Die Fragestellung, wie der Prozess der Europäischen Integration erklärbar ist, hat deshalb Relevanz, da hierdurch ähnliche vergangene, aktuelle und zukünftige Prozesse besser verstanden und gegebenenfalls vorhergesehen werden können.
Um die Frage, ob sich die Europäische Integration mit der Liberalen Theorie der internationalen Politik erklären lässt, ist zunächst eine Begriffsklärung notwendig: Was kennzeichnet die Liberale Theorie im Kontext der internationalen Politik? Was ist überhaupt „Integration“? Welcher Prozess im Einzelnen wird mit „Europäische Integration“ gemeint? Auf den folgenden Seiten werde ich die Liberale Theorie der internationalen Politik, im Speziellen den Liberalen Intergouvernementalismus sowie den Neofunktionalismus, und die Europäische Integration erläutern und verknüpfen. Als spezielles Fallbeispiel der Europäischen Integration habe ich die Osterweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004 ausgewählt. Abschließend folgt ein Fazit, ob die Liberale Theorie geeignet ist die Europäische Integration hinreichend zu erklären.
Gliederung
1. Fragestellung
2. Einleitung
3. Liberale Theorie der internationalen Politik
3.1. Liberaler Intergouvernementalismus
3.2. Neofunktionalismus
4. Europäische Integration
5. Liberaler Intergouvernementalismus und die Europäische Integration
6. Fallbeispiel „Osterweiterung“ der Europäischen Union
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Prozess der Europäischen Integration durch die Liberale Theorie der internationalen Politik, insbesondere den Liberalen Intergouvernementalismus, erklärbar ist.
- Analyse der Liberalen Theorie der internationalen Politik
- Vergleich von Liberalem Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus
- Definition und Prozess der Europäischen Integration
- Untersuchung der EU-Osterweiterung von 2004 als Fallbeispiel
- Bewertung der Erklärungskraft liberaler Ansätze für die europäische Integration
Auszug aus dem Buch
3.1. Liberaler Intergouvernementalismus
Der Liberale Intergouvernementalismus gehört zu den analytischen Theorien zur Europäischen Integration. Es wird auf intergouvernementaler Erklärungsebene nach intentionalem Erklärungsmodus argumentiert. Andrew Moravcsik gilt als Begründer dieser Theorie; diese beruht maßgeblich auf drei Annahmen:
- der Staat agiert als rationaler Nutzenmaximierer
- die nationale Präferenzbildung folgt der Liberalen Theorie
- die zwischenstaatlichen Verhandlungen sind intergouvernemental
Der erste Punkt der Nutzenmaximierung ist simpel ausformuliert; die Akteure, im Falle der Europäischen Integration Nationalstaaten, unterwerfen sich einem möglichst optimalen Kosten-Nutzen-Kalkül und agieren ausschließlich rational.
Die Liberale Theorie der nationalen Präferenzbildung sagt aus, dass auf nationaler Ebene verschiedene Interessengruppen wie politische Parteien, Gewerkschaften, Lobbyisten oder andere Vertreter in einem pluralistischen Wettbewerb die von den Regierungen vertretenen und ausgedrückten Vorstellungen bilden. Diese Vorstellungen formen schließlich das internationale politische System.
Beim letzten Punkt, der zwischenstaatlichen Verhandlung, ist eine etwas längere Erläuterung notwendig: Die zunehmenden vielfältigen Beziehungen zwischen Staaten führen unweigerlich zu negativen Externalitäten. Hierdurch kommt es zwangsläufig zu asymmetrischen Kosten-Nutzen-Verteilungen zwischen den Akteuren, sodass es, für die von den negativen Externalitäten betroffenen Akteuren rational – siehe Punkt 1 – ist, dieses durch internationale Kooperation auszugleichen. Erfolgreiche Kooperation – hier Integration – kann allerdings nur entstehen, wenn sich die Interessen der Akteure einander angleichen. Um die Interessen anzugleichen, bedarf es zwischenstaatlicher Verhandlungen – bei diesen Verhandlungen ist die Regierung im Vorteil welche in der Lage ist
- negative Externalitäten zu beseitigen, indem anderen Akteuren Zugang zu begehrten Märkten oder ähnlichem gewährt wird
- Politikinhalte zu verändern, die andere Akteure verändert sehen wollen
- Ressourcen zu verteilen, die andere Akteure verlangen
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Das Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, zu prüfen, ob die Europäische Integration als Beleg für die Liberale Theorie der internationalen Politik dienen kann.
2. Einleitung: Hier wird die Relevanz der Untersuchung des Integrationsprozesses erläutert und die methodische Vorgehensweise skizziert.
3. Liberale Theorie der internationalen Politik: Es werden die theoretischen Grundlagen dargestellt, wobei insbesondere der Liberale Intergouvernementalismus und der Neofunktionalismus fokussiert werden.
4. Europäische Integration: Dieses Kapitel definiert den Integrationsbegriff vor dem Hintergrund internationaler Beziehungen und nennt zentrale Eckdaten des europäischen Integrationsprozesses.
5. Liberaler Intergouvernementalismus und die Europäische Integration: Das Kapitel verknüpft das theoretische Modell mit der praktischen Anwendung auf den Integrationsprozess.
6. Fallbeispiel „Osterweiterung“ der Europäischen Union: Anhand der Osterweiterung von 2004 wird geprüft, ob die Annahmen des Liberalen Intergouvernementalismus in der Praxis Bestand haben.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Erklärungskraft der liberalen Theorieansätze für die Europäische Integration.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Liberale Theorie, Liberaler Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus, Osterweiterung, Nutzenmaximierung, Präferenzbildung, Internationale Kooperation, Intergouvernemental, Europäische Union, Politische Integration, Wirtschaftliche Interessen, Politische Parteien, Akteure, Internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob der Prozess der Europäischen Integration durch die Konzepte der Liberalen Theorie der internationalen Politik, insbesondere den Liberalen Intergouvernementalismus, wissenschaftlich erklärt werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des Liberalismus in den internationalen Beziehungen, die Definition der Europäischen Integration sowie die praktische Anwendung dieser Theorien auf den historischen Fall der EU-Osterweiterung 2004.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die Liberale Theorie geeignet ist, die komplexe Dynamik der Europäischen Integration hinreichend zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, bei der theoretische Paradigmen (Liberaler Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus) an einem konkreten Fallbeispiel (Osterweiterung 2004) angewendet und kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Liberalen Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus, die allgemeine Charakterisierung des europäischen Integrationsprozesses sowie die detaillierte empirische Anwendung auf die Osterweiterung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Liberaler Intergouvernementalismus, Nutzenmaximierung, nationale Präferenzbildung, Europäische Integration und Osterweiterung.
Warum wurde die Osterweiterung als spezifisches Fallbeispiel gewählt?
Die Osterweiterung wurde gewählt, da sie als bisher größte Erweiterungsrunde der EU dient und eine ideale Ausgangslage bietet, um rationales Handeln, zwischenstaatliche Verhandlungen und Interessenabgleiche im Sinne des Liberalen Intergouvernementalismus zu untersuchen.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich der Eignung der Theorien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Liberale Intergouvernementalismus besonders gut geeignet ist, um die wirtschaftlich geprägte Rationalität hinter der Osterweiterung zu erklären, während der Neofunktionalismus aufgrund seines eher deskriptiven und west-fokussierten Charakters nur bedingt geeignet erscheint.
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- Arne Köller (Author), 2018, Ist die Entwicklung der Europäischen Integration ein Beleg für die Liberale Theorie der internationalen Politik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428436