Bereits seit einigen Jahren wird der Bundesrepublik Deutschland ein Fachkräftemangel prognostiziert. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt bereits davor, dass Deutschland bald 390.000 Ingenieurinnen und Ingenieure fehlen könnten, um ein aktuelles Beispiel einer Berufsgruppe zu nennen. Auf der anderen Seite haben namhafte Industrieunternehmen wie die Airbus Group, Thyssenkrupp oder auch Lufthansa Technik Einlasstopp.
Das bedeutet, dass sie selber derzeit keine neuen MitarbeiterInnen einstellen, obwohl eigentlich dringend Fachkräfte benötigt werden. Stattdessen steigt die Zahl von sogenannten LeiharbeiterInnen in diesen Betrieben. Dieser Prozess wird als „Arbeitsmarktflexibilisierung“ bezeichnet. Nun stellt sich die Frage, mit welchen Benachteiligungen dieser Wandel für die ArbeitnehmerInnen einhergehen könnte. Werden eventuell bestimmte Arbeitnehmergruppen benachteiligt oder haben sie einen essenziellen Vorteil gegenüber anderen? Besonderer Fokus liegt daher auf der sozialen Ungleichheit und inwiefern diese durch die Arbeitsmarktflexibilisierung verändert werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung
2. Soziale Ungleichheit
2.1 Arbeitsmarktflexibilisierung
2.2 Normalarbeitsverhältnis & Atypische Beschäftigungsverhältnisse
2.3 Prekarisierung
3. Aktuelle empirische Befunde
4. Arbeitsmarktflexibilisierung und soziale Ungleichheit
4.1 Wertvolle Güter
4.2 Veränderungen in der horizontalen und vertikalen Ungleichheit
4.3. Status
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die zunehmende Arbeitsmarktflexibilisierung in der Bundesrepublik Deutschland soziale Ungleichheiten verschärft und den Zugang zu wertvollen Gütern für verschiedene Arbeitnehmergruppen verändert.
- Wandel des Normalarbeitsverhältnisses und Zunahme atypischer Beschäftigung.
- Die Rolle der Prekarisierung für die soziale Integration im Betrieb.
- Empirische Analyse der Leiharbeit und ihrer sozioökonomischen Auswirkungen.
- Veränderungen in vertikalen und horizontalen Ungleichheitsdimensionen (Einkommen, Status, Bildung).
- Auswirkungen von Machtansprüchen und Statuskonflikten zwischen Stammbelegschaft und LeiharbeiterInnen.
Auszug aus dem Buch
4.1 Wertvolle Güter
Mit dem schrittweisen Abbau des Normalarbeitsverhältnisses durch die Arbeitsmarktflexibilisierung fallen gewisse wertvolle Güter und Werte bei den prekär Beschäftigten weg bzw. sind nur im geringen Maße verfügbar. Zum Beispiel haben die LeiharbeiterInnen keinen Zugang zum wertvollen Gut des Kündigungsschutzes bzw. der Sicherheit. Sie müssen fürchten, jederzeit entlassen werden zu können. Dabei nimmt der Markt und die Auftragslage eine entscheidende Rolle ein. Gibt es zu wenig Aufträge, wird der Einsatz der prekär Beschäftigten beendet. Ist die Auftragslage besonders hoch, leisten die ZeitarbeiterInnen Überstunden, aus Angst vor Entlassung. Interessant ist, dass die Nachfrage und der Markt starken Einfluss auf die Beschäftigung der LeiharbeiterInnen haben. Ein Festangestellter muss bei einer unbefristeten Beschäftigung auch bei Rezession nicht damit rechnen, direkt entlassen zu werden, da dieser mit umfangreichen Arbeitnehmerschutzgesetzen ausgestattet ist.
Auch hochwertige Schulungen und Weiterbildungen werden den prekär Beschäftigten meistens nicht ermöglicht, da nicht absehbar ist, wie lange die LeiharbeiterInnen in dem entleihenden Betrieb beschäftigt sein werden. Der Zugang wird den Festangestellten ermöglicht, da diese auch dafür zuständig sind, ihre flexibel eingesetzten KollegInnen einzuarbeiten. Im Gegensatz zu den Festangestellten haben sie damit keinen Zugang zu weiterbildenden Maßnahmen. Geregelte Arbeitszeiten, Sicherung durch Kündigungsschutz und qualitative Weiterbildungen sind Güter, die den LeiharbeiterInnen verwehrt bleiben und zu denen sie meistens, aufgrund ihrer prekären Position, keinen Zugang haben. Daraus ergibt sich folglich, dass sie auch keine anerkannten Zertifikate über die Schulungen erhalten, die sie bei einer nächsten Bewerbung verwenden können. Wenn zum Beispiel ein Ingenieur ein Konstruktionsprogramm beherrscht, könnte es schwierig auf dem Arbeitsmarkt werden, wenn er nicht über ein entsprechendes Schulungszertifikat verfügt. Damit wird ein beruflicher Aufstieg für die LeiharbeiterInnen schwierig und Unternehmen können diesen Arbeiter begründet befristet einsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einführung: Die Einleitung skizziert den Fachkräftemangel und die steigende Arbeitsmarktflexibilisierung, um die zentrale Forschungsfrage nach den Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit zu begründen.
