Im Zuge der zunehmenden Globalisierung der Güter- und Kapitalmärkte gewinnt die Internationalisierung der Rechnungslegung immer mehr an Bedeutung. Eine Anpassung der deutschen Rechnungslegung an internationale Standards (IFRS) ist unumgänglich. Besonders deutlich wird dies durch das am 25. Mai 2009 in Kraft getretene Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG), das das deutsche Bilanzrecht grundlegend reformierte.
Das Ziel hierbei ist eine erleichterte Vergleichbarkeit der Bilanzen international tätiger Unternehmen. Ein besonders wesentlicher Bestandteil des Gesetzes ist die Abkehr von der umgekehrten Maßgeblichkeit, sodass nach dem BilMoG steuerliche Wahlrechte vom Maßgeblichkeitsprinzip (MGP) ausgeschlossen sind. Denn in Deutschland ist die Handelsbilanz (HB) mit der Steuerbilanz (StB) durch das MGP sehr eng verknüpft, sodass die Anzahl der Unterschiede zwischen der HB und StB und damit der Stellenwert der Abgrenzung latenter Steuern in der Vergangenheit nicht hoch war.
Durch den Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit entstehen vermehrt Differenzen zwischen HB und StB. Dies hat zur Folge, dass vermehrt latente Steuern entstehen und die Bedeutung latenter Steuerabgrenzung steigt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Einführung und Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN LATENTER STEUERN
2.1 Rahmenbedingungen
2.2 Entstehung aktiver und passiver latenter Steuern
2.3 Differenzen
2.4 Konzepte der Steuerabgrenzung
2.5 Bewertung latenter Steuern
2.6 Inside und Outside Basis Differences
3 LATENTE STEUERN NACH IFRS
3.1 Bilanzansatz
3.2 Bilanzbewertung
3.3 Bilanzausweis
4 LATENTE STEUERN NACH HGB
4.1 Bilanzansatz
4.2 Bilanzbewertung
4.3 Bilanzausweis
4.4 Kritische Gegenüberstellung mit IFRS
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Bilanzierung latenter Steuern nach nationalem HGB-Recht und internationalen IFRS-Vorschriften. Ziel ist es, die Auswirkungen der durch das BilMoG initiierten Reformen auf die deutsche Rechnungslegung zu analysieren und die methodischen Unterschiede sowie deren Einfluss auf die Informationsfunktion der Bilanz herauszuarbeiten.
- Theoretische Grundlagen und Konzepte der Steuerabgrenzung (Temporary- vs. Timing-Konzept)
- Ansatz, Bewertung und Ausweis latenter Steuern nach IAS 12 (IFRS)
- Bilanzierungspraxis für latente Steuern nach dem geänderten HGB
- Kritische Gegenüberstellung der Rechnungslegungssysteme und deren Informationsfunktion
Auszug aus dem Buch
2.2 Entstehung aktiver und passiver latenter Steuern
Durch unterschiedliche Bilanzierungs- und Bewertungsansätze in der HB nach HGB bzw. IFRS und StB entstehen latente Steuern. In beiden Fällen handelt es sich um zukünftige steuerliche Be- und Entlastungen. Das Ziel latenter Steuerabgrenzung ist der Ausgleich der Differenzen zwischen der tatsächlichen Steuerschuld aus der StB und der fiktiven Steuerschuld aus der HB, sodass ein plausibler Zusammenhang zwischen dem Steueraufwand aus der HB und dem Jahresergebnis hergestellt wird. Latente Steuern sind nur auf solche Differenzen zu bilden, die sich im Zeitablauf wieder ausgleichen. Dies beinhaltet zeitlich begrenzte und quasi zeitlich unbegrenzte Differenzen (Temporary-Konzept).
Aktive latente Steuern entstehen, wenn in der HB im Gegensatz zur StB Vermögensgegenstände (Aktiva) niedriger bewertet oder nicht angesetzt werden und Schulden (Passiva) höher bewertet oder ausschließlich in der HB angesetzt werden. Der handelsrechtliche Gewinn ist in den Folgejahren höher und löst demzufolge Steuerentlastungen aus. Mit der Bildung eines Aktivpostens wird der zu hohe Steueraufwand korrigiert und somit ein Ausgleich zwischen HB und StB hergestellt. Ein Beispiel zur Entstehung aktiver latenter Steuern sind Drohverlustrückstellungen. Nach IFRS bzw. § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB sind drohende Verluste aus schwebenden Geschäften rückstellungspflichtig. Steuerrechtlich ist der Ansatz von Drohverlustrückstellung gem. § 5 Abs. 4a EStG verboten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik latenter Steuern vor dem Hintergrund der Bilanzrechtsmodernisierung und der zunehmenden Internationalisierung der Rechnungslegung.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN LATENTER STEUERN: Darstellung der Rahmenbedingungen, der Entstehung von Differenzen sowie der Konzepte der Steuerabgrenzung (Timing- vs. Temporary-Konzept).
3 LATENTE STEUERN NACH IFRS: Untersuchung der spezifischen Regelungen nach IAS 12 hinsichtlich Ansatz, Bewertung und Ausweis im internationalen Kontext.
4 LATENTE STEUERN NACH HGB: Analyse der nationalen Bilanzierungspraxis für latente Steuern nach dem BilMoG und deren kritische Gegenüberstellung mit den IFRS-Standards.
5 FAZIT: Zusammenfassende Würdigung der Auswirkungen der Modernisierung des Handelsrechts und der bestehenden Unterschiede zwischen HGB und IFRS.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, HGB, IFRS, BilMoG, Temporary-Konzept, Liability-Methode, Steuerabgrenzung, Bilanzansatz, Handelsbilanz, Steuerbilanz, IAS 12, Steueraufwand, Steuerertrag, Vermögensgegenstände, Verlustvorträge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Seminararbeit behandelt die kritische Gegenüberstellung der Bilanzierung latenter Steuern nach nationalem HGB-Recht und den internationalen IFRS-Standards.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentral sind die methodischen Konzepte der Steuerabgrenzung, die Bewertungslogik sowie die Unterschiede im Ansatz und Ausweis in der Handelsbilanz im Vergleich zur Steuerbilanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Auswirkungen der Bilanzrechtsmodernisierung (BilMoG) auf die deutsche Rechnungslegung und die Bewertung der Informationsfunktion der Bilanz durch die Annäherung an IFRS.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Rechnungslegungsstandards, Gesetze und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die detaillierte Untersuchung nach IFRS sowie die Analyse der HGB-Vorschriften inklusive eines Vergleichs beider Systeme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bilanzierung, Latente Steuern, Temporary-Konzept, IAS 12 und BilMoG charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Verlustvorträgen im HGB und IFRS?
Während im HGB die Berücksichtigung von Verlustvorträgen auf einen Zeitraum von fünf Jahren begrenzt ist, existiert in den IFRS keine entsprechende zeitliche Befristung.
Welche Bedeutung hat das Saldierungsverbot nach IAS 12?
IAS 12 sieht grundsätzlich ein Saldierungsverbot vor, um die Transparenz über Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber den Steuerbehörden in der Bilanz zu gewährleisten.
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- Anonym (Author), 2017, Bilanzierung von latenten Steuern nach HGB und IFRS. Eine kritische Gegenüberstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428928