Die folgende Abhandlung beschäftigt sich mit der Genderforschung im Thriller Genre anhand der Millennium Trilogie und stellt sich die Frage, ob Lisbeth Salander eine prototypische Feministin ist. Als Einstieg in das Thema erfolgt eine Zuordnung des Genres, d.h. inwiefern die Millennium Trilogie die Merkmale des feministischen Krimis, des Thrillers und der "hard-boiled school" erfüllt. Im Anschluss wird analysiert inwiefern das Modell der hartgesottenen Detektivin als feministisches Rollenmodell dient und inwieweit Lisbeth Salander die Rolle der "hard-boiled woman" übernimmt. Ausserdem beschäftigt sich die Arbeit mit den charakterlichen Ausprägungen von Lisbeth, d.h. mit ihrer Rachesucht, mit ihrer nonkonformistischen Einstellung, die einen Vergleich mit der schwedischen Kinderbuchfigur Pipi Langstrumpf zulässt, mit ihrer Rolle als "final girl" und mit ihrem ambivalenten Charakter, d.h. mit der Vereinigung mehrere Identitäten in ihrer Person und der Wechsel der Rollen zwischen Opfer, Täter und Ermittler.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Millennium Trilogie- Genrezuordnung
2.1. Feministischer Krimi.
2.2. Thriller
2.2.1. Hard-boiled school
3. Hard-boiled woman
3.1. Die hartgesottene Detektivin als feministisches Rollenmodell
3.2. Lisbeth Salander – hard-boiled woman
4. Charakterliche Ausprägungen der Lisbeth Salander
4.1. Personifizierte Vendetta
4.2. Nonkonformismus
4.2.1. Pippi Langstrumpf & Lisbeth Salander – feministische Superhelden
4.3. Final Girl
4.4. Ambivalenz
5. Zusammenfassung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson im Kontext der Genderforschung und stellt die zentrale Forschungsfrage, inwieweit die Protagonistin Lisbeth Salander als prototypische Feministin betrachtet werden kann. Dabei wird analysiert, wie die Trilogie Genrezuordnungen bedient und durch die Figur der Salander neue feministische Rollenmodelle etabliert.
- Genrezuordnung der Millennium-Trilogie (Feministischer Krimi, Thriller, Hard-boiled school)
- Die Figur Lisbeth Salander als "Hard-boiled woman"
- Vergleich der nonkonformistischen Züge mit der Figur Pippi Langstrumpf
- Analyse der Rolle als "Final Girl" und der psychologischen Ambivalenz der Protagonistin
- Reflektion von Rache, Widerstand und weiblicher Selbstbehauptung
Auszug aus dem Buch
3.2. Lisbeth Salander – hard-boiled woman
Bei der Erschaffung der Figur der Lisbeth Salander hat Larsson sich offensichtlich von dem Modell der hard-boiled woman inspirieren lassen. Lisbeths psychische wie auch physische Eigenschaften stimmen mit den typischen Merkmalen, die nach der Auffassung der hard-boiled school einen tough guy bzw. einen hard-boiled Ermittler ausmachen, überein.
Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als das, was Lisbeth in ihrem kurzen Leben schon alles wiederfahren ist und obwohl sie, seit sie denken kann, Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden ist, “[…] she never considers herself a victim; she defends herself, and she takes revenge. In no way does her victimization render her helpless“. Für sie zählt nicht die Gerechtigkeit, sondern die Rache, die ihr dazu verhilft beinah übernatürliche physische Kräfte zu entwickeln. Trotz ihrer äußerst kleinen Statur ist sie in der Lage Bärenkräfte in Gang zu setzen. Auch gegen körperlich überlegene Gegner kann sie sich durchsetzen und überlebt sogar als ihr Vater sie mehrere Male anschießt und sie danach lebendig begräbt. Es scheint, nichts kann sie erschüttern und trotzdem ist „ das wilde Biest im Zwergenformat mit dem Drachentattoo auf dem Rücken […] zugleich ein schwer traumatisiertes Opfer, dass sich mit allen sozialen Beziehungen schwertut“.
Daher rührt jedoch ihre absolute Kontrolle über die eigenen Gefühle und ihre Gelassenheit gegenüber dem Tod. Das schlimmste, was einem Menschen passieren kann, hat sie durchlebt, sodass sie sich in ihrer jetzigen Situation nichts anderem verpflichtet fühlt als ihrer eigenen Moral und ihren Rachefantasien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die feministischen Themen der Trilogie ein und stellt Lisbeth Salander als Protagonistin vor, die sich gegen eine misogynistische Gesellschaft auflehnt.
2. Millennium Trilogie- Genrezuordnung: Dieses Kapitel ordnet die Bücher den Genres feministischer Krimi, Thriller und Hard-boiled school zu, um den literarischen Rahmen zu definieren.
3. Hard-boiled woman: Hier wird das Modell der hartgesottenen Ermittlerin als feministisches Rollenmodell theoretisch beleuchtet und auf Lisbeth Salander übertragen.
4. Charakterliche Ausprägungen der Lisbeth Salander: Das Kapitel analysiert tiefgehend die Facetten von Salanders Identität, darunter ihre Rachesucht, ihren Nonkonformismus, ihre Rolle als "Final Girl" und ihre psychologische Ambivalenz.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Entwicklung der Protagonistin vom misshandelten Kind zur unabhängigen, feministischen Heldin.
Schlüsselwörter
Millennium-Trilogie, Lisbeth Salander, Genderforschung, Feministischer Krimi, Thriller, Hard-boiled woman, Feminismus, Rache, Nonkonformismus, Pippi Langstrumpf, Final Girl, Identitätsfindung, Stieg Larsson, Gewalt gegen Frauen, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson und untersucht, wie die Protagonistin Lisbeth Salander innerhalb einer genderwissenschaftlichen Perspektive als feministisches Rollenmodell interpretiert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Genrezuordnung der Trilogie, die Analyse von Gewalt gegen Frauen, die Darstellung von weiblicher Rache und die Dekonstruktion traditioneller Rollenbilder durch die Protagonistin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob Lisbeth Salander als eine Art prototypische Feministin verstanden werden kann und wie ihre Figur innerhalb der Genremuster von Thriller und Krimi funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und den Vergleich mit theoretischen Konzepten wie dem "Hard-boiled"-Ermittlermodell und der "Final Girl"-Theorie nach Carol Clover.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genrezuordnung, die theoretische Definition der "Hard-boiled woman" und eine detaillierte Untersuchung der charakterlichen Ausprägungen von Salander.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Millennium-Trilogie, Genderforschung, Feminismus, Rache und Identitätsfindung charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Pippi Langstrumpf?
Der Vergleich dient dazu, den Nonkonformismus von Salander zu unterstreichen und aufzuzeigen, wie Larsson ikonische schwedische Figuren transformiert, um eine rebellische, eigenwillige weibliche Identität abzubilden.
Warum wird Lisbeth Salander als "Final Girl" bezeichnet?
Die Bezeichnung bezieht sich auf ihre Rolle als Überlebende in lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen, wobei sie sich durch Stärke und Aggressivität von den klassischen, oft wehrlosen weiblichen Opferrollen distanziert.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2013, Lisbeth Salander. Eine feministische Superheldin?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/424012