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Historische Narrative. Deutungsmuster zu den Nürnberger Prozessen im westdeutschen Schulgeschichtsbuch der 1950/60er Jahre

Title: Historische Narrative. Deutungsmuster zu den Nürnberger Prozessen im westdeutschen Schulgeschichtsbuch der 1950/60er Jahre

Seminar Paper , 2017 , 27 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Senta Steinmeier (Author)

Didactics - History

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Das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg ist in der deutschen Gesellschaft ständig präsent – sei es als Spielfilm oder als Unterrichtsthema. Besonders die Schule übernimmt bei der Bewahrung einer deutschen Erinnerungskultur die Aufgabe eines „zentrale[n] gesellschaftliche[n] Erinnerungs- und Lernort[s]“. Im Speziellen hat der Geschichtsunterricht „eine zentrale Funktion bei der Vermittlung von historischem Wissen und [der] moralisch-politischer Sozialisation nachwachsender Generationen“ und der Bildung des Geschichtsbewusstseins, nach Jeismann die „Fundamentalkategorie des historischen Lernens.“ Für die Vermittlung des Geschichtsbewusstseins ist für Thünemann das Schulgeschichtsbuch „nach wie vor als Leitmedium des Geschichtsunterrichts.“ Schon 1969 bezeichnete der Deutsche Bildungsrat das Schulbuch als „die eigentliche Großmacht der Schule.“ Der Einfluss des Schulgeschichtsbuchs ist demnach nicht zu unterschätzen, denn Generationen von Schülern wird hiermit ein Geschichtsbild vermittelt, das sie ihrerseits weitertragen. Furrer bezeichnet diese Narrative als „‘Biographien‘ der Nation“, Jacobmeyer ganz ähnlich als „nationale Autobiographien“.

Das Schulbuch ist also eine aufschlussreiche Quelle, um zu untersuchen, welche nationalen Narrative zu einer bestimmten Zeit gesellschaftlich verbreitet wurden. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden für die deutsche Gesellschaft „die Legitimationen hergebrachter Verhältnisse (…) brüchig und“ zerfielen und „die kollektive Identität – oft auch die persönliche – [wurden] erschüttert.“ Eine Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit und Neuorientierung wurde zur gesellschaftspolitischen Aufgabe, um ein neues historisches Verständnis auszubilden. Dies erwies sich als schwierig, denn die Primärgeneration blickte über- wiegend mit „moralischen Gefühlen wie Wut, Schuld, Scham und Entrüstung“ zurück. Das verhinderte nach Jeismann „die Entwicklung einer Zukunftsperspektive sowie die Formulierung einer neuen historischen Dimension“, also eine Vergangenheitsdeutung.

In der Zeit von 1945 bis 1968 zeigen sich in der Auseinandersetzung der eigenen Vergangenheit verschiedene narrative Strategien. Diese Narrative werden in der Arbeit am Beispiel der Nürnberger Prozesse vertieft. Die Nürnberger Prozesse sind für den Umgang und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit von grundlegenden Interesse, da sie in der rechtlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der Verbrechen eine Schlüsselfunktion einnehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und Fragestellung

2.1 Theoretischer Rahmen und Forschungsstand

2.2 Nürnberger Prozesse in den Lehrplänen

2.3 Forschungsfrage

3. Nürnberger Prozesse

4. Konzeption und Methodik

4.1 Stichprobe

4.2 Analyseverfahren und -kategorien

5. Empirische Untersuchungen – Schulbuchanalysen

5.1 Darstellung

5.1.1 „Europa und die Welt. 1815-1956“(1957)

5.1.2 „Grundzüge der Geschichte“ (1958)

5.1.3 „Der Mensch im Wandel der Zeiten“ (1958)

5.1.4 „Geschichte der Neusten Zeit“ (1961)

5.1.5 „Die Reise in die Vergangenheit“ (1964)

5.2 Diskussion

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer qualitativen Schulbuchanalyse, wie die Nürnberger Prozesse in westdeutschen Schulgeschichtsbüchern der späten 1950er und frühen 1960er Jahre narrativ konstruiert und gedeutet wurden, um Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit in der jungen Bundesrepublik zu gewinnen.

  • Analyse historischer Narrative und Deutungsmuster in Schulbüchern.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Aufklärung und Verdrängung der NS-Verbrechen.
  • Bewertung der Legitimitätswahrnehmung alliierter Gerichtsverfahren (z.B. Siegerjustiz).
  • Vergleich der Darstellung mit ministeriellen Lehrplänen der damaligen Zeit.
  • Reflexion über die Rolle des Geschichtsunterrichts bei der Bildung eines Geschichtsbewusstseins.

