Zweifellos kann man sagen, dass die Maler des Impressionismus, darunter nicht zuletzt Claude Monet und Édouard Manet, einen enormen Einfluss auf die Malerei der Moderne ausübten und nicht zuletzt mit ihren Stillleben dazu beitrugen, dass die bis dahin starren Gattungsgrenzen aufgelöst wurden und das Stillleben selbst vom Makel einer niederen Gattung befreit wurde. Wobei viele dieser Neuerungen nicht auf sie, sondern einen anderen Maler zurückgehen, der bereits rund hundert Jahre zuvor wirkte und ihnen in mehreren Aspekten als Vorbild diente: Jean-Baptiste Siméon Chardin.
Im Folgenden soll nun herausgearbeitet werden, welche Neuerungen Chardin in der Malweise seiner Stillleben einführte und wie dies von den impressionistischen Malern Manet und Monet aufgegriffen wurde. Dies zuerst anhand einer gerafften Chronologie der Gattung des Stilllebens, zur besseren Einordnung. Und anschließend anhand des Vergleichs ausgewählter Werke der genannten Künstler.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Geschichte des Stilllebens
3. Die Neuerungen Jean-Baptiste Siméon Chardins
4. Stillleben bei Édouard Manet
5. Stillleben bei Claude Monet
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss des Malers Jean-Baptiste Siméon Chardin auf die Stilllebenmalerei von Édouard Manet und Claude Monet. Dabei wird analysiert, wie Chardins Abkehr von der bloßen illusionistischen Nachahmung hin zu einer betonten Auseinandersetzung mit Form, Farbe und Licht den Grundstein für die impressionistische Auffassung legte.
- Historische Entwicklung der Stilllebenmalerei von der Antike bis zum 19. Jahrhundert
- Analyse der malerischen Innovationen Jean-Baptiste Siméon Chardins
- Untersuchung der Rezeption Chardins im Werk von Édouard Manet
- Vergleichende Betrachtung der Stillleben bei Claude Monet
- Die Verschiebung vom "Was" zum "Wie" in der Malerei
Auszug aus dem Buch
3. Die Neuerungen Jean-Baptiste Siméon Chardins
Stillleben machen einen Großteil des Gesamtwerkes Jean-Baptiste Siméon Chardins (1699 - 1779) aus. Von 1721 bis in die 1730er Jahre hinein widmete er sich hauptsächlich dieser Gattung, wobei bis zum Ende der 1720er Jahre vorrangig Jagd-, danach jedoch vor allem Küchenstillleben seine Motivwahl bestimmten. Von der Mitte der 1730er Jahre bis etwa 1751 widmete er sich dagegen hauptsächlich Genreszenen, um sich danach jedoch bis Anfang der 1770er Jahre wieder verstärkt den Stillleben, erneut vor allem Küchenmotiven, zuzuwenden. In seinen letzten Lebensjahren entstanden im Gegensatz dazu in erster Linie Porträts und Pastellmalereien. Hervorzuheben ist an Chardins Werken, im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Malern, seine Wahl bestechend simpler Motive, die jedoch auf originelle Weise arrangiert werden.
So finden sich bei ihm häufig einfache, zweckmäßige Gegenstände wie irdene Töpfe und Pfannen sowie schlichte Gläser und Messer. Der Bildaufbau ist häufig klar strukturiert, wobei in Chardins Umgang mit Farbe und Licht ein beachtlicher Nuancenreichtum deutlich wird. Vor allem jedoch zeigt sich bei ihm, ganz im Gegensatz zur vorherrschenden Haltung der Akademien, ein gesteigertes Interesse am Form- gegenüber dem Sachinhalt, was ihn zu einem wichtigen Vorläufer des Impressionismus macht. Bis dahin wurde dem Prinzip der Imitatio-bestimmten Naturwirklichkeit, also der möglichst wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe der umgebenden Welt, was sich in den erwähnten Trompe l’oeil-Effekten zeigte, weitaus höhere Bedeutung beigemessen als der Inventio geleiteten Kunstwirklichkeit. Chardin lenkte nun den in Rezeption von Kunstwerken vorherrschenden Blick des Betrachters in die entgegengesetzte Richtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den Einfluss Chardins auf die moderne Stilllebenmalerei und definiert die Zielsetzung, die Neuerungen in Chardins Malweise mit den Werken von Manet und Monet in Verbindung zu bringen.
