Das Image des konventionellen Journalismus musste in den letzten Jahren an Ansehen einbüßen. „Lügenpresse“ und „Fake News“ haben sich zu Begriffen etabliert mit denen in bestimmten Kontexten sofort auf journalistische Berichterstattung reagiert wird – global, regional, lokal. Und auch der datengetriebene Journalismus bietet Ansätze zur Kritik: Woher kommen die Daten? Handelt es sich um echte oder gefälschte Daten? Wie werden diese Daten verwendet? Diese Fragen sind nur einige, die die Glaubwürdigkeit des Datenjournalismus in Frage stellen.
An diesem Punkt soll daher die vorliegende Arbeit ansetzen. Der Datenjournalismus, so wie er in Deutschland betrieben wird, soll auf seine Kompatibilität mit einigen ausgewählten informationsethischen Aspekten hin geprüft werden. Die Informationsethik konzentriert sich auf „ethische Probleme, die aus den Anwendungen des Internets, des Informationsmanagements und der Computernutzung insgesamt hervorgehen.“ Auch medienethische Aspekte werden, im Zuge des Themas, angeschnitten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Data driven Journalism als neue Form des Journalismus
2.1 Versuch einer Charakterisierung
2.2 Beispiele für Datenjournalismus
2.3 (News) Applikationen als Informationskanal
3. Datenjournalismus aus informationsehtischer Perspektive
3.1 Open Data
3.2 Datenschutz / Privatsphäre
3.3 Transparenz und Glaubwürdigkeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Datenjournalismus im Kontext aktueller informationsethischer Herausforderungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie kompatibel die datengetriebene Berichterstattung mit ethischen Standards wie Transparenz, Datenschutz und Zugangsgerechtigkeit in einer digitalisierten Gesellschaft ist.
- Charakterisierung und Definition des Datenjournalismus
- Analyse praktischer Anwendungsbeispiele und News-Applikationen
- Informationsethische Bewertung von Open Data im Journalismus
- Rechtliche und ethische Aspekte von Datenschutz und Privatsphäre
- Bedeutung von Datenjournalismus für Transparenz und Glaubwürdigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Versuch einer Charakterisierung
Auch wenn die Idee eines datenbezogenen Journalismus bereits 2006 vom englischsprachigen Journalisten Holovarty beschrieben wurde, fand der Datenjournalismus erst einige Jahre später seinen ersten Aufschwung. Als Antrieb für die neu entstehende Journalismusform fungierte das veröffentliche Material der Enthüllungsplattform WikiLeaks der Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak. Obwohl der Begriff Datenjournalismus oder sein englisches Pendant data-driven journalism schnell ihren Weg in das Vokabular fanden, bereitet eine konkrete Definition nach wie vor Probleme. Sowohl der Terminus Daten bzw. Data, sowie der Begriff Journalismus bereiten Kernschwierigkeiten, wie es Bradshaw beschreibt: „Some people think of ‘data’ as any collection of numbers, most likely gathered on a spreadsheet. 20 years ago, that was pretty much the only sort of data that journalists dealt with. But we live in a digital world now, a world in which almost anything can be — and almost everything is — described with numbers.” (Bradshaw, 2012) Nach Bradshaw unterscheidet sich der Datenjournalismus vom konventionellen Journalismus dahingehend, als dass das traditionelle Erzählen von Geschichten durch eine große Spanne an verfügbaren Informationen ergänzt wird.
Applegren und Nygren (2014: 394) werden in ihrer Definition des Datenjournalismus etwas präziser und bezeichnen diesen als „an emerging form of storytelling, where traditional journalistic working methods are mixes with data analysis, programming and visualiziation techniques. Data journalism stories are usually based on large data sets that often consist of public data or data collected with the aid of the general public, i.e. so-called crowdsourcing. “
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Genre des Datenjournalismus ein, benennt die technologischen Hintergründe und formuliert die informationsethische Zielsetzung der Untersuchung.
2. Data driven Journalism als neue Form des Journalismus: Dieses Kapitel charakterisiert den Datenjournalismus durch verschiedene Definitionsansätze, stellt Praxisbeispiele (wie Datablogs und News Apps) vor und erläutert die Bedeutung von Datenkategorisierung.
3. Datenjournalismus aus informationsehtischer Perspektive: Hier erfolgt die ethische Evaluation, wobei zentrale Aspekte wie Open Data, der Schutz der Privatsphäre sowie die Steigerung journalistischer Glaubwürdigkeit kritisch betrachtet werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Datenjournalismus bei korrekter ethischer Anwendung ein erhebliches Potenzial zur Krisenbewältigung und Stärkung der journalistischen Transparenz bietet.
Schlüsselwörter
Datenjournalismus, Data Driven Journalism, Informationsethik, Open Data, Transparenz, Glaubwürdigkeit, Datenschutz, Privatsphäre, Digitalisierung, Journalismuskrise, News Apps, Medienethik, Recherche, Datenanalyse, Datenvisualisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das journalistische Genre des Datenjournalismus und bewertet dessen Praxis und Potenzial aus einer informationsethischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Charakterisierung von Datenjournalismus, dessen technische Umsetzung mittels Datenaufbereitung und die ethische Prüfung hinsichtlich Transparenz und Datenschutz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu evaluieren, inwiefern der datengetriebene Journalismus ethischen Ansprüchen in einer digitalen Informationsgesellschaft gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse sowie die Fallbetrachtung relevanter journalistischer Projekte und Plattformen zur Veranschaulichung der theoretischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition und Charakterisierung des Genres sowie eine anschließende detaillierte informationsethische Analyse der Aspekte Open Data, Datenschutz und Glaubwürdigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Datenjournalismus, Informationsethik, Open Data, Transparenz und Glaubwürdigkeit.
Was besagt das Modell der "Datenzwiebel"?
Das von Grieß entwickelte Modell unterteilt Daten in fünf Schichten – von Open Data über transparentes und geleaktes Datenmaterial bis hin zu Closed und Unknown Data – und dient der Kategorisierung journalistischer Datengrundlagen.
Welche Rolle spielen News Apps laut der Autorin?
News Apps fungieren als interaktive Datenbanken, die journalistische Geschichten vermitteln und es den Nutzern ermöglichen, Daten eigenständig zu explorieren und zu validieren.
- Quote paper
- Ivonne Wüsthof (Author), 2018, Data-Driven Journalism, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/427691