Auszug aus dem Buch

5.1.2 „Grundzüge der Geschichte“ (1958)

Das Schulgeschichtsbuch „Grundzüge der Geschichte“ wurde 1958, neun Jahre nach Ende der Nachfolgeprozesse für den Schulgebrauch veröffentlicht. Thematisch sind die Prozesse in das Kapitel „Deutschland unter dem alliierten Kontrollrat“ und das Unterkapitel „Entnazifizierung und Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß“ eingebunden. Nach einer Einordnung der Prozesse in das alliierte politische Programm der Entnazifizierung, werden die Anklagepunkte aufgezählt: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen den Frieden, Vertragsbruch, Massenmord, militärische Aggression usw.“ Hervorstechend ist, dass weder die Angeklagten noch die begangenen Verbrechen präzise genannt werden. Sie bleiben so eine unbekannte Größe und die Reichweite des Unrechts und die Opfer werden den Schülern nicht deutlich gemacht. Anschließend wird die dreifache Rolle der Alliierten während der Prozesse erwähnt, was das Narrativ der ‚Siegerjustiz‘ unterstreicht:

„Im bisherigen Völkerrecht gab es keine Strafgesetze, worauf sich die Anklage stützen konnten. Die Alliierten stellten die entsprechenden Gesetze erst auf. Sie waren Gesetzgeber, Ankläger und Richter zugleich.“

Die Betonung der dreifachen Rolle der Alliierten in „Gesetzgeber, Ankläger und Richter zugleich“ wird zwar nicht durch wertende Adjektive ergänzt, jedoch nimmt diese Information im Verhältnis zu dem kurzen Unterkapitel viel Raum ein. Ergänzt wird das durch Kritik am Verfahren (Narrativ der fehlenden Legitimation).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Schulgeschichtsbuchs als Leitmedium zur Vermittlung von Geschichtsbewusstsein und erläutert die Problematik der Vergangenheitsbewältigung nach 1945.

2. Theoretische Grundlagen und Fragestellung: Dieses Kapitel verortet die Studie in der historischen Schulbuchforschung, analysiert den Forschungsstand und legt die Forschungsfrage zur Narrativ-Analyse der Nürnberger Prozesse fest.

3. Nürnberger Prozesse: Es erfolgt eine historische Einordnung der Nürnberger Prozesse als erste juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen sowie die Unterscheidung zwischen dem Hauptkriegsprozess und den Nachfolgeprozessen.

4. Konzeption und Methodik: Hier werden die Auswahl der Stichprobe (fünf Schulbücher) sowie die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring als methodisches Instrumentarium zur Kategorienbildung beschrieben.

5. Empirische Untersuchungen – Schulbuchanalysen: Dieser Hauptteil analysiert die fünf ausgewählten Schulbücher im Hinblick auf Narrative der Aufklärung, Verdrängung und Legitimität und diskutiert die Ergebnisse vergleichend.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schulbücher der 1950/60er Jahre primär defensive Deutungsmuster nutzen und die Prozesse oft als illegitime „Siegerjustiz“ oder im Kontext einer gesellschaftlichen Verdrängung darstellen.

Schlüsselwörter

Nürnberger Prozesse, Schulgeschichtsbuch, Geschichtsbewusstsein, Historische Narration, NS-Vergangenheit, Entnazifizierung, Siegerjustiz, Aufarbeitung, Zeitgeschichte, Bundesrepublik, Kollektivschuld, Didaktik der Geschichte, Erinnerungskultur, Qualitative Inhaltsanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie westdeutsche Schulgeschichtsbücher aus der Zeit zwischen 1957 und 1964 die Nürnberger Prozesse thematisiert und gedeutet haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Art und Weise der Darstellung von NS-Verbrechen, die juristische Aufarbeitung sowie die Rolle der Alliierten und die gesellschaftliche Wahrnehmung der eigenen Vergangenheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Welche historischen Narrative zu den Nürnberger Prozessen lassen sich in diesen Schulbüchern finden und wie wird die NS-Vergangenheit dabei jeweils gedeutet?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um Deutungsmuster und Subkategorien in den Autorentexten der Schulbücher zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden fünf konkrete Schulbücher analysiert und ihre Aussagen zu den Nürnberger Prozessen anhand von Kategorien wie „Narrativ der Aufklärung“ oder „Narrativ der Siegerjustiz“ untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schulbuchanalyse, Nürnberger Prozesse, Geschichtsbewusstsein, Entnazifizierung und historische Narration charakterisieren.

Warum wird das Narrativ der „Siegerjustiz“ in den Büchern so betont?

Die Analyse zeigt, dass viele Autoren die Rolle der Alliierten als Gesetzgeber, Ankläger und Richter kritisch hinterfragten, um eine nationale Demütigung abzufedern und die Prozesse als illegitim darzustellen.

Wie widerlegt die Autorin Jeismanns These zur „verlorenen Zukunft“?

Durch die Analyse spezieller Appelle in einigen Schulbüchern zeigt die Autorin, dass die Schüler durchaus dazu aufgerufen wurden, aus der Geschichte zu lernen und Verantwortung für die zukünftige Gestaltung Deutschlands zu übernehmen.

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Details

Title
Historische Narrative. Deutungsmuster zu den Nürnberger Prozessen im westdeutschen Schulgeschichtsbuch der 1950/60er Jahre
College
University of Cologne
Grade
2,0
Author
Senta Steinmeier (Author)
Publication Year
2017
Pages
27
Catalog Number
V424183
ISBN (eBook)
9783668696273
ISBN (Book)
9783668696280
Language
German
Tags
historische narrative deutungsmuster nürnberger prozessen schulgeschichtsbuch jahre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Senta Steinmeier (Author), 2017, Historische Narrative. Deutungsmuster zu den Nürnberger Prozessen im westdeutschen Schulgeschichtsbuch der 1950/60er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/424183
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