Das Romani nimmt als einziger Vertreter des indoarischen Zweiges eine Sonderposition in der Sprachlandschaft Europas ein. Angesichts einer sehr hohen dialektalen Vielfalt, vor allem auf dem Balkan, stellt sich die Frage, inwiefern das Romani dieser Region zum Balkansprachbund dazu gezählt werden kann und warum. Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus diesen Sprachen wird eine Argumentationslinie zur Beantwortung gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Das Romani im Allgemeinen
3. Balkansimen
3.1 Das analytische Futur
3.2 Der Infinitivverlust
3.3 Die Objektverdopplung
3.4 Weitere Kriterien
3.5 Überblick
4. Fazit
5. Karten
6. Quellen
6.1 Internetquellen
6.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Sprache Romani aufgrund spezifischer grammatikalischer Gemeinsamkeiten als Teil des Balkansprachbundes klassifiziert werden kann oder ob sie ihre indoarische Eigenständigkeit bewahrt hat.
- Analyse der Theorie des Balkansprachbundes
- Untersuchung von Balkanismen im Romani (Infinitivverlust, Objektverdopplung, analytisches Futur)
- Vergleich der strukturellen Merkmale mit anderen Balkansprachen
- Erläuterung der Rolle des Romani als sprachlicher Vermittler
- Diskussion zur linguistischen Einordnung und Gewichtung von Sprachmerkmalen
Auszug aus dem Buch
3.1 Das analytische Futur
So wie der analytische Komparativ in allen Roma-Dialekten außerhalb des Balkans inexistent ist, und er des Weiteren analytisch identisch zum Komparativ der Kontaktsprachen ist, da die Präfixe allesamt unverändert übernommen wurden, ist ebenfalls das analytische Futur ein im Balkanromani vorherrschendes Phänomen und somit ein gleichermaßen wahrzunehmendes Argument für die Teilnahme am Balkansprachbund.
„Praktisch alle Dialekte haben ein Futur nach balkanischem Vorbild ausgebildet, indem sie aus Wörtern der Bedeutung 'lieben, verlangen, wollen' und teilweise auch 'haben' Futurmarker entwickelt haben“, schreiben Boretzky und Igla (1999: 718), „Dies deckt sich voll mit den Verhältnissen in den Balkansprachen, weshalb Interferenz außer Frage steht“. Da, außerdem, im vorbalkanischen Gemeinromani ein Futur in keinster Weise aufzufinden ist, „sei es auch nur in Resten“ (Boretzky, Igla 1999: 729), ist das analytische Futur ein eindeutiges Merkmal dafür, dass das Balkanromani unter Einfluss des Balkansprachbundes steht und, zumindest was diesen ersten Gesichtspunkt anbelangt, Teil dessen ist. Diese Form der Entlehnung bzw. „Teilnahme“ reicht so weit, dass das Romani ausschließlich zur Bildung des Futurs das sonst inexistente Verb „haben“ eingeführt bzw. „indirekt nachgeahmt“ (Boretzky, Igla 1999: 718) hat; etwa im, durch das Albanische beeinflusste, Prizren-Dialekt:
„Hi ma te džav lesa“
wörtlich: „ist mich dass ich gehe er(Instr.)
„Ich werde mit ihm gehen“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel stellt die Roma und ihre Sprache vor und führt in die linguistische Theorie des Balkansprachbundes ein, um die Forschungsfrage der Arbeit zu begründen.
2. Das Romani im Allgemeinen: Es wird die historische Entwicklung des Romani als indoarische Sprache und die Entstehung dialektaler Vielfalt durch Migration und Sprachkontakt beleuchtet.
3. Balkansimen: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und untersucht spezifische sprachliche Merkmale wie Futur, Infinitivverlust und Objektverdopplung auf ihre Präsenz im Romani.
3.1 Das analytische Futur: Hier wird die Ausbildung des analytischen Futurs im Balkanromani als Indikator für den Einfluss des Balkansprachbundes analysiert.
3.2 Der Infinitivverlust: Die Untersuchung konzentriert sich auf den Ersatz des Infinitivs durch Konstruktionen mit dem Dental Modal Subordinator (DMS) und vergleicht diese mit anderen Balkansprachen.
3.3 Die Objektverdopplung: Dieses Kapitel analysiert das Vorkommen und die Grammatikalisierung der Objektverdopplung im Romani im Kontext der Balkan-Kontaktsprachen.
3.4 Weitere Kriterien: Ergänzende Phänomene wie der postponierte Artikel, der lokativische Zähltypus und der Vokativ werden auf ihre Relevanz für die Bund-Zugehörigkeit geprüft.
3.5 Überblick: Eine synoptische Tabelle stellt das Vorkommen der verschiedenen Balkanismen in den untersuchten Sprachen vergleichbar dar.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Frage, ob Romani als Teil des Balkansprachbundes betrachtet werden kann.
5. Karten: Die beigefügten Karten visualisieren die geografische Verbreitung der Völker und Sprachen auf dem Balkan.
6. Quellen: Auflistung der verwendeten Internetquellen und der wissenschaftlichen Literatur.
6.1 Internetquellen: Verzeichnis der für die Arbeit konsultierten Online-Ressourcen.
6.2 Literaturverzeichnis: Bibliografische Angaben der verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Romani, Balkansprachbund, Balkanismen, Linguistik, Infinitivverlust, Objektverdopplung, analytisches Futur, Sprachkontakt, Sprachbund, indoarische Sprachen, Syntax, Dialektologie, Sprachvermittlung, Typologie, Sprachwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Einordnung des Romani im Kontext des sogenannten Balkansprachbundes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Sprachentwicklung, der Sprachkontakt in Südosteuropa und die Analyse spezifischer grammatikalischer Merkmale (Balkanismen).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das Romani trotz seiner indoarischen Wurzeln als ein vollwertiger Teilnehmer des Balkansprachbundes angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem sprachvergleichenden Abgleich bekannter Balkanismen mit verschiedenen Romani-Dialekten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Sprachphänomene wie das analytische Futur, der Infinitivverlust und die Objektverdopplung detailliert analysiert und grafisch gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Romani, Balkansprachbund, Balkanismen, Sprachkontakt und linguistische Typologie stehen im Mittelpunkt.
Welche Rolle spielt das DMS (Dental Modal Subordinator) bei der Argumentation?
Das DMS ist ein zentrales Beweisstück für den Infinitivverlust; die Arbeit zeigt, dass dessen Verwendung im Romani eine zentrale, vermittelnde Position zwischen anderen Balkansprachen einnimmt.
Kommt die Arbeit zu einem eindeutigen Schluss über die Zugehörigkeit?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass das Romani aufgrund der Mehrheit geteilter Strukturen als gleichwertiger Teilnehmer des Balkansprachbundes betrachtet werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Stanley Kochem (Autor:in), 2018, Romani auf dem Balkan. Indoarisch resistent oder Teil des Balkansprachbundes?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/426896