Die Weltpolitik untersteht seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und insbesondere zu Beginn des 21. Jahrhunderts in allen Bereichen einem Globalisierungsprozess. Die Globalisierungsprozesse stehen im Einklang mit dem Aufstieg internationaler Organisationen und nichtstaatlichen Akteuren in der internationalen Politik, wodurch die Weltpolitik, vor allem in den letzten Jahrzehnten, zunehmend multilateral geworden ist. Im Zuge der steigenden Steuerungsprobleme der Nationalstaaten werden nichtstaatliche Akteure in die Steuerungs- bzw. Governanceprozesse eingebunden, die die Nationalstaaten in bestimmten Politikfeldern unterstützen sollen. Sukzessive wurde und wird den nichtstaatlichen Akteuren immer mehr Mitbestimmungsrechte in unterschiedlichen Politikfeldern gewährt. Zu den nichtstaatlichen Akteuren gehören u.a. private Akteure, wie z.B. Transnationale Unternehmen (TNU), die inzwischen die internationale Politik mitbestimmen und mitgestalten. Die TNU`s haben ihre Position als einflussreicher Akteur im Laufe der Jahre weiter verstärkt und sind gegenwärtig ein wesentlicher Bestandteil der internationalen Politik. Dementsprechend sind die TNU´s in nahezu allen wichtigen politischen Entscheidungsprozessen direkt oder indirekt beteiligt. Sie nehmen – vor allem – aufgrund ihrer ökonomischen Bedeutsamkeit auch Einfluss auf die Festlegung bestimmter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für den internationalen Handel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Transnationale Unternehmen
2.2. Governance
3. Transnationales Regieren
4. Facetten der Macht der TNU´s
4.1. Instrumentelle Macht
4.2. Strukturelle Macht
4.3. Diskursive Macht
5. Private Authority
6. Verrechtlichung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den wachsenden Einfluss transnationaler Unternehmen (TNU´s) auf die internationale Gesetzgebung und analysiert, wie diese privaten Akteure durch theoretische Konzepte wie Governance und transnationale Regierungsformen zunehmend politische Entscheidungsprozesse mitgestalten und steuern.
- Rolle und Ambivalenz transnationaler Unternehmen in der Weltpolitik
- Konzeptualisierung von Governance und transnationalem Regieren
- Die drei Machtfacetten: Instrumentelle, strukturelle und diskursive Macht
- Bedeutung von Private Authority und Legitimität privater Akteure
- Mechanismen der Verrechtlichung und Einflussnahme auf Gesetzestexte
Auszug aus dem Buch
4.1. Instrumentelle Macht
Die instrumentelle Perspektive auf die Macht erforscht den Einfluss von TNU´s auf Entscheidungsprozesse, d.h. auf die Politikergebnisse (vgl. Fuchs 2005a, 79). Der Einfluss auf die Politikergebnisse ist dadurch möglich, weil die instrumentelle Macht auf materielle Ressourcen basiert und die umfassenden Mittel die Tür zu Entscheidungsträgern öffnen (können) (vgl. Fuchs und Glaab 2011, 97). Somit können TNU´s politische Entscheidungsträger und damit die Entscheidungen beeinflussen. Die Einflussnahme bleibt für die Öffentlichkeit verdeckt, da die TNU´s keinen direkten Einfluss ausüben, sondern der Einfluss u.a. durch Lobbyaktivitäten, Wahlkampf- und Parteifinanzierungen ausgeübt wird (vgl. Fuchs und Graf 2015, 101f)). Dementsprechend haben heutzutage nahezu alle TNU´s Lobbying- und Interventionsstrategien, die alle Politikfelder abdecken (vgl. Fuchs und Glaab 2011, 98).
Die Lobbyaktivitäten gehen soweit, dass Unternehmen Direktzahlungen an Spitzenpolitiker machen, damit sie Entscheidungen zugunsten der Unternehmen treffen. Demzufolge zahlen Unternehmen Bestechungsgelder und korrumpieren so die Politiker (vgl. Rose-Ackermann 2005, 196). So standen bspw. – Stand 2005 – 100 Politiker auf der Gehaltsliste des Automobilkonzerns Volkswagen (vgl. Eckert 2005, 267). In Bezug auf die Parteifinanzierung in Deutschland zeigt sich insbesondere bei den Regierungsparteien der letzten Jahre eine durchaus hohe Prozentzahl an Spendeneinnahmen (siehe Abb. 2).
