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Sind Modernisierungsmaßnahmen der Dezentralisierung und Abflachung von Hierarchien für Organisationen wie VW funktional?

Titel: Sind Modernisierungsmaßnahmen der Dezentralisierung und Abflachung von Hierarchien für Organisationen wie VW funktional?

Hausarbeit , 2018 , 14 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Patricia Paschen (Autor:in)

Soziologie - Allgemeines und Theorierichtungen

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen der Abgas-Affäre Volkswagens wurde der Volkswagen-Konzern im Oktober 2015 von dem VW-Betriebsrat und der IG Metall dazu aufgefordert, Konsequenzen aus dem Skandal zu ziehen und zu Modernisierungsmaßnahmen, namentlich flacheren Hierarchien und Dezentralisierung, zu greifen. Dies beschreibt auch der aktuelle Trend zu neuen Organisationsstrukturen, welcher organisationale Strukturen immer mehr zu einer „Abflachung von Hierarchien […] und […] Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen“ tendierend beschreibt. Doch lassen sich diese Forderungen so einfach auf etablierte, große Unternehmen anwenden, die bereits über eine ausgeprägte, formalisierte Binnenstruktur verfügen?

Vor diesem Hintergrund soll in dieser Hausarbeit die Fragestellung untersucht werden, inwiefern sich die Einführung flacherer Hierarchien und einer Dezentralisierung in einem großen, etablierten Unternehmen wie Volkswagen als funktional erweisen könnte. Die soziologische Relevanz dieser Fragestellung beweist sich darin, dass hier eine Perspektive eingenommen wird, die entgegen der Annahmen in diverser betriebswirtschaftlicher und Managementliteratur annimmt, dass diese Modernisierungsmaßnahmen nicht automatisch die erwünschten Folgen hervorbringen.

Zunächst werden der theoretische Rahmen durch den Ansatz zur „Structurelessness“ von Freeman dargelegt, relevante Begrifflichkeiten wie Formalität, Informalität und Macht zum Verständnis geklärt und die Modernisierungsmaßnahmen grob skizziert. Anschließend wird im darauffolgenden Kapitel anhand der Onlinepräsenz von Volkswagen analysiert, inwiefern diese Modernisierungsmaßnahmen funktionale Auswirkungen für VW als Organisation haben können. Abschließend wird in einem Fazit inklusive Ausblick das Wichtigste noch einmal zusammengefasst und bewertet, ob die von der Modernisierungsforderung erhofften und erwünschten Folgen eintreten werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

3. Modernisierungsmaßnahmen bei VW (Onlinepräsenz)

4. Fazit & Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht aus soziologischer Perspektive, inwieweit die Einführung flacherer Hierarchien und eine Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen als Modernisierungsmaßnahmen in einem großen, etablierten Unternehmen wie Volkswagen funktional sind.

  • Analyse der theoretischen Konzepte von Formalität, Informalität und Macht nach Freeman und Kühl.
  • Untersuchung der strategischen Neuausrichtung des Volkswagen-Konzerns nach der Abgas-Affäre.
  • Kritische Reflexion von Modernisierungsversprechen wie "Demokratisierung" und "Teilautonomie".
  • Bewertung der Dysfunktionalität informeller Strukturen in Großorganisationen.
  • Gegenüberstellung von Außenwirkung (Fassade) und internen organisationalen Realitäten.

Auszug aus dem Buch

3. Modernisierungsmaßnahmen bei VW (Onlinepräsenz)

Von einer Dezentralisierung der Entscheidungsbefugnisse versprechen sich Organisationen eine diskursiv koordinierte Lösung von Konflikten sowie einen besseren Umgang mit der eigenen und Umweltkomplexität, wodurch sich außerdem eine schnellere, direktere und qualitativ hochwertigere Problemlösung erhofft wird (vgl. Kühl 2001 470ff.; vgl. Kühl 2002: 32). So lässt sich auch der Webseite von VW (unter „Strategie“) entnehmen, dass zur neuen Strategie VWs „funktionierende Netzwerke“ und „gute Beziehungen zwischen den Menschen“ gehören. Die Dezentralisierung in teilautonome Gruppen mit gleichgestellten Mitgliedern, die eigene Aufgaben haben und zusätzlich die anderen Mitglieder vertreten können sollen, soll der Hoffnung des Managements zufolge „Flexibilität durch gegenseitige Hilfe und Vertretung [erhöhen]“ (Kühl 2001: 474). Es besteht die Hoffnung, dass „gerade heterogen zusammengesetzte Gruppen die Komplexität der relevanten Umwelten eines Segments besser abbilden können als durch eine Führungskraft dominierte Gruppen.“ (Kühl 2001: 474). Doch gerade in diesen Gruppen eröffnen sich Probleme durch die aktiv ausgeschlossene Formalstruktur (vgl. Kühl 2001: 476ff.): Es kommt zu zeitintensiveren und komplizierteren Entscheidungsfindungsprozessen, da kein Teammitglied über die Autorität verfügt, eine Entscheidung zu fällen, weil alle gleichberechtigt sind. Weiterhin werden Verantwortlichkeiten diffus und durch die fehlende hierarchische Struktur entsteht ein vager und unspezifischer Eindruck über die jeweilige Verantwortung, weil es keinen formal festgelegten Ansprechpartner mehr gibt. Schließlich ist das Risiko für Machtkämpfe erhöht, obwohl innere Konflikte der Erwartung nach durch den Abbau von Hierarchien eigentlich reduziert werden sollen und es bilden sich informelle Machtstrukturen aus, da die Macht „nicht mehr in Hierarchien kristallisiert und durch feste Strukturen reguliert wird“ (Kühl 1994: 99f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik ein, ob moderne Dezentralisierungstrends auf etablierte Großkonzerne wie Volkswagen ohne dysfunktionale Folgen übertragbar sind.

