Deutsch Ich und dem me, zu Deutsch ICH. Diese beiden Teile sind eng miteinander verwoben und bilden sich durch die Interaktion mit anderen Akteuren einer Gruppe aus. Durch die Übernahme und Reflexion der Haltungen anderer Akteure wird sich das Individuum seiner Identität bewusst. Dieses Identitätsbewusstsein spiegelt sich im ICH wieder. Das ICH steht für die organisierte Gruppe von Haltungen in gesellschaftlichen Prozessen. Dies entspricht der organisierten Gruppe von Haltungen, welche im Wettkampf und im weiteren Verlauf der Identitätsbildung erlernt wird.
Anders ausgedrückt: Die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden im ICH eines jeden Menschen vereint. Als Pendant dazu steht das Ich, welches die unmittelbaren Reaktionen des Individuums ausdrückt. Kommt der Mensch also in eine bestimmte Situation, stehen ihm alle möglichen Haltungen der Anderen, welche nach einer bestimmten Reaktion verlangen, im ICH zur Verfügung. Die letztliche Reaktion des Individuums bildet dabei das Ich. (vgl. Mead 1995, 218/219) „Das >>Ich<< ist die Reaktion des Organismus auf die Haltung Anderer; das >>ICH<< ist die organisierte Gruppe von Haltungen anderer, die man selbst einnimmt.“ (Mead 1995, 218). Jedes Ich in einem Moment wird damit ein Teil des ICH im nächsten Moment. Somit besteht das ICH aus vielen vorhergegangenen Ichs der Vergangenheit (vgl. Mead 1995, 217). Dem Ich ist es zu verdanken, dass die Menschen nicht alle vollkommen gleich sind. Es steht für die Kreativität und Spontanität, ist zumeist unberechenbar und nicht vorhersagbar (vgl. Garz 2006, 47). Dem gegenüber steht das ICH, welches reflektierend über die möglichen Handlungsansätze der jeweiligen Situation steht. Mead vergleicht das ICH mit dem Über-Ich von Freud, welches die Triebimpulse reglementiert und zurückhält, so wie es dem Individuum für das gesellschaftliche Leben beigebracht wurde. Als Triebimpulse kann bei diesem Vergleich das Ich bezeichnet werden (vgl. Abels 2017, 214). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Identität oder das Selbst gleichermaßen aus dem Ich und dem ICH des Menschen gebildet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prozess der sozialen Konstruktion von Identität: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen von Meads Identitätstheorie ein, definiert den Sozialbehaviorismus und erläutert die Entstehung des Selbst durch Interaktion.
1.1 Symbolischer Interaktionismus als Voraussetzung der Identitätsbildung: Hier wird dargelegt, wie Denken und Sprache durch Kommunikation mit anderen zur Ausbildung eines Selbstbewusstseins führen.
1.2 Entwicklung der Identität durch Perspektivübernahme: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung von der Phase des Spiels (Play) bis zum Wettkampf (Game) und die Bedeutung des verallgemeinerten Anderen.
1.3 Die Beschaffenheit der Identität: Es wird die Differenzierung in das spontane "Ich" und das durch gesellschaftliche Regeln geprägte "ICH" analysiert.
2. Die Identität des Individuums als Teil der Gesellschaft: Dieses Kapitel beleuchtet das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft sowie die Institutionalisierung von Reaktionen.
3. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die zentralen Thesen zusammen, bietet eine kritische Würdigung von Meads Modell anhand von Beispielen und verortet die Theorie im soziologischen Kontext.
Schlüsselwörter
George Herbert Mead, soziale Konstruktion, Identität, Symbolischer Interaktionismus, Ich, ICH, Sozialbehaviorismus, Perspektivübernahme, verallgemeinerter Anderer, Sozialisation, Interaktion, Moral, Selbst, Gesellschaft, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialpsychologischen Identitätstheorie nach George Herbert Mead und untersucht, wie Identität durch gesellschaftliche Prozesse und Interaktion entsteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören der symbolische Interaktionismus, die Phasen der kindlichen Rollenübernahme, die Struktur des Selbst (Ich und ICH) und die Rolle der Gesellschaft bei der Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Bildung der Identität eines Individuums durch die Gesellschaft beeinflusst und maßgeblich vorangetrieben wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse von Meads Hauptwerk sowie ergänzender soziologischer Fachliteratur zur Sozialpsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Selbst durch Interaktion, die Entwicklung durch Perspektivübernahme und das Zusammenspiel von individueller Spontanität und gesellschaftlichen Normen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identität, Interaktionismus, Gesellschaft, Ich, ICH, Rollenübernahme und Sozialisation.
Wie unterscheidet Mead das "Ich" vom "ICH"?
Das "Ich" steht für die unmittelbare, spontane und kreative Reaktion des Individuums, während das "ICH" die verinnerlichte, organisierte Gruppe von gesellschaftlichen Haltungen repräsentiert.
Wie kritisiert die Arbeit die Theorie Meads im Hinblick auf Gehörlose?
Die Arbeit argumentiert, dass Meads starke Fokussierung auf die Lautsprache als Voraussetzung für Denken und Identität problematisch ist, da gehörlose Menschen trotz anderer Kommunikationsformen eine normale Identität ausbilden können.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Prozess der sozialen Konstruktion von Identität nach George Herbert Mead, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/436016