In der Pädagogik ist eine der prekärsten Fragen, die Frage nach der Machtausübung. Das Thema der Macht zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen aber auch jungen Erwachsenen. Die Bereiche, in denen im Kontext der Erziehung Macht eine Rolle spielt sind sehr vielseitig. So scheint sich Erziehung oftmals als ein Machtkampf zwischen Heranwachsenden und Erziehenden darzustellen. Hierbei kann es sich mal mehr um einen demokratischen Aushandlungsprozess und mal mehr um einen Kampf alleine um der Macht Willen handeln. Aber auch im professionellen Kontext der Sozialen Arbeit scheint die Frage nach Macht in der Kinder- und Jugendhilfe von großer Bedeutung. Dies zeigt sich z.B. in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aber auch in der Arbeit mit deren Eltern. Dies ist nicht nur der Fall wenn es z.B. um alltägliche Fragen nach der Erziehung des stationär untergebrachten Kindes geht, sondern auch bei der Frage nach einer Kindeswohlgefährdung und dessen Inobhutnahme. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser tiefen Verstrickungen mit der Thematik der Macht scheint dieses Thema häufig gemieden zu werden. Da im Pädagogischen Kontext aber durchaus Machtverhältnisse zum Tragen kommen, scheint eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik essentiell für die pädagogische Arbeit.
In dieser Arbeit sollen zwei Texte bearbeitet werden, welche sich mit Macht im Kontext von Pädagogik auseinandersetzen. Der erste Text, ein Artikel aus einer Fachzeitschrift für Jugendhilfe, befasst sich mit der Legitimationsfrage für ein Machtdifferential innerhalb der Pädagogik. Der zweite Text befasst sich mit der Machtanalyse Michel Foucaults und überträgt diese Überlegungen auf die Pädagogik. Zuerst sollen die beiden Texte dargestellt und deren Standpunkte dargelegt werden. Anschließend erfolgt eine Beurteilung der beiden dargestellten Sichtweisen und deren Bedeutung für die Pädagogik. Abschließend erfolgt eine persönliche Einschätzung im Bezug auf die Frage nach den Machtverhältnissen in der Pädagogik und deren Bedeutung für die Praxis. Hierbei wird unter anderem auf den Ansatz der Lebensweltorientierung verwiesen und dessen Anwendbarkeit auf die Klärung der Machtfrage in der Praxis der Pädagogik untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Auswertung der Literatur
2.1 Zusammenfassung des Artikels von Klaus Wolf
2.2 Zusammenfassung des Beitrags von Alfred Schäfer
2.3 Diskussionsteil
3.0 These
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der Machtproblematik in pädagogischen Kontexten, insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe, sowie die Untersuchung der Frage, wie pädagogische Macht legitimiert werden kann und welche Herausforderungen dabei entstehen.
- Machtbegriff nach Norbert Elias und dessen Anwendung auf pädagogische Machtdifferentiale
- Die Legitimationsfrage von Machtanwendung und Zwang in der Erziehung
- Machtanalyse nach Michel Foucault und ihre Bedeutung für die Pädagogik
- Das Spannungsfeld zwischen der Idee des souveränen Subjekts und der machtvollen Wissensvermittlung
- Die Relevanz der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch für einen reflektierten Umgang mit Macht
Auszug aus dem Buch
2.1 Zusammenfassung des Artikels von Klaus Wolf
Bei dem ersten Text mit dem sich diese Arbeit befasst handelt es sich um einen Artikel aus der Fachzeitschrift "Evangelische Jugendhilfe 2000". Dieser Artikel behandelt die Thematik der Machtausübung und versucht eine Legitimation für die Machtanwendung im pädagogischen Kontext zu erarbeiten. Dazu betrachtet der Autor die verschiedenen grundsätzlichen Aspekte der Macht, der Machtbalance und der Machtquellen und analysiert diese auf der Grundlage einer Definition von Norbert Elias. Er beschreibt die verschiedenen Aspekte und die wechselseitigen Abhängigkeiten innerhalb von Machtverhältnissen in pädagogischen Kontexten. Anschließend begründet der Autor eine Legitimationsverpflichtung.
