Diese Arbeit stellt die Frauen- und Männerrollen der 20er Jahre dar und überträgt diese auf die Charaktere der Romane "Das kunstseidene Mädchen", "Kleiner Mann - was nun?" sowie "Fabian".
Menschen verfügen über verschiedene Identitätsmerkmale, dazu zählt auch das Geschlecht. Seit Anbeginn der Zeit wird zwischen „männlich“ und „weiblich“ unterschieden – eine Rolle dabei, ob eine Person als „männlich“ oder „weiblich“ angesehen wird, spielen aber nicht nur die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale einer Person, sondern auch die Art und Weise wie sie spricht, sich verhält und sich kleidet.
Heutzutage scheinen die Grenzen zwischen Mann und Frau immer mehr zu verschmelzen. Männer können Attribute annehmen, die als „weiblich“ gelten, ohne Verachtung fürchten zu müssen. Andersherum gilt dasselbe. Doch wie war es zum Höhepunkt der Neuen Sachlichkeit und der damit Hand in Hand gehenden Weimarer Republik?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der Neuen Sachlichkeit
3. Rollenbilder im frühen 20. Jahrhundert
3.1 Die „Neue Frau“
3.2 Der „Neue Mann“
4. Das kunstseidene Mädchen
4.1 Doris
4.2 Doris und die Männer
5. Kleiner Mann – was nun?
5.1 Lämmchen
5.2 Pinneberg
6. Fabian
7. Fazit
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Geschlechterrollen in der Literatur der Neuen Sachlichkeit, wobei der Fokus auf den Romanen „Das kunstseidene Mädchen“, „Kleiner Mann – was nun?“ und „Fabian“ liegt, um zu analysieren, wie realitätsgetreu die zeitgenössischen Frauen- und Männerbilder in diesen Werken abgebildet werden.
- Analyse der Begriffe „Neue Frau“ und „Neuer Mann“ im Kontext der Weimarer Republik.
- Untersuchung der Protagonistin Doris als ambivalente „Neue Frau“.
- Charakterisierung von Lämmchen und Pinneberg im Spannungsfeld von traditionellen Rollenbildern und wirtschaftlicher Not.
- Reflexion über die Darstellung moralischer und geschlechtsspezifischer Normen in den untersuchten Werken.
- Kritische Einordnung von Rollenbildern durch den Exkurs zu Erich Kästners „Fabian“.
Auszug aus dem Buch
4.1 Doris
Die 18-jährige Doris ist ein ehrgeiziges Mädchen, welches als Sekretärin in einem Anwaltsbüro angestellt ist. Ihr größter Traum ist es, berühmt, also eine Glanz, zu werden. Sie ist davon überzeugt, ihr Ziel erreichen zu können. Der Grund für ihren Optimismus ist in erster Linie ihr gutes Aussehen. Außerdem betrachtet sie sich als einen erstklassigen und ungewöhnlichen Menschen.19 Doris handelt in vielerlei Hinsicht sehr traditionell. Sie hält sich streng an eine Etikette und ihr ist es wichtig, dass die Leute sie als anständig ansehen. Dazu zählen ihre Männerbekanntschaften zwar nicht, doch das ist ihr schnell egal, solange sie sich an den Luxus erinnert, der ihr in Aussicht steht. Außerdem gibt es einige Moralkonflikte, so stiehlt und lügt sie beispielsweise. Zwar tut sie das oft auch aus Wohlwollen, so wie als sie mit dem blinden Brenner durch die Straßen läuft:
„‘Ja, es scheinen Sterne‘, lüge ich ihm und schenke ich ihm – es sind gar keine Sterne -, aber sind dann doch wohl hinterm Himmel und scheinen mal eben nach innen, indem man sie umdrehte. Ich habe Sterne sehr gerne, aber ich merke sie fast nie. Wenn man blind wird, weiß man ja wohl erst, daß man furchtbar viel vergessen hat zu sehen.“20
Trotzdem entspricht es nicht ihrer ihr eigens auferlegten Etikette. Außerdem hat Doris klare Vorstellungen der verschiedenen Geschlechter. So lehnt sie beispielsweise Frauen ab, die ihren Partner ihre Überlegenheit ihm gegenüber spüren lassen und sie findet es in Ordnung, wenn Männer fremdgehen, für Frauen gehört es sich ihrer Meinung nach jedoch nicht. Trotzdem verfügt Doris über viel Gedankengut der Neuen Frau. Sie hat zu Beginn des Romans einen Job und möchte selbstbestimmt sein: „Und ich überlege rauf und runter, wie ich wieder eine Grundlage bekomme, denn nur allein auf Männer angewiesen sein, das geht leicht schief“21.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Geschlechterrollen in der Weimarer Republik und stellt die methodische Herangehensweise anhand ausgewählter Romane vor.
