Diese Arbeit soll sich mit der Mutterrolle in den drei ausgewählten Novellen Maupassants „L’inutile beauté“, „La mère au monstre“ und „Une famille“ beschäftigen.
Als Einführung soll sowohl die Darstellung der Frau im neunzehnten Jahrhundert, als auch der Einblick in wissenschaftliche und philosophische Auffassungen über das weibliche Geschlecht dienen, schließlich soll diese abgerundet werden durch eine kurze Einleitung über die Rolle der Mutter in der Literatur des besagten Jahrhunderts und ihre ambivalente Daseinsbestimmung. Der Fokus der Arbeit liegt aber auf den drei Novellen Maupassants mit Hilfe derer die Mutterrolle analysiert werden soll und geschaut wird, ob es nur ein eindeutiges Motiv der Mutter gibt, die literarisch inszeniert wird oder dieses doch zwiespältig ist.
Schließlich soll ein Einblick in Maupassants Leben, literarisches Schaffen aber auch seine Krankheit und persönlichen Erfahrungen mit Frauen gegeben werden um letztlich vielleicht autobiographische Aspekte zu seinen literarischen Inszenierungen von Frauen und Müttern herzustellen. Im Fazit soll abschließend geklärt werden wie man die Mutterrolle in Maupassants Novellen definieren kann und inwiefern die zeitgenössische Sichtweise auf Frauen, der Naturalismus und sein eigenes Leben diese womöglich beeinflusst haben.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Das Frauenbild im 19.Jahrhundert
2.1) Der Geschlechterdiskurs und die Pathologisierung der Frau
2.2) Die Rolle der Mutter in der Literatur des 19.Jahrhunderts
3) Die Mutterrolle in drei ausgewählten Erzählungen Maupassants
3.1) „L’inutile beauté“
3.2) „La mère aux monstres“
3.3) „Une famille“
3.4) Parallelen und Unterschiede in der literarischen Inszenierung der Mutter
4) Guy de Maupassants Biographie
4.1) Maupassants Leben und die Erfahrung mit Frauen
4.2) Maupassants Erzählungen und ihr Bezug zu autobiographischen Aspekten
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Darstellung der Mutterrolle in den Novellen „L’inutile beauté“, „La mère aux monstres“ und „Une famille“ von Guy de Maupassant vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Frauenbildes im 19. Jahrhundert sowie autobiographischer Einflüsse.
- Analyse des Geschlechterdiskurses und der Pathologisierung der Frau im 19. Jahrhundert.
- Literarische Untersuchung der Mutterfiguren in drei ausgewählten Erzählungen Maupassants.
- Vergleich der Inszenierungen von Mutterschaft zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.
- Einbezug biographischer Aspekte Maupassants, insbesondere seiner Erfahrungen mit Frauen und seiner eigenen familiären Prägung.
Auszug aus dem Buch
3.2 La mère aux monstres
Maupassants „La mère aux monstres“, die im Jahre 1883 erschienen ist, wird von zwei männlichen anonymen Erzählern erzählt. Die Geschichte fängt damit an, dass der erste Erzähler eine schöne Pariserin am Strand mit ihren Kindern beobachtet und sich dadurch an eine schreckliche Geschichte mit einer fürchterlichen Frau erinnert. Er erzählt folglich über ein Geschehen, das sich in einer französischen Provinz ereignet hat, als er dort für einige Zeit bei einem Freund wohnte. Sein Freund führte ihn zur „mère aux monstres“, einer Frau, die einst als arme Dienerin auf einem Bauernhof gearbeitet hat und dort als sie ungewollt schwanger wurde durch Korsetts ihre Schwangerschaft versteckte und dabei ihr erstes Kind deformierte. Als das erste Kind von einem Gaukler entdeckt wird und der Bäuerin eine erheblich hohe Summe für den Verkauf des Kindes angeboten wird, macht sie daraus ein Geschäft und produziert viele weitere deformierte Kinder um sich zu bereichern.