2. Theoretischer Rahmen: Es werden soziologische Grundbegriffe wie Formalität, Informalität und Macht sowie der "Structurelessness"-Ansatz von Freeman theoretisch fundiert.

3. Modernisierungsmaßnahmen bei VW (Onlinepräsenz): Anhand der digitalen Selbstdarstellung von VW wird analysiert, wie Dezentralisierungsversprechen mit organisationalen Realitäten kollidieren.

4. Fazit & Ausblick: Die Arbeit schlussfolgert, dass eine radikale Dezentralisierung in Großorganisationen wie VW eher dysfunktionale Konsequenzen hätte und plädiert für eine differenzierte Betrachtung von Stabilitäts- und Flexibilitätsanforderungen.

Schlüsselwörter

Organisationssoziologie, Volkswagen, Dezentralisierung, Hierarchieabflachung, Formalstruktur, Informalität, Macht, Komplexität, Strategie TOGETHER, Organisationswandel, Führung, Postbürokratie, Modernisierung, Struktur, Systemtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktionalität aktueller Modernisierungsmaßnahmen – namentlich die Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen und die Abflachung von Hierarchien – am Beispiel des Volkswagen-Konzerns.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft organisationssoziologische Theorien zu formalen und informellen Strukturen mit aktuellen unternehmerischen Strategien in großen, etablierten Organisationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob die in der Managementliteratur oft propagierten "flachen Hierarchien" tatsächlich die gewünschten positiven Effekte erzielen oder ob sie für einen Großkonzern wie VW eher dysfunktional wirken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch geleitete Analyse, die fachliche Literatur mit einer explorativen Untersuchung der öffentlichen Onlinepräsenz von Volkswagen kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe Formalität und Macht sowie eine Anwendung dieser Theorien auf die aktuelle "Strategie TOGETHER" von Volkswagen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Organisationssoziologie, Hierarchie, Macht, Dezentralisierung, Komplexität und der Gegensatz von formalen zu informellen Strukturen.

Warum wird VW als Fallbeispiel gewählt?

VW dient als Paradebeispiel für ein großes, etabliertes Unternehmen, das infolge der Abgas-Affäre unter hohem Legitimationsdruck steht, sich nach außen hin als modern und agil zu inszenieren.

Welche Rolle spielt die "Online-Fassade" in der Analyse?

Die Autorin betrachtet die Webseite als eine ideale "Fassade", die zwar den Modernisierungswillen des Unternehmens demonstriert, jedoch kritisch auf ihre reale Umsetzbarkeit und interne Funktionalität hin hinterfragt wird.

Welches Fazit zieht die Autorin?

Das Fazit lautet, dass eine vollständige Abkehr von hierarchischen Strukturen in einem Großkonzern aufgrund der hohen Komplexität dysfunktional wäre und zu Handlungsunfähigkeit führen könnte.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sind Modernisierungsmaßnahmen der Dezentralisierung und Abflachung von Hierarchien für Organisationen wie VW funktional?
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Grundlagen der Organisationssoziologie
Note
1,7
Autor
Patricia Paschen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V432157
ISBN (eBook)
9783668747340
ISBN (Buch)
9783668747357
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisationssoziologie Soziologie VW Skandal VW-Affäre Organisationen Modernisierung funktional Volkswagen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patricia Paschen (Autor:in), 2018, Sind Modernisierungsmaßnahmen der Dezentralisierung und Abflachung von Hierarchien für Organisationen wie VW funktional?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/432157
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Leseprobe aus  14  Seiten
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