Hip-Hop und DDR, kann das überhaupt zusammenpassen?
Diese Frage soll im Verlauf dieser Hausarbeit betrachtet werden. Konkret gesagt soll aufbauend auf den Forschungen Leonard Schmiedings, welcher durch die Veröffentlichung seine Dissertatio zum Hip-Hop in der DDR im Jahr 2014 eine
Grundlage dieses Forschungsfeldes schuf, untersucht werden, inwiefern sich der Kulturtransfer des Hip-Hops über den Eisernen Vorhang hinweg gestaltete und wie die staatlichen Akteure der DDR auf diesen westlichen Kulturimport reagierten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung der Hip-Hop-Kultur und ihre vier Grundsäulen
3 Der Kulturtransfer des Hip-Hops in die DDR
4 Beispiele des staatlichen Umgangs mit der Jugendkultur des Hip-Hops
4.1 Der Zulassungsprozess des Spielfilms Beat Street
4.2 Der Umgang staatlicher Akteure mit der Breakdance-Szene
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den kulturellen Transfer der Hip-Hop-Jugendkultur von den USA in die DDR sowie die ambivalente Reaktion der staatlichen Akteure auf dieses westliche Phänomen, wobei insbesondere der Spannungsbereich zwischen staatlicher Duldung, Vereinnahmung und Repression analysiert wird.
- Historische Herleitung der Hip-Hop-Kultur und ihrer vier Grundsäulen
- Analyse des Kulturtransfers durch Medien wie Musik und Spielfilme
- Untersuchung der staatlichen Entscheidungsprozesse am Beispiel des Films "Beat Street"
- Dokumentation des Umgangs staatlicher Organe mit Breakdance-Gruppen
- Reflektion der staatlichen Strategien der Überwachung und Zersetzung jugendlicher Subkulturen
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Zulassungsprozess des Spielfilms Beat Street
Um zu verstehen, dass die staatliche Zulassung des Films Beat Street für die DDR-Kinos einen Sonderfall und gewissermaßen ein Novum innerhalb der jugendpolitischen Ausrichtung der SED-Führung darstellte, müssen Ereignisse, welche 20 Jahre zuvor stattgefunden haben, in die Betrachtung miteinbezogen werden. Am 31. Oktober 1965 haben Jugendliche in Leipzig dagegen demonstriert, dass die zu dieser Zeit äußerst populäre Beat Musik in der DDR nahezu vollständig verboten werden sollte. Das Ministerium für Staatssicherheit war der Meinung, dass der westliche Klassenfeind durch kapitalistische Musikexporte versuche, die jungen DDR-Bürger zu beeinflussen.
Dieser Befehl, welcher die staatlichen Akteure der DDR dazu anweist, aufkommende Jugendbewegungen in Zukunft kritisch zu hinterfragen, ist auch noch knapp 20 Jahre später bei der Zulassung des Filmes Beat Street gültig. Deshalb sollen im kommenden Abschnitt die Gründe für die Zulassung dieses Filmes, welcher nachweislich die Entwicklung der Jugendkultur des Hip-Hops in der DDR vorangetrieben hat, betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Hip-Hop-Kultur als globale Jugendbewegung und ihre historisch weniger bekannte Rezeption in der DDR.
2 Die Entstehung der Hip-Hop-Kultur und ihre vier Grundsäulen: Darstellung der historischen Wurzeln in der New Yorker Bronx und Erläuterung der vier zentralen Elemente DJing, Graffiti, B-Boying und MCing.
3 Der Kulturtransfer des Hip-Hops in die DDR: Analyse der Rezeption durch DDR-Jugendliche via Westmedien und die spezifische Adaption, insbesondere des Breakdance, trotz widriger ökonomischer Bedingungen.
4 Beispiele des staatlichen Umgangs mit der Jugendkultur des Hip-Hops: Untersuchung der behördlichen Strategien im Umgang mit Hip-Hop, unterteilt in die mediale Zulassungspolitik und die repressive Überwachung aktiver Jugendgruppen.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage über die Art und Weise des Kulturtransfers und die ideologische Unfähigkeit des Staates, das Phänomen Hip-Hop vollumfänglich zu erfassen.
Schlüsselwörter
Hip-Hop, DDR, Kulturtransfer, Jugendkultur, Breakdance, Beat Street, SED, Ministerium für Staatssicherheit, Jugendpolitik, Subkultur, Überwachung, Repression, Vereinnahmung, Musikgeschichte, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Transfers der Hip-Hop-Kultur aus den USA in die DDR und wie staatliche Akteure auf diese westliche Jugendkultur reagierten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Ursprünge des Hip-Hop, der mediale Transfer über den Eisernen Vorhang hinweg und die staatliche Reaktionsweise von Repression bis hin zur Vereinnahmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern ein Kulturtransfer stattfand und wie die DDR-Behörden, insbesondere das MfS und das Ministerium für Kultur, mit dieser für sie "fremden" Jugendkultur umgingen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, Archivmaterialien des MfS, Zeitungsberichten und bestehender Fachliteratur basiert.
Was bildet den Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Hip-Hop-Elemente und eine empirische Analyse staatlicher Fallbeispiele wie der Filmzulassung von "Beat Street" und der Beobachtung von Breakdance-Gruppen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kulturtransfer, DDR-Jugendpolitik, Staatssicherheit, Subkultur, Breakdance und ideologische Überwachung.
Warum war die Zulassung des Films "Beat Street" ein Sonderfall?
Da der Film westliche, kapitalistisch geprägte Jugendkultur transportierte, war die Genehmigung durch das Ministerium für Kultur ein Novum, das im Widerspruch zu langjährigen jugendpolitischen Richtlinien stand.
Welche Rolle spielte das MfS bei der Breakdance-Szene?
Das MfS versuchte, durch Überwachung, Inoffizielle Mitarbeiter (IMs) und repressive Maßnahmen die spontane Entstehung und Organisation von Breakdance-Gruppen im öffentlichen Raum zu unterbinden.
Wie versuchte der Staat, Hip-Hop zu kontrollieren?
Der Staat verfolgte eine Doppelstrategie: Einerseits wurden "kulturell wertvolle" Teile (wie Tanzgruppen) in staatliche Strukturen (Kreiskulturzentren) integriert, um sie zu überwachen, andererseits wurden unkontrollierte Gruppen als staatsfeindlich eingestuft.
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- Anonym (Author), 2018, "Du hast Hip-Hop nicht verstanden". Eine Untersuchung des Kulturtransfers und des Umgangs staatlicher Akteure mit der Jugendkultur des Hip-Hops in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/431012