Maupassant zeigt mit dieser Erzählung das Gegenstück zur idealen Mutter, nämlich die monströse, egoistische und abscheuliche Muttergestalt. Er führt ganz im naturalistischen Sinne die Realität der Gesellschaft im 19.Jahrhundert auf, in der Kinder nur anerkannt werden wenn sie aus einer Ehe entspringen. „La mère aux monstres“ verkörpert eine Bäuerin, die es nicht nur durch ihren Stand, sondern auch durch ihre unehelichen Kinder in der Gesellschaft sehr schwer hat. Als sie bemerkt, dass sie schwanger ist, wird dies als fataler Fehler gesehen, der schnellstmöglich kaschiert werden muss: „Elle se sentit bientôt enceinte et fut torturée de honte et de peur“(Maupassant 1883:2). Das erste „Monster“ ist hierbei aus Angst vor Ablehnung in der Gesellschaft und finanziellem Verlust ungewollt und zufällig entstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einführung erläutert das literarische Umfeld des Naturalismus und führt in die zentrale Forschungsfrage nach der Darstellung der Mutterrolle in ausgewählten Novellen Maupassants ein.
2) Das Frauenbild im 19.Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet den historischen Geschlechterdiskurs, die Pathologisierung der Frau sowie die literarische Verankerung des Mutterbildes jener Epoche.
3) Die Mutterrolle in drei ausgewählten Erzählungen Maupassants: Dieser Teil analysiert detailliert die Inszenierung der Mutterschaft in drei konkreten Erzählungen und zieht vergleichende Schlüsse zur literarischen Darstellung.
4) Guy de Maupassants Biographie: Hier wird der biographische Hintergrund des Autors dargestellt, um Verbindungen zwischen seinen persönlichen Erfahrungen mit Frauen und seinem literarischen Schaffen herzustellen.
5) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Maupassants ambivalentes Verhältnis gegenüber dem weiblichen Geschlecht, welches zwischen Bewunderung und Kritik oszilliert.
Schlüsselwörter
Guy de Maupassant, Novellen, Mutterrolle, 19. Jahrhundert, Naturalismus, Frauenbild, Geschlechterdiskurs, Pathologisierung, Mutterschaft, Ehe, Autobiographie, Ambivalenz, Femme fatale, Femme fragile, Sozialkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Inszenierung und Bedeutung der Mutterrolle in den Novellen von Guy de Maupassant innerhalb des literarischen Kontextes des 19. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen den historischen Geschlechterdiskurs, das Frauenbild des Naturalismus, die Pathologisierung der Frau sowie die Verbindung zwischen Maupassants Biographie und seinem Werk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Maupassant die Mutterrolle literarisch gestaltet und ob er dabei ein eindeutiges oder eher zwiespältiges Motiv der Mutterfigur zeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Textvergleich der Novellen mit kulturgeschichtlichen und biographischen Kontexten verbindet.
Was ist der Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Analyse der Novellen „L’inutile beauté“, „La mère aux monstres“ und „Une famille“ hinsichtlich der Charakterisierung der Mütter.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Naturalismus, gesellschaftliche Unterdrückung, Geschlechterrollen und die ambivalente Wahrnehmung der Frau durch den Autor.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Gräfin von jener der Bäuerin in den Novellen?
Maupassant kontrastiert die Aristokratin, deren Auflehnung aus Eitelkeit und Freiheitsdrang resultiert, mit der Bäuerin, deren monströses Verhalten als direktes Produkt gesellschaftlicher Ausgrenzung und materieller Not dargestellt wird.
Welche Rolle spielt die Syphilis-Erkrankung des Autors für die Interpretation?
Die Arbeit diskutiert, inwiefern Maupassants eigene Krankheit, seine Halluzinationen und sein pessimistisches Weltbild die Darstellung von Wahnsinn, Krankheit und Zerstörung durch die Frau in seinem Werk beeinflusst haben könnten.
- Arbeit zitieren
- Martina Culina (Autor:in), 2017, Die Mutterrolle in den Novellen Guy de Maupassants, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/430843