Die Deutsche Welle ist der offizielle staatliche Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland und dient als „mediale Visitenkarte“ im Ausland. Der Auslandssender gilt als mediale Stimme Deutschlands und soll sowohl ein umfassendes Deutschlandbild als auch weltweite Ereignisse und Entwicklungen aus europäischer und deutscher Sichtweise darstellen. Die drastische Zunahme der Migrationsbewegungen im Jahr 2015 und die daraus resultierende Flüchtlingskrise bildeten den Schwerpunkt der Berichterstattung der Deutschen Welle.
Public Diplomacy gilt in den Politikwissenschaften als außenpolitisches Instrument, mittels strategisch ausgerichteten Kommunikationsmaßnahmen, Zustimmung und Verständnis für das eigene Land und die eigene Politik in der Bevölkerung eines Zielstaates oder einer Zielgruppe zu generieren. Im Besonderen gilt Public Diplomacy der Verbesserung des eigenen Bildes in der Wahrnehmung ausländischer Staaten und Bevölkerungen. Der, durch Globalisierungsprozesse bewirkte, zunehmende Bedarf an Legitimität der staatlichen Politik in der Weltöffentlichkeit führt zu einer Intensivierung der politischen Öffentlichkeitsarbeit im Ausland.
Unter diesen Gegebenheiten ergibt sich die Fragestellung: Inwiefern ist der Nachrichtensender Deutsche Welle ein Instrument deutscher Außenpolitik? Untersuchung am Fallbeispiel der deutschen Flüchtlingspolitik mithilfe des analytischen Ansatzes der Public Diplomacy.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Public Diplomacy
2.1 Public Diplomacy im Kontext von Soft Power
2.2 Die drei Dimensionen von Public Diplomacy
3. Deutsche Welle
3.1 Das Deutsche Welle Gesetz 1997
4. Die Flüchtlingskrise in Europa
4.1 „Wir schaffen das“ - Die Rolle Deutschlands in der Flüchtlingskrise
5. Analyse
5.1 Deutsche Welle – Auswertung
5.2 Die Berichterstattung der Deutschen Welle eine Dimension der Public Diplomacy?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der deutsche Auslandssender "Deutsche Welle" als Instrument der deutschen Außenpolitik fungiert, indem sie die Berichterstattung des Senders während der europäischen Flüchtlingskrise 2015 unter Anwendung des theoretischen Rahmens der "Public Diplomacy" analysiert.
- Rolle der Deutschen Welle als staatlicher Auslandsrundfunk
- Theoretische Grundlagen von Public Diplomacy und Soft Power
- Politik der "Willkommenskultur" und das Motto "Wir schaffen das"
- Analyse der Medienberichterstattung im Zeitraum von September bis Dezember 2015
- Untersuchung der instrumentellen Nutzung von Medien für außenpolitische Ziele
Auszug aus dem Buch
4.1 „Wir schaffen das“ - Die Rolle Deutschlands in der Flüchtlingskrise
Während die öffentlichen Reaktionen innerhalb Europas bezüglich der Migrationsbewegungen sehr unterschiedlich ausfallen, entwickelt sich in Deutschland ein solidarisches Mitgefühl und eine regelrechte „Willkommenskultur“. Deutschland nimmt während der Flüchtlingskrise eine Rolle des politischen Optimismus und eine Vorbildfunktion der Willkommensgesellschaft ein. Die berühmten Worte der Kanzlerin „Wir schaffen das“ werden zu einem außenpolitischen Statement Deutschlands während der Flüchtlingskrise (vgl. Frindte/Dietrich 2017: X). Merkel ruft Europa dazu auf, Verantwortung für asylbegehrende Flüchtlinge zu teilen und appelliert an die universellen Bürgerrechte und die damit verbundenen Gründungsimpulse der Europäischen Union. Es geht um die europäische Dimension als Ganzes, um faire Lastenverteilung und darum, gemeinsam als starkes Europa Perspektiven zu schaffen (vgl. Bundesregierung 2015).
