Beide Protagonisten, D. Johann Fausten in der Historia sowie Adrian Leverkühn in Thomas Manns "Doktor Faustus", scheinen gewisse charakterliche Übereinstimmungen aufzuweisen, die eine Disposition zur Teufelserwähltheit nahelegen. Als Hintergrund kann die lutherisch-protestantische Lehre der Unfreiheit des Willens gesehen werden, die den Kontext der Historia ausmacht. Gerade Melancholie und innere Zerrissenheit bewirken wohl in besonderem Maße, sich dem Bösen anzuvertrauen durch selbstzerstörerische Tendenzen. Beide Protagonisten weisen außerdem eine überdurchschnittliche Intelligenz auf - denn in der Vernunft scheint das Teuflische vornehmlich am Werk zu sein.
Die vorliegende Seminararbeit behandelt also eingehender die Disposition zur Teufelserwähltheit in den beiden Werken durch den Versuch, charakterliche Übereinstimmungen zwischen Johann Fausten und Adrian Leverkühn zu konkretisieren. Es wird der These nachgegangen, inwieweit und durch welche Eigenschaften beide Charaktere für das Diabolische dispositioniert sind. Bezogen auf das Eingangszitat, sind Johann Fausten sowie Adrian Leverkühn individuelle, charakteristische Wesen, wodurch eine besondere Nähe zur Teufelsverfallenheit gezeigt werden soll.
Durch das Dokumentieren spezifischer Charaktermerkmale soll auf das Theorem geschlossen werden, dass es universelle Eigenschaften gibt, welche die Nähe zum Teufel besonders fundieren. Die Problematik, ob man den Teufel aus mittelalterlicher Perspektive in der Sünde zu erkennen glaubt oder aus neuzeitlicher Sicht als psychologisches Konstrukt im Menschen selbst, geht damit automatisch einher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt und Motivik des Teufelspaktes
3. Die charakterliche Disposition für den Teufelspakt
3.1 Melancholie
3.2 Hoffart und Neugierde
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die charakterlichen Dispositionen, die D. Johann Fausten aus der Historia und Adrian Leverkühn aus Thomas Manns Doktor Faustus für einen Pakt mit dem Teufel prädestinieren. Dabei wird analysiert, inwieweit gemeinsame psychologische Merkmale wie Melancholie, Hoffart und Neugierde als universelle Motive für die Nähe zum Diabolischen fungieren.
- Vergleichende Analyse von Faust-Figuren über verschiedene Epochen hinweg
- Untersuchung der Rolle der Melancholie als selbstzerstörerische Tendenz
- Deutung von Hoffart und Neugierde als Motoren des Wissensdrangs und der Entfremdung
- Die lutherisch-protestantische Lehre der Unfreiheit des Willens als Kontext
- Psychologisierung des Teufelspaktes als moderner Durchbruchsversuch
Auszug aus dem Buch
Die charakterliche Disposition für den Teufelspakt
Bei der Faustfigur in der Historia sowie bei Adrian Leverkühn ist schon von Geburt an die charakterliche Disposition zur Teufelserwähltheit erkennbar. Der Teufel Mephostophiles sagt schon vor dem Pakt zu Faust: „Denn so bald wir dein Herz besahen, mit was Gedanken du umgingest, und wie du niemand sonsten zu solchem deinem Fürnehmen und Werk könntest brauchen“ (H, S. 27). „Wenn dann als Gründe für den Abfall Fausts seine Vorzüge genannt werden, nämlich die überragende Intelligenz und der Hochmut in Verbindung mit Verstocktheit, haben wir auch die Voraussetzungen des Teufelspaktes bei Adrian Leverkühn.“14 Adrians Determiniertheit wird vor allem darin ersichtlich, dass er seine Disposition zur Teufelserwähltheit selbst zu erkennen glaubt. Auch ihm sagt der Teufel: „Von früh an hatten wir ein Auge auf dich, auf deinen geschwinden hoffärtigen Kopf, dein trefflich ingenium und memoriam.“ (DF, S. 332f.) Im Folgenden sollen die Eigenschaften der Melancholie sowie der Hoffart und Neugierde als dispositionelle Charaktermerkmale für die Teufelserwähltheit herausgearbeitet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung legt den theoretischen Rahmen fest und definiert die Forschungsfrage bezüglich der charakterlichen Übereinstimmungen beider Protagonisten im Kontext der Unfreiheit des Willens.
2. Inhalt und Motivik des Teufelspaktes: Dieses Kapitel skizziert die Handlung der Historia sowie des Doktor Faustus und beleuchtet die Entstehungsbedingungen der jeweiligen Teufelspakte.
3. Die charakterliche Disposition für den Teufelspakt: Dieser Abschnitt analysiert tiefgreifend die psychologischen Voraussetzungen der Hauptfiguren.
3.1 Melancholie: Untersuchung der melancholischen Veranlagung als Ursache für Zerrissenheit und die Hinwendung zum Bösen.
3.2 Hoffart und Neugierde: Analyse des Hochmuts und des Erkenntnisdrangs als treibende Kräfte, die zur Grenzüberschreitung führen.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die Unausweichlichkeit des Schicksals beider Charaktere im Sinne der Luthertheologie diskutiert wird.
Schlüsselwörter
Teufelspakt, Historia von D. Johann Fausten, Doktor Faustus, Thomas Mann, Melancholie, Hoffart, Neugierde, Unfreiheit des Willens, Charakterdisposition, Dämonologie, Literaturwissenschaft, Luther, Erkenntnisdrang, Psychologie, Literaturvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Protagonisten D. Johann Fausten und Adrian Leverkühn hinsichtlich ihrer charakterlichen Veranlagung, die sie für einen Pakt mit dem Teufel empfänglich macht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Analyse von Melancholie und Hochmut sowie die philosophische Auseinandersetzung mit der Willensfreiheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird untersucht, ob es universelle Charaktermerkmale gibt, die ein Individuum für das Diabolische prädisponieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachwissenschaftliche Sekundärliteratur und zeitgenössische theologisch-philosophische Kontexte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Melancholie, Hoffart und Neugierde in beiden Werken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Teufelspakt, Melancholie, Hoffart, Neugierde und literarische Faust-Rezeption.
Wie spielt die lutherische Lehre eine Rolle?
Die lutherische Lehre von der Unfreiheit des Willens dient als theoretischer Hintergrund, um die vermeintliche Determination der Protagonisten zum Bösen zu erklären.
Ist der Pakt bei beiden Figuren gleich begründet?
Während Faust durch naturwissenschaftliches Interesse und traditionelle Zauberei motiviert ist, sucht Adrian Leverkühn im Pakt einen Ausweg aus künstlerischer Sterilität und intellektueller Isolation.
Welche Bedeutung hat die Krankheit für Adrian Leverkühn?
Die Infektion mit Syphilis fungiert im Doktor Faustus als symbolische Realisierung des Paktes und als Voraussetzung für seinen künstlerischen Durchbruch.
Können sich die Protagonisten dem Pakt entziehen?
Nein, beide Protagonisten scheitern an der Erkenntnis, dass ihre Disposition und ihr Stolz eine aufrichtige Reue und somit die erlösende Gnade Gottes verhindern.
- Arbeit zitieren
- Lena Bachleitner (Autor:in), 2018, Die Disposition zur Teufelserwähltheit im Vergleich zwischen der Historia von D. Johann Fausten und Thomas Manns "Doktor Faustus", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428356