2. Soziale Ungleichheit: Dieses Kapitel definiert soziale Ungleichheit anhand des Konzepts von Stefan Hradil und erläutert die Begriffe Arbeitsmarktflexibilisierung, atypische Beschäftigung und Prekarisierung.
3. Aktuelle empirische Befunde: Hier werden statistische Daten zur Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland präsentiert, die den Rückgang des Normalarbeitsverhältnisses belegen.
4. Arbeitsmarktflexibilisierung und soziale Ungleichheit: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte in der Praxis, fokussiert auf wertvolle Güter, Dimensionen der Ungleichheit sowie den Status von Arbeitnehmern.
4.1 Wertvolle Güter: Es wird dargelegt, welche spezifischen Vorteile wie Kündigungsschutz oder Weiterbildungen prekär Beschäftigten verwehrt bleiben.
4.2 Veränderungen in der horizontalen und vertikalen Ungleichheit: Analyse der Ungleichheitskategorien wie Einkommen, Bildung, Alter und Geschlecht im Kontext flexibler Beschäftigungsformen.
4.3. Status: Untersuchung der Machtansprüche und des Prestiges sowie der Konflikte zwischen Stammbelegschaft und Leihpersonal.
5. Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion der These, dass sich eine neue soziale Ungleichheit in der Arbeitswelt etabliert hat.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Arbeitsmarktflexibilisierung, Leiharbeit, Normalarbeitsverhältnis, Prekarisierung, atypische Beschäftigung, Statuskonsistenz, Statusinkonsistenz, Machtanspruch, Arbeitsrecht, Fachkräftemangel, soziale Integration, Einkommensdiskrepanz, Teilzeitbeschäftigung, berufliche Qualifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert, wie die zunehmende Flexibilisierung des deutschen Arbeitsmarktes die bestehende soziale Ungleichheit beeinflusst und welche Personengruppen dabei besonderen Risiken ausgesetzt sind.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Normalarbeitsverhältnisses, der verschiedenen Formen atypischer Beschäftigung sowie die daraus resultierende Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse.
Was ist die übergeordnete Forschungsfrage?
Die Autorin stellt die Frage, wie die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland konkret verändert.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die durch eine Analyse aktueller Statistiken und empirischer Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie soziologischer Fachliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil setzt die Flexibilisierungsstrategien in Bezug zur Definition sozialer Ungleichheit nach Stefan Hradil und beleuchtet die Verteilung wertvoller Güter sowie Statuskonflikte in Betrieben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff der sozialen Ungleichheit sind die Begriffe Leiharbeit, Prekarisierung und der Wandel des Normalarbeitsverhältnisses entscheidend für das Verständnis der Arbeit.
Welche Bedeutung hat das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz für die Argumentation der Arbeit?
Das Gesetz wird als regulatorischer Eingriff betrachtet, der zwar durch „Equal Pay“ versucht, Ungleichheiten beim Einkommen zu mildern, aber andere strukturelle Benachteiligungen wie mangelnde betriebliche Integration bestehen lässt.
Wie unterscheidet sich die Situation von Stammmitarbeitern zu Leiharbeitern im Hinblick auf den Status?
Während Stammmitarbeiter durch Zugehörigkeit und langfristige Projekte einen höheren Status und Prestige genießen, sind Leiharbeiter gezwungen, ihren Status permanent neu zu verhandeln und sich in wechselnden Arbeitsumgebungen ständig neu zu profilieren.
Gibt es auch für Festangestellte Risiken durch die Arbeitsmarktflexibilisierung?
Ja, die Arbeit weist darauf hin, dass auch Festangestellte durch den Druck zur Flexibilität, befristete Verträge oder die Angst vor Arbeitsplatzverlust in prekäre Lagen geraten können.
- Arbeit zitieren
- Felix Böttjer (Autor:in), 2017, Wie verändert die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/434916