Zuerst betrachtet Klaus Wolf die Aspekte der Macht, der Machtausübung und der Machtbalance. Hierfür zitiert er Elias Definition von Macht: „Insofern als wir mehr von anderen abhängen als sie von uns, mehr auf andere angewiesen sind als sie auf uns, haben sie Macht über uns, ob wir nun durch nackte Gewalt von ihnen abhängig geworden sind oder durch unsere Liebe oder durch unser Bedürfnis, geliebt zu werden, durch unser Bedürfnis nach Geld, Gesundung, Status, Karriere und Abwechslung" (Elias 1986: 97). Norbert Elias definiert an dieser Stelle nicht nur was seiner Ansicht nach ein Machtverhältnis darstellt, sondern verweist gleichzeitig auf die vielen verschiedenen Machtquellen. Eine Machtquelle ist demnach die Ursache für den Umstand, dass ein Individuum sich in einer Position befindet in der sein/ihr Handeln oder Unterlassen für andere Individuen von Belang ist. Gleichzeitig ist es allerdings selten der Fall, dass die unterlegene Partei nicht auch Zugriff auf eine Machtquelle hat. Wolf verweist beispielhaft auf die Machtverhältnisse in einem Gefängnis. Die Insassen hätten zwar nicht die gleiche Macht wie die Angestellten, dennoch seien die Angestellten in gewisser Weise auf die Mitarbeit der Insassen angewiesen oder profitieren zumindest von einer Mitarbeit der Insassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Machtausübung in der Pädagogik ein und stellt die beiden ausgewählten Texte von Klaus Wolf und Alfred Schäfer als Grundlage für die Untersuchung vor.
2.0 Auswertung der Literatur: Dieses Kapitel analysiert die Fachbeiträge zu Machttheorien und deren Anwendung in erzieherischen Kontexten, gefolgt von einer vergleichenden Diskussion der Ansätze.
2.1 Zusammenfassung des Artikels von Klaus Wolf: Dieser Abschnitt erläutert Klaus Wolfs Ansatz der Machtausübung auf Basis der Definition von Norbert Elias und beleuchtet die Notwendigkeit einer Legitimation für Machtdifferentiale.
2.2 Zusammenfassung des Beitrags von Alfred Schäfer: Hier wird Alfred Schäfers Analyse der Macht- und Wissenskonzepte Michel Foucaults im pädagogischen Kontext zusammengefasst, wobei insbesondere das Paradoxon von Wissen und Freiheit im Fokus steht.
2.3 Diskussionsteil: In diesem Kapitel werden die differierenden Ansätze von Wolf und Schäfer gegenübergestellt und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis unter Berücksichtigung machtkritischer Perspektiven reflektiert.
3.0 These: Die These formuliert eine persönliche Position zur Machtproblematik und plädiert für ein selbstreflexives Professionsverständnis unter Einbeziehung des lebensweltorientierten Ansatzes.
Schlüsselwörter
Macht, Pädagogik, Machtdifferential, Legitimationsfrage, Soziale Arbeit, Wissensmacht, Michel Foucault, Norbert Elias, Erziehung, Lebensweltorientierung, Machtquellen, Subjektivierung, Kinder- und Jugendhilfe, pädagogische Intervention, Zwang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung von Machtverhältnissen in pädagogischen Kontexten und der ethischen Legitimation solcher Machtausübungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören Machtkonzepte, Legitimationsstrategien in der Erziehung, Wissensvermittlung als Machtinstrument sowie die kritische Reflexion des pädagogischen Selbstverständnisses.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Analyse zweier Fachbeiträge aufzuzeigen, wie Macht in der Pädagogik verstanden und legitimiert werden kann, und daraus Konsequenzen für ein professionelles Handeln abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturanalyse und den kritischen Diskursvergleich zweier unterschiedlicher theoretischer Texte zur Machtdebatte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Zusammenfassung der Texte von Klaus Wolf und Alfred Schäfer, eine kritische Diskussion dieser Ansätze sowie die Herleitung einer eigenen Position innerhalb des Machtdiskurses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Macht, Machtdifferential, Legitimation, Pädagogik, Lebensweltorientierung und Subjektivierung geprägt.
Warum spielt die Lebensweltorientierung nach Thiersch eine besondere Rolle für den Autor?
Der Autor sieht in der Lebensweltorientierung einen Ansatz, der einen respektvollen und selbstreflexiven Umgang mit den Wirklichkeiten der AdressatInnen ermöglicht und somit ein Gegengewicht zu rein normativen Machtausübungen darstellt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Wissens als Machtinstrument?
Der Autor erkennt an, dass Wissen als lebenslange Macht auf das Individuum wirken kann, hinterfragt jedoch die klassische Legitimationslogik, die davon ausgeht, dass eine zeitlich begrenzte Machtausübung zur Erziehung zum mündigen Subjekt ausreicht.
Welches Fazit zieht der Autor zur ethischen Begründung von Macht?
Der Autor schließt, dass keine universale ethische Antwort existiert, betont aber die unbedingte Notwendigkeit eines ernsthaften, selbstreflexiven und theoretisch fundierten Professionsverständnisses in der Sozialen Arbeit.
- Arbeit zitieren
- Manuel Stoewe (Autor:in), 2016, Positionspapier zum Thema Macht in pädagogischen Kontexten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428680