In Deutschland wurden im März 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt ca. 8000 Personen in psychiatrischen Krankenhäusern gemäß § 63 StGB gezählt.
In den Medien und in der Gesellschaft steht der Maßregelvollzug oft in der Kritik. Die im Maßregelvollzug untergebrachten Menschen haben oftmals sehr schwere und tragende Delikte begangen. Außenstehende empfinden Furcht und Misstrauen gegenüber den Einrichtungen und Patienten und verstehen nicht, wieso diese Menschen nicht in eine Justizvollzugsanstalt eingesperrt werden. Um diesen Vorurteilen zu begegnen, sollen in der vorliegenden Arbeit die Aufgaben und Ziele des Maßregelvollzugs beschrieben werden.
Welche Funktion hat der Maßregelvollzug gemäß § 63 StGB? Wie sieht die rechtliche Grundlage aus? Wer genau wird in den forensischen Kliniken untergebracht? Erfolgen therapeutische Maßnahmen während der Unterbringung? Wann wird die Maßnahme beendet?
Diese und weitere Fragen sollen im Laufe dieser Hausarbeit geklärt werden. Dazu werden im ersten Kapitel zunächst die wichtigsten Eckdaten des Maßregelvollzugs genannt. Dazu zählen unter anderem eine kurze Beschreibung, die Ziele und relevante Straftaten und Störungsbilder. Im zweiten Kapitel sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen dargestellt werden. Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Aufgaben und im vierten Kapitel geht es um die Beendigung der Maßnahme. Der Fokus wird in der gesamten Hausarbeit auf den Maßregelvollzug nach § 63 StGB gelegt. Abschließend folgt ein kurzer Schlussteil.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kurze Einführung
1.1. Beschreibung
1.2. Ziele des Maßregelvollzugs
1.3. Straftaten und relevante Störungsbilder
2. Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Aufgaben
3.1. Sicherung
3.2. Therapieangebote/Besserung
3.3. Vollzugslockerung
4. Beendigung der Maßnahme
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Funktion, die rechtlichen Grundlagen sowie die praktische Ausgestaltung des Maßregelvollzugs gemäß § 63 StGB, um verbreitete Vorurteile abzubauen und das Spannungsfeld zwischen therapeutischer Besserung und gesellschaftlicher Sicherung aufzuzeigen.
- Rechtliche Einordnung der Unterbringung nach § 63 StGB
- Differenzierung zwischen Sicherung und therapeutischer Besserung
- Kriterien für Straftaten und relevante psychiatrische Störungsbilder
- Prozess der Entlassungsvorbereitung und Vollzugslockerung
- Kritische Betrachtung der Verweildauer und Behandlungsqualität
Auszug aus dem Buch
1.1. Beschreibung
Forensik und Maßregelvollzug werden häufig synonym verwendet, obwohl das streng genommen nicht ganz richtig ist. Der Begriff „Forensik“ stammt vom lateinischen Wort „Forum“ (= der Platz, das Theater, das Gericht) ab und bezieht sich im weitesten Sinne auf die Anwendung einer Wissenschaft zur Beantwortung von gerichtlichen Fragen. Es bezeichnet generell die Verbrechensaufklärung und ist ein juristischer Begriff (Nedopil 2007).
Der Maßregelvollzug hingegen ist ein Tätigkeitsfeld der forensischen Psychologie. In der Regel findet ein Maßregelvollzug in psychiatrisch-forensischen Fachkrankenhäusern oder in Abteilungen an psychiatrischen Kliniken statt. Im Maßregelvollzug (gem. § 63 StGB) werden schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Rechtsbrecher*innen untergebracht, die aufgrund einer psychischen Erkrankung eine erhebliche Straftat begangen haben und davon ausgegangen wird, dass weitere zu erwarten sind. Das heißt, die Betroffenen können nicht für ihre Taten (vollständig) verantwortlich gemacht werden und werden daher von Gerichten in forensisch-psychiatrische Kliniken eingewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz des Maßregelvollzugs dar, thematisiert die gesellschaftliche Kritik und definiert die Forschungsfragen der Arbeit.
1. Kurze Einführung: Das Kapitel definiert den Begriff des Maßregelvollzugs, umreißt dessen Ziele und benennt die psychiatrischen Störungsbilder, die eine Unterbringung rechtfertigen können.
2. Rechtliche Rahmenbedingungen: Hier werden die juristischen Grundlagen nach dem Schuldprinzip sowie die spezifischen Voraussetzungen gemäß § 63 StGB für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik erläutert.
3. Aufgaben: Dieses Kapitel behandelt die duale Strategie aus Sicherung der Allgemeinheit sowie therapeutischer Behandlung zur Besserung der Patienten.
4. Beendigung der Maßnahme: Der Abschnitt beschreibt die Kriterien und den rechtlichen Prozess, der zur Beendigung der unbefristeten Unterbringung oder zur Aussetzung zur Bewährung führt.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die zunehmende Verweildauer sowie die Notwendigkeit von Reformen im Maßregelvollzug.
Schlüsselwörter
Maßregelvollzug, § 63 StGB, Forensik, Schuldunfähigkeit, Sicherung, Besserung, Psychiatrie, Rechtsbrecher, Verhältnismäßigkeit, Unterbringung, Vollzugslockerung, Therapieplan, Bewährung, Führungsaufsicht, Kriminalprognose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das System des Maßregelvollzugs gemäß § 63 StGB, insbesondere die Aufgaben, Ziele und rechtlichen Rahmenbedingungen der Unterbringung von schuldunfähigen Rechtsbrechern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die rechtliche Begründung der Unterbringung, die therapeutische Behandlung zur Rückfallprävention sowie die Strategien zur Wiedereingliederung durch Lockerungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Kritik am Maßregelvollzug durch eine sachliche Darstellung der rechtlichen und medizinischen Funktionsweise zu entkräften und die Komplexität der Maßnahme aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachbüchern, Gesetzestexten (StGB, MRVG NRW) und aktuellen wissenschaftlichen Publikationen zur forensischen Psychiatrie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Einordnung, die Aufgabenbereiche (Sicherung vs. Besserung) und den Prozess der Beendigung der Maßnahme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schuldunfähigkeit, Gefährlichkeitsprognose, Therapie, Verhältnismäßigkeit und Resozialisierung bestimmt.
Was unterscheidet den Maßregelvollzug von einer JVA?
Im Gegensatz zum Strafvollzug in der JVA liegt der Fokus beim Maßregelvollzug nach § 63 StGB primär auf der therapeutischen Behandlung einer krankheitsbedingten Gefährlichkeit anstatt auf der reinen Verbüßung einer Strafe.
Warum ist die Verweildauer im Maßregelvollzug ein kritisches Thema?
Da die Unterbringung unbefristet ist, besteht die Gefahr, dass Patienten trotz therapeutischer Fortschritte deutlich länger als notwendige Freiheitsstrafen inhaftiert bleiben, was in der Fachwelt und Literatur oft diskutiert wird.
- Arbeit zitieren
- J. R. (Autor:in), 2018, Was ist der Maßregelvollzug?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/432818