2. Allgemeine Geschichte des Stilllebens: Dieses Kapitel zeichnet die chronologische Entwicklung der Gattung von den antiken Xenien über die vanitas-geprägten Darstellungen bis zur Entwicklung autonomer Stillleben in der frühen Neuzeit nach.
3. Die Neuerungen Jean-Baptiste Siméon Chardins: Hier werden Chardins Fokus auf einfache Motive, seine innovative Licht- und Farbgestaltung sowie sein Abweichen von rein illusionistischen Techniken analysiert.
4. Stillleben bei Édouard Manet: Dieses Kapitel beleuchtet Manets Adaption von Chardins Motivik sowie seine radikale Weiterentwicklung durch Perspektivwechsel und eine freiere, impressionistische Pinselführung.
5. Stillleben bei Claude Monet: Diese Sektion untersucht Monets spezifische Herangehensweise an das Stillleben, seine Tendenz zur Abstraktion und die zunehmende Konzentration auf Atmosphäre und Licht.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Chardin durch seine Abkehr von der starren Gattungshierarchie zugunsten einer subjektiven Sichtweise zum entscheidenden Impulsgeber für die impressionistische Revolution wurde.
Schlüsselwörter
Stillleben, Jean-Baptiste Siméon Chardin, Impressionismus, Édouard Manet, Claude Monet, Kunstgeschichte, Maltechnik, Form, Farbe, Licht, Gattungshierarchie, Mimesis, Trompe l’oeil, Moderne, Perspektive
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den künstlerischen Einfluss von Jean-Baptiste Siméon Chardin auf die impressionistischen Maler Édouard Manet und Claude Monet im Bereich der Stilllebenmalerei.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der historischen Entwicklung der Gattung Stillleben stehen die malerische Revolution Chardins und deren Weiterentwicklung durch die frühen Impressionisten im Mittelpunkt.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit analysiert, welche spezifischen Neuerungen Chardin in seine Stillleben einführte und inwiefern diese von Manet und Monet aufgegriffen und transformiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die eine historische Einordnung der Gattung mit dem komparativen Vergleich ausgewählter Kunstwerke verbindet.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stillleben von Chardin, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung spezifischer Werke von Manet und Monet unter Berücksichtigung von Komposition, Raumauffassung und Malweise.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Impressionismus, Gattungswandel, Bildkomposition, Lichtführung und die Abkehr von der illusionistischen Nachahmung geprägt.
Warum wird das "Wie" über das "Was" in der Malerei gestellt?
Der Autor argumentiert, dass Chardin und seine Nachfolger den Fokus von der bloßen Abbildung eines Objekts auf die künstlerische Ausführung (Technik, Farbauftrag) verlagerten, was den modernen Stil begründete.
Welche Rolle spielt die Perspektive bei Manet?
Manet führte den bewussten Bruch mit der traditionellen Frontalansicht herbei, indem er die menschliche Draufsicht einbezog und so einen flächenhafteren Eindruck erzeugte.
Inwiefern beeinflusste Chardin das "Stillleben" als Bezeichnung?
Durch Chardins dynamische Anordnungen und sein Spiel mit Licht und Bewegung verlor die Bezeichnung "nature morte" (tote Natur) ihre ursprüngliche Bedeutung, da seine Bilder lebendig wirken.
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- Gabriel Rost (Author), 2017, Der Einfluß Jean-Baptiste Siméon Chardins auf die Stillleben Édouard Manets und Claude Monets, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/430911