Beim Unterrichten und der Vermittlung von Wissen ist der Einsatz von Textmaterial kaum wegzudenken, wobei die Texte den Schülern in unterschiedlichen Darbietungsformen vorgelegt werden können. Eine Möglichkeit ist, dass die Schüler das Informationsmaterial selber lesen müssen. Andererseits kann die Wissensvermittlung auch durch die Darbietung als Hörtext stattfinden.
Eine in der Forschung grundlegende Frage ist, ob die Darbietung von Lese- und Hörtexten zu gleichen Verarbeitungsmechanismen führt und dieselbe Lernleistung zu erwarten ist.
In der vorliegenden Hausarbeit wird verstärkt der Frage nachgegangen, ob Unterschiede in der Verarbeitung und Lernleistung zwischen dem Hör- und Leseverstehen vorhanden sind. Im Rahmen der hier vorgestellten Studie wird insbesondere die visuell-räumliche Repräsentation von Textmaterial näher betrachtet. Nach der Darstellung der Studie und deren kritischer Würdigung wird abschließend ein Ausblick auf mögliche weitere Forschung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Studie zur Konstruktion visuell-räumlicher Repräsentation beim Hör- und Leseverstehen (Kürschner et al., 2006)
2.1 Hintergrund
2.2 Fragestellung
2.3 Methoden und Ergebnisse Studie 1
2.4 Methoden und Ergebnisse Studie 2
2.5 Schlussfolgerungen
3) Kritische Würdigung
4) Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit unterschiedliche Modalitäten der Textpräsentation – Hören versus Lesen – die Konstruktion visuell-räumlicher Repräsentationen beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob spezifische kognitive Belastungen bei der Textverarbeitung zu variierenden Lernergebnissen führen und welche Rolle dabei die Textlänge sowie die Selbststeuerungsmöglichkeiten der Lernenden spielen.
- Kognitive Verarbeitungsmechanismen beim Hör- und Leseverstehen
- Konstruktion von Propositionen und mentalen Modellen
- Rolle des Arbeitsgedächtnisses und des visuell-räumlichen Speichers
- Einfluss von Textkomplexität und Selbststeuerbarkeit
- Vergleich von Lernleistungen in Abhängigkeit von der Darbietungsform
Auszug aus dem Buch
2.1 Hintergrund
Zunächst einmal unabhängig davon, ob ein Text als Hör- oder Lesetext präsentiert wird, werden bei der Verarbeitung mehrere unterschiedliche Repräsentationen konstruiert (Graesse, Leon & Otero, 2002; Schnotz, 2002). Dennoch stellt sich die Frage, ob es je nach Textmodalität zu Unterschieden in der höheren kognitiven Verarbeitung kommt. Grundsätzlich gibt es einerseits Propositionen und andererseits mentale Modelle, die als Repräsentationen dienen. Eine Proposition bezeichnet die kleinste Wissenseinheit, die eine selbständige Aussage bilden kann (Anderson, 2007). Propositionen bestehen aus Prädikat und Argument (Klintsch & van Dijk, 1978) und können bei der Repräsentation von Texten als Textbasis bezeichnet werden.
Mentale Modelle sind eher „ganzheitlich gebildete Repräsentationen, die den wesentlichen Inhalt oder Sachverhalt eines Textes beschreiben und bei deren Zustandekommen Textinformation und Weltwissen beteiligt sind“ (Dutke, 1998). Mentale Modelle deuten auf ein tieferes Textverständnis hin, das länger als propositional repräsentierter Inhalt im Gedächtnis gespeichert bleibt (Zwaan & Singer, 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Hör- und Lesetexte zu vergleichbaren Lernleistungen führen und erläutert den Fokus auf die visuell-räumliche Repräsentation.
2) Studie zur Konstruktion visuell-räumlicher Repräsentation beim Hör- und Leseverstehen (Kürschner et al., 2006): Dieses Kapitel stellt theoretische Grundlagen, die spezifische Fragestellung sowie die zwei Studien vor, in denen die Auswirkungen der Textmodalität empirisch geprüft werden.
3) Kritische Würdigung: Hier wird der methodische Ansatz der Studien reflektiert, insbesondere die Validität der subjektiven Angaben der Probanden zu ihren Bearbeitungsstrategien.
4) Ausblick: Der Ausblick diskutiert zukünftige Forschungsmöglichkeiten, wie den Einsatz bildgebender Verfahren, und reflektiert die praktische Relevanz der Befunde für den schulischen Unterricht und E-Learning-Konzepte.
Schlüsselwörter
Hörverstehen, Leseverstehen, visuell-räumliche Repräsentation, Arbeitsgedächtnis, mentale Modelle, Propositionen, Modalitätseffekt, kognitive Verarbeitung, Lernleistung, Textkomplexität, Selbststeuerung, Interferenz, Aufgabentyp, kognitive Belastung, empirische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie sich das Hören und das Lesen von Texten auf die kognitive Konstruktion von visuell-räumlichen mentalen Modellen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die kognitiven Prozesse der Textverarbeitung, das Arbeitsgedächtnismodell sowie die Bedeutung der Darbietungsmodalität für den Lernerfolg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob es Unterschiede in der Konstruktion visuell-räumlicher Repräsentationen zwischen Hör- und Lesetexten gibt und ob diese auf spezifische Kapazitätsbegrenzungen im Gedächtnis zurückzuführen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Zusammenfassung und kritischen Würdigung zweier empirischer Studien (Kürschner et al., 2006), die mit quantitativen Verfahren wie t-Tests und Varianzanalysen durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Hintergründe, die detaillierte Darstellung von zwei Studien (inklusive Design und Ergebnissen) sowie die Ableitung von Schlussfolgerungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hörverstehen, Leseverstehen, mentale Modelle, Arbeitsgedächtnis und Modalitätseffekt.
Warum spielt die Selbststeuerung beim Lesen eine Rolle?
Die Autorin diskutiert, dass Leser schwierige Passagen erneut lesen können, was bei komplexen Texten zu einem Lernvorteil gegenüber dem Hörverstehen führen kann.
Inwieweit beeinträchtigt der Leseprozess die räumliche Repräsentation?
Es wird angenommen, dass die Blickbewegungssteuerung beim Lesen den visuell-räumlichen Speicher zusätzlich beansprucht und somit weniger Kapazität für die inhaltliche Repräsentation zur Verfügung steht.
- Quote paper
- Katrin Gehlhaar (Author), 2013, Konstruktion visuell-räumlicher Repräsentation beim Hör- und Leseverstehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/429588