Die römischen Liebeselegien stammen aus der Zeit, die 27 v. Chr. mit der Herrschaft von Kaiser Augustus begann und insgesamt 250 Jahre andauerte: Die Zeit des Augusteischen Friedens („Pax Augusta“), die durch eine innere Ruhe im römischen Staat bestimmt war. Hinter dem römischen Staat lagen viele Bürgerkriege und Unruhen. Durch den neuen Kaiser Augustus wurde eine neue Verwaltungsstruktur aufgebaut. Augustus war der Großneffe von Gaius Iulius Cäsar und ist hier zu Lande vor allen Dingen durch die biblische Weihnachtsgeschichte im Hinblick auf die Volkszählung bekannt.
Corinna, Cynthia und Delia sind Namen, die für die römischen Elegiker aus der Augusteischen Epoche Bände sprechen. Die Frauen sind für die Dichter Anfang und Ende und durch diese entstanden die sogenannten römischen Elegien, die nicht nur im Lateinunterricht noch bis heute Einfluss ausüben.
Der Themenschwerpunkt liegt dabei auf dem Aspekt der Liebe und den damit verbundenen subjektiven Erfahrungen des Dichters. Diese Elegien kamen durch die Musen zustande, die die Inspiration gaben, die Gedanken zu Papier zu bringen. In dieser Arbeit soll die Rolle der Frau in der römischen Liebeslyrik thematisiert und das Auswirken ihres Verhaltens in Hinblick auf den Geliebten untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Grundhaltung elegischer Dichtung
4. Die Rolle der Frau in den römischen Liebeselegien
4.1 Ovid
4.2 Properz
4.3 Tibull
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Frau in der römischen Liebesdichtung der Augusteischen Epoche, wobei insbesondere der Einfluss ihres Verhaltens auf das subjektive Erleben und die Leidensfähigkeit der Dichter im Zentrum der Forschungsfrage steht.
- Historischer Kontext der Augusteischen Zeit und des Prinzipats
- Motive elegischer Dichtung wie foedus aeternum und militia amoris
- Charakterisierung des "Typus Frau" anhand von Ovid, Properz und Tibull
- Die Frau als "Herrin" (domina) und Inspirationsquelle (Muse)
- Interdependenz von privatem Liebeserleben und literarischer Ausgestaltung
Auszug aus dem Buch
4.1 Ovid
Ovid gehörte zu den bekanntesten Elegikern seiner Zeit. Er wurde 43 v. Chr. als Publius Ovidius Naso geboren und war Sohn eines Ritters. Er erlebte die Zeit der Bürgerkriege und der politischen Orientierungslosigkeit. Er distanziere sich von dem vergänglichen Ruhm und brach seine militärische Laufbahn ab, um sich ganz der Dichtkunst zu widmen. Zu seinen berühmtesten Werken gehören die „Metamorphosen“ und die „Ars Amatoria“. Zu seiner Liebesdichtung, die um weiteren Verlauf untersucht werden soll, gehört die Reihe „Amores“ (15 v. Chr.), die er seiner Geliebten Corinna widmet und verschiedene Stadien (sowohl Höhen als auch Tiefen) der Liebesbeziehung durchläuft. In diesen Gedichten ist die Liebe stets mit Leiden und Qual verbunden. Thematisiert werden soll, vor allen Dingen, die Rolle der Corinna. Corinna ist lediglich ein Pseudonym. Ihr Name bedeutet auf Latein „kleines Herz“ und im übertragenden Sinne Mädchen oder Jungfrau. Ihr richtiger Name ist nicht bekannt und ihre Existenz ist ebenso fraglich. Untersucht werden herausgearbeitete Passagen aus Ovids Liebesgedichten, an denen der Typus der Corinna hervortritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung der römischen Elegiker vor und definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle der Frau in der Liebeslyrik sowie deren Einfluss auf den Geliebten zu analysieren.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die Epoche des Augusteischen Friedens und zeigt auf, wie der Wandel zur Kaiserherrschaft den Rückzug der Dichter ins Private begünstigte.
3. Grundhaltung elegischer Dichtung: Hier werden zentrale Motive wie die Liebe als Dauerzustand (foedus aeternum), der Kriegsdienst der Liebe (militia amoris) und das Sklavendienst-Motiv (servitium amoris) erläutert.
4. Die Rolle der Frau in den römischen Liebeselegien: Dieser Hauptteil analysiert durch die Untersuchung von Textauszügen die spezifische Charakterisierung der Geliebten bei den Dichtern Ovid, Properz und Tibull.
4.1 Ovid: Untersuchung des Corinna-Bildes, das von einer schönen, aber berechnenden und fordernden Frau geprägt ist.
4.2 Properz: Analyse der Wirkung von Cynthia, die den Dichter durch ihre Anziehungskraft und ihren zweifelhaften Ruf in den Bann zieht.
4.3 Tibull: Darstellung der Delia, die als "bildhübsche" aber untreue Frau beschrieben wird, welche materielle Vorteile sucht.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frau in der Elegie eine zentrale, als "Herrin" überhöhte Rolle einnimmt, die sowohl Quelle der Inspiration als auch des Leids ist.
Schlüsselwörter
Römische Liebeselegien, Augusteische Epoche, Ovid, Properz, Tibull, Corinna, Cynthia, Delia, militia amoris, servitium amoris, domina, Liebeslyrik, Literaturwissenschaft, Frauenbild, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion der Frau in den Werken bedeutender römischer Elegiker der Augusteischen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Neben dem historischen Kontext stehen vor allem literarische Leitmotive wie die Liebe als Kriegsdienst oder Sklavendienst sowie das ambivalente Frauenbild im Zentrum.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, den Typus der geliebten Frau aus den Elegien herauszuarbeiten und ihre Rolle als Muse und "Herrin" des Dichters zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Die Arbeit nutzt die Analyse ausgewählter, tabellarisch gegenübergestellter Textauszüge aus den Originalwerken von Ovid, Properz und Tibull.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei Dichter und die detaillierte Interpretation ihrer jeweiligen Verszeilen zur Charakterisierung der weiblichen Figuren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Römische Liebeselegien, Augusteische Epoche, Liebeslyrik und spezifische Motive wie militia amoris gekennzeichnet.
Inwiefern beeinflusste Kaiser Augustus die Entstehung dieser Liebesgedichte?
Der durch Augustus eingeleitete "Pax Augusta" und der politische Wandel führten dazu, dass Dichter sich vom kriegerischen Ideal abwandten und sich der privaten, subjektiven Liebesdichtung widmeten.
Warum wird die Frau in der römischen Liebesdichtung als "Herrin" (domina) bezeichnet?
Obwohl die Frau gesellschaftlich unter dem Mann stand, unterwarfen sich die Dichter in der Elegie dem Willen ihrer Geliebten, was die Machtverhältnisse in der Kunst umkehrte.
Wie unterscheidet sich Corinna von Delia oder Cynthia in ihrer Darstellung?
Während alle drei Frauen als begehrenswert und fordernd beschrieben werden, zeichnet sich Corinna durch eine fast berechnende Verführungskunst aus, während Delia durch ihr Streben nach Wohlstand und Untreue gegenüber dem Dichter charakterisiert wird.
Welche Rolle spielt die Mythologie in den untersuchten Gedichten?
Mythologische Figuren dienen den Dichtern primär als Vergleichsmaßstab, um die überirdische Schönheit oder die Gerissenheit ihrer Geliebten rhetorisch zu unterstreichen.
- Arbeit zitieren
- Laura Müller (Autor:in), 2016, Die Rolle der Frau in der römischen Liebesdichtung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/424200