2. Definition der Neuen Sachlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die literarische Strömung der Neuen Sachlichkeit sowie deren typische Motive und Schreibweisen in der Weimarer Republik.
3. Rollenbilder im frühen 20. Jahrhundert: Hier werden die gesellschaftlichen Konzepte der „Neuen Frau“ und des „Neuen Mannes“ als Reaktion auf die Veränderungen der Nachkriegszeit und der goldenen Zwanziger analysiert.
4. Das kunstseidene Mädchen: Der Fokus liegt auf der Protagonistin Doris, ihrer Selbstwahrnehmung als „Neue Frau“ und ihrer instrumentellen Behandlung von Männern.
5. Kleiner Mann – was nun?: Das Kapitel untersucht die Entwicklung von Lämmchen und Pinneberg und wie sie unter dem Druck von Arbeitslosigkeit traditionelle Rollenbilder aufbrechen oder festigen.
6. Fabian: Ein Exkurs zu Erich Kästners Roman, der verschiedene Geschlechtertypen im Berlin der 1930er Jahre beleuchtet.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten Werke ein differenziertes, weitgehend realistisches Bild der Geschlechterrollen in der Weimarer Republik zeichnen.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Geschlechterrollen, Neue Frau, Neuer Mann, Irmgard Keun, Hans Fallada, Doris, Lämmchen, Pinneberg, Emanzipation, Identität, Literaturwissenschaft, soziale Degradierung, Geschlechterbilder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung und Reflexion von Geschlechterrollen in der Literatur der Neuen Sachlichkeit anhand von drei exemplarischen Romanen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Konzepte der „Neuen Frau“ und des „Neuen Mannes“, der Wandel gesellschaftlicher Normen und die Auswirkung ökonomischer Krisen auf die Geschlechteridentität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die Romane die Geschlechterrollen der 1920er und 1930er Jahre realitätsgetreu abbilden und welche Unterschiede in den Charakterzeichnungen bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Kontext zeitgenössischer Sekundärliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Charaktere Doris aus „Das kunstseidene Mädchen“, Lämmchen und Pinneberg aus „Kleiner Mann – was nun?“ sowie verschiedene Figuren aus Kästners „Fabian“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Emanzipation, Geschlechterrollen sowie die Namen der untersuchten Autoren und Protagonisten.
Wie verändert sich die Rolle von Lämmchen im Roman „Kleiner Mann – was nun?“?
Lämmchen wandelt sich von einer unsicheren, traditionellen Hausfrau zu einer selbstbewussten Versorgerin und seelischen Stütze für ihren Mann in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.
Warum wird Doris als „Neue Frau“ bezeichnet?
Doris zeigt Züge der „Neuen Frau“ durch ihre selbstständige Art, ihre Modewahl und ihren Wunsch nach Selbstbestimmung, auch wenn sie gleichzeitig traditionellen Mustern folgt.
Welche Rolle spielt die Arbeitslosigkeit für die männliche Identität bei Pinneberg?
Die Arbeitslosigkeit führt bei Pinneberg zu sozialer Degradierung und einem Verlust seiner Männlichkeitsattribute, da er gezwungenermaßen in die Rolle des Hausmanns wechselt.
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- Elena da Silva (Author), 2018, Geschlechterrollen in den Romanen "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun und "Kleiner Mann – was nun?" von Hans Fallada, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428183