In bestimmten Fällen tun sich TNU´s zusammen, sodass sie stärkeren Einfluss ausüben können (vgl. Fuchs 2005b, 775). Daher bietet der instrumentelle Ansatz einen guten konzeptionellen Rahmen, um den Einfluss von TNU´s entsprechend ihrer Ressourcen zu ermitteln (vgl. Fuchs 2005a, 80). Trotz dessen berücksichtigt die instrumentelle Perspektive auf Macht die strukturellen Quellen von Macht nicht, die die Entscheidungsoption der TNU´s maßgeblich beeinflussen (vgl. Fuchs 2005b, 775). Mit möglichen Veränderungen in der Ausrichtung verändert sich gleichzeitig das Verhalten der TNU´s (vgl. Fuchs 2005a, 98). Aufgrund dessen muss die instrumentelle Perspektive auf Macht durch die strukturelle Perspektive ergänzt werden, die den Einfluss auf die Verhaltensoption der TNU´s erforscht und die Output-Seite mit der Input-Seite verknüpft (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Globalisierungsprozess und den damit einhergehenden Bedeutungszuwachs privater Akteure wie Transnationaler Unternehmen (TNU´s) in der internationalen Politik dar.
2. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel klärt die terminologischen Grundlagen der Begriffe Transnationale Unternehmen und Governance als Basis für die weitere Untersuchung.
3. Transnationales Regieren: Es wird erörtert, wie private Akteure in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und welche neuen Regierungsmodi dabei entstehen.
4. Facetten der Macht der TNU´s: Das Kapitel analysiert die drei zentralen Machtdimensionen – instrumentelle, strukturelle und diskursive Macht – durch die Unternehmen ihren Einfluss ausweiten.
5. Private Authority: Hier wird untersucht, wie TNU´s trotz fehlender demokratischer Legitimität als autoritative Akteure in der internationalen Politik anerkannt werden.
6. Verrechtlichung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehung privater, transnationaler Rechtsetzung und deren Einfluss auf globale Handelsbeziehungen.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie TNU´s durch eine doppelte Einflussnahme – die Rahmensetzung und die inhaltliche Mitgestaltung von Gesetzestexten – die Politik nachhaltig prägen.
Schlüsselwörter
Transnationale Unternehmen, TNU, Governance, Internationale Politik, Weltpolitik, Instrumentelle Macht, Strukturelle Macht, Diskursive Macht, Private Authority, Verrechtlichung, Lobbyismus, Gesetzgebung, Globalisierung, Governance without Government, Regierungsmodi
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den zunehmenden Einfluss von Transnationalen Unternehmen (TNU´s) auf die internationale Gesetzgebung und Politikgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich mit den Machtstrukturen, der Legitimität von privaten Akteuren im globalen Governance-Kontext sowie der Verrechtlichung durch private Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die direkte und indirekte Einflussnahme von TNU´s auf internationale Gesetze und die Ausweitung ihres Einflussbereichs durch verschiedene Machtfacetten darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin wertet diverse Quellen wie Primär- und Sekundärliteratur sowie aktuelle Fachzeitschriften aus, um einen fundierten Überblick über das transnationale Regieren zu geben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen (Governance, TNU), die Analyse der drei Machtfacetten (instrumentell, strukturell, diskursiv), das Konzept der Private Authority und die kritische Beleuchtung der Verrechtlichung durch private Akteure.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Transnationale Unternehmen (TNU´s), Governance, Machtfacetten, Private Authority und internationale Gesetzgebung.
Wie unterscheidet sich die instrumentelle Macht von der strukturellen Macht der Konzerne?
Instrumentelle Macht bezieht sich auf den direkten Einfluss auf Politikergebnisse durch Lobbying und Ressourcen, während strukturelle Macht die indirekte Beeinflussung der Agenda-Setting-Prozesse und die Gestaltung von Regeln beinhaltet.
Warum wird die diskursive Macht als "Achillesferse" der TNU´s bezeichnet?
Sie wird so genannt, weil die politische Legitimität der TNU´s von ihr abhängt; steigt oder fällt die Akzeptanz ihrer Deutungshoheit, beeinflusst dies direkt ihre politische Handlungsmacht.
Welche Rolle spielt die "neue Lex Mercatoria" in diesem Kontext?
Sie dient als Basis für ein privates, transnationales Recht, durch das Konzerne über Schiedsgerichte nationale Verfahrensordnungen umgehen können, was eine "Privatisierung des Handelsrechts" darstellt.
- Arbeit zitieren
- Altay Siakiroglou (Autor:in), 2017, Inwiefern beeinflussen Transnationale Unternehmen die internationale Gesetzgebung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/424916