In der gymnasialen Oberstufe haben die Schülerinnen und Schüler erstmals die Chance, Fächer selbst zu wählen. Es handelt sich hierbei zwar nur um relativ freie Kurswahlen, die von institutionalisierten Rahmenbedingungen gerahmt werden, doch lassen sie den Schülerinnen und Schülern die Wahl über ihre individuelle Schwerpunktsetzung.
Die Reform, mit der die individuell zu wählenden Leistungs- und Grundkurse einhergingen, liegt schon 45 Jahre zurück (die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Reform der gymnasialen Oberstufe wurde 1972 getroffen). Begründet wurde diese Öffnung der Wahlmöglichkeiten mit der immer mehr zunehmenden Expansion von Wissen und der Ausdifferenzierung neuer Wissenschaften, wodurch es nicht mehr legitimierbar erschien, die zunehmende Pluralität in einen Kanon von Fächern zu transformieren, den man als „allgemein bildend“ darstellen konnte.
Damit war der Grundstein für die verantwortungsvolle Mitentscheidung der Lernenden bei ihren Wahlen gelegt. Trotz vieler Kritiker , mehrfachen kleinen Revisionen und Veränderungen der Vereinbarung, ist es den Lernenden auch heute möglich, über ihren individuellen schulischen Werdegang mitzubestimmen. Durch die Revisionen, die zu einer Einengung von Wahlmöglichkeiten und zu einer Privilegierung bestimmter Fächer durch Belegungsverpflichtungen führten, ist auch das Fach Deutsch betroffen, das in dieser Arbeit fokussiert werden soll.
Vor allem die Literatur zu Wahlmotiven von Kursen in der Oberstufe ist derzeit noch sehr naturwissenschaftlich orientiert. Explizite Gründe für die Wahl des Deutschleistungskurses wurden bisher nicht erforscht – nur generell Kurswahlmotive in allen Fächern, wodurch der Fokus auf das Fach Deutsch verloren geht. Diese Untersuchung soll diese Lücke schließen und herausstellen, weshalb sich Schülerinnen und Schüler in der zehnten Klasse dazu entscheiden, für zwei Jahre einen Deutschleistungskurs zu wählen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Theoretisches Studienprojekt
1.1.1 Begründung dieses Formats.
1.1.2 Reflexion des geplanten Studienprojekts und Abänderungen).
1.2 Motivation
1.3 Wissensstand
1.3.1 Belegungen von Leistungskursen im Abitur
1.3.2 Gründe für Wahlen
1.3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede
1.4 Forschungsfrage und Hypothesen
2. Methoden
2.1 Auswahl der Methoden
2.2 Probanden und Ablauf
2.3 Situative Rahmenbedingungen
3. Ergebnisse
4. Diskussion
4.1 Fazit – Beantwortung der Forschungsfrage und der Hypothesen
4.2 Ausblick
4.2.1 Konsequenzen
4.2.2 Weiterführende Interpretation der Befunde
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Beweggründe von Schülerinnen und Schülern der zehnten Klasse für die Wahl des Deutschleistungskurses in der gymnasialen Oberstufe, um ein tieferes Verständnis für die heterogenen Erwartungen und Motive der Lernenden zu gewinnen.
- Analyse der Wahlmotive für den Deutschleistungskurs
- Untersuchung von sachbezogenen versus sachfremden Entscheidungsgründen
- Exploration von geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Kurspräferenz
- Evaluation des Einflusses organisatorischer und persönlicher Faktoren auf die Kurswahl
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der gymnasialen Oberstufe haben die Schülerinnen und Schüler erstmals die Chance, Fächer selbst zu wählen. Es handelt sich hierbei zwar nur um relativ freie Kurswahlen, die von institutionalisierten Rahmenbedingungen gerahmt werden, doch lassen sie den Schülerinnen und Schülern die Wahl über ihre individuelle Schwerpunktsetzung (vgl. Abel, 2002, S. 201). Die Reform, mit der die individuell zu wählenden Leistungs- und Grundkurse einhergingen, liegt schon 45 Jahre zurück (die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Reform der gymnasialen Oberstufe wurde 1972 getroffen). Begründet wurde diese Öffnung der Wahlmöglichkeiten mit der immer mehr zunehmenden Expansion von Wissen und der Ausdifferenzierung neuer Wissenschaften, wodurch es nicht mehr legitimierbar erschien, die zunehmende Pluralität in einen Kanon von Fächern zu transformieren, den man als „allgemein bildend“ darstellen konnte (vgl. Roeder; Gruehn, 1996, S. 497). Damit war der Grundstein für die verantwortungsvolle Mitentscheidung der Lernenden bei ihren Wahlen gelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der Kurswahlreform in der gymnasialen Oberstufe sowie die aktuelle Situation des Fachs Deutsch in Nordrhein-Westfalen.
2. Methoden: Hier wird das methodische Vorgehen der Studie beschrieben, inklusive der Datenerhebung mittels Fragebogen und der qualitativen Inhaltsanalyse.
3. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die wertungsneutrale Darstellung der extrahierten Wahlgründe und visualisiert die Häufigkeiten der Nennungen.
4. Diskussion: Im letzten Hauptkapitel werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, die aufgestellten Hypothesen überprüft und ein Ausblick für zukünftige Forschungen gegeben.
Schlüsselwörter
Leistungskurswahl, Deutschunterricht, gymnasiale Oberstufe, Schülerorientierung, Wahlmotive, sachbezogene Gründe, sachfremde Gründe, qualitative Inhaltsanalyse, Kurswahlverhalten, Interessenentwicklung, Schulwesen NRW, Geschlechterunterschiede, Punkteoptimierung, Unterrichtsplanung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Gründen, warum sich Schülerinnen und Schüler am Ende der Einführungsphase in der zehnten Klasse für den Deutschleistungskurs entscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Motivation zur Kurswahl, der Unterschied zwischen sachbezogenen und sachfremden Wahlmotiven sowie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Fächerwahl.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Weshalb entscheiden sich Schülerinnen und Schüler dazu in der zehnten Klasse für zwei Jahre einen Deutschleistungskurs zu wählen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring genutzt, um die Daten aus einem offenen Fragebogen, der an 31 Schülerinnen und Schüler ausgegeben wurde, systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über bestehendes Wahlverhalten, die Darstellung der eigenen Methodik sowie die Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Leistungskurswahl, Deutschunterricht, Wahlmotive, Schülerorientierung, sachbezogene vs. sachfremde Entscheidungen und die gymnasiale Oberstufe.
Wie wirken sich sachfremde Gründe auf die Motivation im Kurs aus?
Sachfremde Gründe, wie die Punkteoptimierung, können laut Arbeit dazu führen, dass weniger intrinsisches Interesse am Fach besteht, was die Unterrichtsgestaltung für Lehrkräfte herausfordernder macht.
Gibt es signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahl?
Die Studie konnte keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Motiven feststellen; wohl aber zeigen sich Unterschiede in der Frequenz der Nennungen aufgrund der ungleichen Stichprobenverteilung.
- Arbeit zitieren
- Anna Baer (Autor:in), 2017, Die Kurswahl in der gymnasialen Oberstufe. Gründe von SchülerInnen für die Wahl des Leistungskurses Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/419299