Wie groß sind die Abweichungen der Stilkennzeichnungen zwischen verschiedenen Wörterbüchern und zwischen verschiedenen Auflagen gleicher Wörterbücher? Zu Beginn dieser Arbeit wird zunächst der theoretische Rahmen das Verständnis der Markierungspraxis von lexikalischen Einheiten in deutschen Wörterbüchern erleichtern. Weiteres werde ich auch auf das verwendete Korpus eingehen und die gewählte Methode meiner Untersuchung erläutern. Zuletzt werden die Ergebnisse in Form einer Beschreibung und Interpretation der Tabellen vorgestellt und erörtert, die auf der Grundlage der gewonnenen Daten erstellt werden konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand
2. Stilistik und Lexikographie
2.1. Damals und heute
2.2. Die Markierungskategorien der Gegenwart
3. Korpus und Methode
4. Ergebnisse
4.1. Schwierigkeiten stilistischer Markierungen
4.2. Abweichungen in verschiedenen Auflagen
4.3. Abweichungen in verschiedenen Wörterbüchern
5. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die stilistische Kennzeichnungspraxis des deutschen Wortschatzes in unterschiedlichen Wörterbüchern und deren Auflagen, um das Ausmaß an Variationen bei diastratischen und diaevaluativen Markierungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Stilistische Kategorisierung und Markierungspraxis in einsprachigen Bedeutungswörterbüchern
- Vergleich von Stilschichten, Stilebenen und Stilfärbungen (Gebrauchsangaben)
- Diachroner Vergleich zwischen älteren und aktuellen Auflagen ausgewählter Lexika
- Synchroner Vergleich zwischen konkurrierenden Wörterbüchern desselben Erscheinungsjahres
- Einfluss von Phraseologismen und Polysemie auf die stilistische Bewertung
Auszug aus dem Buch
1. Gegenstand
Eine Situation, die jede/r Lesende kennt: Während einer spannenden Lektüre trifft man plötzlich auf Wörter, die man nicht kennt und nicht versteht oder auf Wörter, die zwar bekannt sind, aber trotzdem nicht ganz verständlich. In beiden Fällen benötigt man hier - wenn die Lektüre erfolgreich sein soll - bestimmte Informationen zu den jeweiligen Wörtern. Helfen kann in diesem Fall beispielsweise ein allgemeines einsprachiges Bedeutungswörterbuch: So wird man im „Deutschen Universalwörterbuch“ des Dudenverlags (Duden-UW) darüber informiert, dass man unter einem Leichter ein kleines, flaches Wasserfahrzeug, welches zum Entladen von Seeschiffen verwendet wird, versteht.
Weiteres findet sich die Erklärung, dass abfallen - mit Bezug auf das Segeln - bedeutet, den Kurs so zu ändern, dass der Wind voller in das Segel fällt. Der/die Leser/in wird zudem darüber informiert, dass die beiden Wörter Leichter und abfallen eine Gemeinsamkeit haben, nämlich den Hinweis „Seemannssprache“, mit dem die Zugehörigkeit der Wörter zu bestimmten Sondersprachen - abgegrenzt von der Allgemeinsprache - angezeigt wird. Betrachtet man nun weiter etwa das Wort Job im „Handwörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ (HDG) von 1984 und dasselbe Wort im Duden-UW aus dem Jahr 1989, dann entdeckt man bestimmte in Klammern gesetzte Zusätze, die die stilistische Bewertung von Wörtern und ihre angemessene Verwendungsweise angeben.
Jedoch sind in den beiden unterschiedlichen Wörterbüchern zugleich verschiedene Zusätze, sogenannte Markierungsprädikate oder Markierungen, für das gleiche Wort angegeben. (vgl. Ludwig 1995: 284) Anders als im Duden-UW, wo der Zusatz „umgangssprachlich“ zu lesen ist, findet man im HDG den Hinweis „salopp“. Mit diesem Beispiel möchte ich zeigen, worauf das Augenmerk der vorliegenden Proseminararbeit gerichtet ist: auf der Untersuchung der Stilkennzeichnungen des deutschen Wortschatzes in unterschiedlichen Wörterbüchern und Auflagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand: Einführung in die Thematik der stilistischen Wörterbuchmarkierungen und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zur Abweichung dieser Kennzeichnungen.
2. Stilistik und Lexikographie: Theoretische Herleitung der stilistischen Einordnung von Wortschatz, von historischen Ansätzen bis hin zu modernen Definitionen von Stilebenen und Stilfärbungen.
3. Korpus und Methode: Erläuterung der Auswahl der vier untersuchten Wörterbücher (Wahrig und Duden) sowie der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Wortstrecken.
4. Ergebnisse: Detaillierte Darstellung der identifizierten Abweichungen, unterteilt in Schwierigkeiten der Markierungen, Veränderungen zwischen Auflagen und Diskrepanzen zwischen unterschiedlichen Wörterbuchwerken.
5. Konklusion: Abschließende Reflexion darüber, dass die Markierungspraxis unverzichtbar, aber aufgrund subjektiver Faktoren und fehlender einheitlicher Kriterien theoretisch problematisch bleibt.
Schlüsselwörter
Stilistik, Lexikographie, Wörterbuch, Stilebene, Stilfärbung, Markierungsprädikate, Diastratik, Diaevaluative Markierungen, Sprachwandel, Wortschatz, Duden, Wahrig, Sprachgebrauch, Phraseologismen, Polysemie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Praxis der stilistischen Kennzeichnung lexikalischer Einheiten in deutschsprachigen Bedeutungswörterbüchern und untersucht deren Konsistenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Untersuchung von Stilschichten, Stilebenen und sogenannten Stilfärbungen, wie sie in Lexika verwendet werden, um den Sprachgebrauch zu kategorisieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, wie groß die Abweichungen bei der Stilkennzeichnung von Wörtern zwischen verschiedenen Wörterbüchern sowie zwischen verschiedenen Auflagen ein und desselben Wörterbuchs sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine Stichprobe von 247 Wörtern aus definierten Wortstrecken und führt einen komparativen Vergleich der stilistischen Markierungen in vier ausgewählten Wörterbuchausgaben durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Fundierung werden die Ergebnisse der Vergleichsanalyse präsentiert, wobei Probleme wie polyseme Wörter, Phraseologismen und die unterschiedliche Redaktionspraxis der Werke beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Stilistik, Lexikographie, Wörterbuch, Markierungsprädikate, Stilebene und Sprachgebrauch sind die zentralen Begriffe.
Warum weichen die Markierungen bei Wörtern wie "Flittchen" oder "Schmierenkomödiant" so stark ab?
Die Arbeit zeigt, dass sich die gesellschaftliche Bewertung von Begriffen über die Jahre wandeln kann und Wörterbücher diese Entwicklung zeitversetzt und unterschiedlich stark durch Markierungen wie "abwertend" oder "salopp" abbilden.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Verlässlichkeit von Markierungssystemen?
Die Autorin schließt sich dem Experten Franz Josef Hausmann an: Die Systeme stehen oft auf "schwachen theoretischen Füßen", bleiben aber für Benutzer dennoch eine unverzichtbare Orientierungshilfe.
- Arbeit zitieren
- Adela Alekic (Autor:in), 2017, Stilistische Variation des deutschen Wortschatzes in Wörterbüchern der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/417387