„Wir schaffen das“ wird zu einer Art Schlachtruf sich als vereintes Europa der Flüchtlingskrise zu stellen. Auch während die Sorgen und Ängste von einem „zusammenbrechenden“ Deutschland unter der Last der Herausforderungen immer mehr zu einer negativen Sicht bezüglich der Flüchtlingskrise führten hielt Angela Merkel ihre Repräsentation des Optimismus und der Willkommenskultur nach Außen stand (vgl. Hafez 2016: 4f.). Ein Appell an die internationale Öffentlichkeit, an europäischen Werte und an die moralische aber auch staatliche Pflicht nicht einfach weg zu sehen, sondern sich den Herausforderungen stellen. Die Not der Flüchtlinge und die daraus hervorgehende Pflicht der Europäischen Staaten helfend zu agieren überwiegt in der deutschen Politik den Ängsten des Kontrollverlusts (vgl. Menke 2016: 49).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die mediale Beeinflussung durch die Flüchtlingskrise und Definition der Forschungsfrage zur Rolle der Deutschen Welle.
2. Public Diplomacy: Theoretische Einbettung des Public-Diplomacy-Ansatzes, inklusive der Konzepte von Soft Power und der drei Dimensionen der Kommunikation.
3. Deutsche Welle: Vorstellung des Senders als staatliches Instrument und Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere des Deutschen Welle Gesetzes von 1997.
4. Die Flüchtlingskrise in Europa: Darstellung der Hintergründe der Migrationswelle 2015 und der politischen Herausforderungen für die europäische Solidarität.
5. Analyse: Durchführung einer Querschnittsuntersuchung der Berichterstattung der Deutschen Welle im Zeitraum September bis Dezember 2015 sowie Einordnung als Instrument der Public Diplomacy.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Fragestellung und Bestätigung der These, dass die Deutsche Welle als Instrument der Public Diplomacy genutzt wird.
Schlüsselwörter
Deutsche Welle, Außenpolitik, Public Diplomacy, Flüchtlingskrise, Soft Power, Willkommenskultur, Strategische Kommunikation, Europa, Berichterstattung, Angela Merkel, Medienpolitik, Politische Kommunikation, Internationale Beziehungen, Deutschland, Flüchtlingspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen staatlichem Auslandsrundfunk und Außenpolitik am Beispiel der Flüchtlingskrise 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Public Diplomacy, die Rolle Deutschlands in der europäischen Flüchtlingskrise und die inhaltliche Ausrichtung der Deutschen Welle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit die Deutsche Welle durch ihre Berichterstattung als Instrument der deutschen Außenpolitik im Sinne der Public Diplomacy fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Querschnittsuntersuchung von ausgewählten Artikeln der Deutschen Welle im Zeitraum von September bis Dezember 2015 unter Anwendung des Public-Diplomacy-Ansatzes durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen von Public Diplomacy, den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Senders sowie der konkreten Analyse der Berichterstattung zur Flüchtlingskrise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Public Diplomacy, Deutsche Welle, Außenpolitik, Flüchtlingskrise, Soft Power und Strategische Kommunikation.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis zwischen Staat und Deutscher Welle?
Die Arbeit stellt eine deutliche Verstrickung fest, obwohl der Gesetzgeber versucht, den Sender als staatsfreies Medium zu definieren, das jedoch repräsentative außenpolitische Aufgaben wahrnimmt.
Welche Rolle spielte das Motto „Wir schaffen das“ in der Berichterstattung?
Das Motto fungierte als zentrales Element der strategischen Kommunikation, um ein optimistisches Bild Deutschlands zu vermitteln und europäische Solidarität einzufordern.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Inwiefern ist der Nachrichtensender Deutsche Welle ein Instrument deutscher Außenpolitik?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/429185