Oft gerät man ins Staunen, wenn man sich mit einem Kind über ein Thema unterhält und es schon viel dazu weiß. Denn Kinder sind keineswegs "unbeschriebene Blätter". Sie machen sich ihre eigenen Gedanken zu den Dingen und Verläufen der Welt, teils wissen sie sogar in vielen Bereichen besser Bescheid als manch ein Erwachsener vermutet. Kinder sind keineswegs eine "tabula rasa" und wer heute noch diese Überzeugung vertritt, wird spätestens durch seine eigenen Kinder oder durch die im Freundes- oder Verwandtenkreis vom Gegenteil überzeugt. Sichtbar wird solches Vorwissen, auch Präkonzept genannt, vor allem im Schulunterricht, insbesondere im Sachunterricht. Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff des "Präkonzeptes"? Wie entstehen Schülervorstellungen und wie geht man mit dem Vorwissen um? Um die Klärung dieser Fragen soll es unter anderem in der vorliegenden Hausarbeit gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition Präkonzept
2.1 Entstehung von Präkonzepten
2.2 Eigenschaften und Merkmale von Präkonzepten
3. Lernen als Veränderung von Präkonzepten: Conceptual Change
3.1 Unterschiede in der Konzeptveränderung
3.2 Schwierigkeiten und Bedingungen der Veränderung
3.3 Strategien zur Förderung des Conceptual Change
3.3.1 Konfrontieren
3.3.2 Anknüpfen
3.3.3 Umdeuten
4. Präkonzepterhebung
5. Gegenstand des Interviews: Schwimmen und Sinken
5.1 Einordnung in den Lehrplan
5.2 Sachanalyse
6. Interviewverfahren zur Präkonzepterhebung
6.1
6.2 Sichtbare Präkonzepte und Einordnung in typische Schülervorstellungen
6.3 Ausblick für die Weiterarbeit im Unterricht
7. Schlussbemerkung
9. Anhang
9.1 Transkription des Interviews
9.2 Überblick über die im Interview verwendeten Gegenstände
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Präkonzepte von Grundschulkindern zum naturwissenschaftlichen Phänomen "Schwimmen und Sinken". Ziel ist es, durch die Erhebung und Analyse der Schülervorstellungen Wege aufzuzeigen, wie Lernprozesse durch gezielte didaktische Interventionen (Conceptual Change) unterstützt werden können.
- Definition und theoretische Grundlagen von Präkonzepten
- Lernprozesse als Conceptual Change
- Methodik der diagnostischen Interviewführung
- Analyse konkreter Schülervorstellungen zu Dichte und Auftrieb
- Didaktische Implikationen für den Sachunterricht
Auszug aus dem Buch
2. Begriffsdefinition Präkonzept
Der Begriff des Präkonzepts tauchte erstmals in den 1970er Jahren auf. Seit jeher entwickelten sich auf Grund der vielen Forschungen und Studien über dieses Phänomen eine Vielzahl an Bezeichnungen. Häufig ist in der Fachliteratur neben dem Ausdruck Präkonzept auch von Schülervorstellungen, naive Theorien, Alltagsvorstellungen, alternative frameworks oder Vorerfahrungen die Rede. Doch was genau versteht man unter dem Begriff des Präkonzepts von Schülern in Hinblick auf den naturwissenschaftlichen Unterricht?
Wie bereits in der Einleitung vernommen werden konnte, kommen Kinder nicht als „tabula rasa“ in den Schulunterricht. Jeder Schüler hat meistens schon vor Schuleintritt erste Vorstellungen oder Erklärungsmöglichkeiten für die im Unterricht behandelten Themen, speziell für die in Naturwissenschaften. Alle Erfahrungen, die das Kind im Laufe seines Erwachsenswerdens über die Umwelt aufnimmt, tragen zur Bildung solcher Präkonzepte bei. Diesen Präkonzepten von Schülern kommt in Lernprozessen eine entscheidende Bedeutung zu. Sie beeinflussen massiv das schulische Lernen, da die Schüler versuchen, Sachverhalte mit ihren Vorstellungen zu deuten und zu erklären. Zum Teil sind diese Vorstellungen tief verankert und stimmen nicht mit den wissenschaftlichen Konzepten überein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von kindlichen Vorstellungen vor dem Schulunterricht und führt in die Problematik ein, dass Kinder keine unbeschriebenen Blätter sind.
2. Begriffsdefinition Präkonzept: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Präkonzepts und erörtert, wie diese Vorstellungen durch Alltagserfahrungen und das soziale Umfeld entstehen.
3. Lernen als Veränderung von Präkonzepten: Conceptual Change: Hier wird der Prozess der konzeptuellen Veränderung beschrieben, inklusive der verschiedenen Schwierigkeiten und didaktischen Förderstrategien.
4. Präkonzepterhebung: Dieses Kapitel stellt verschiedene Methoden vor, wie Lehrkräfte die Lernvoraussetzungen von Kindern diagnostizieren können.
5. Gegenstand des Interviews: Schwimmen und Sinken: Hier erfolgt die fachliche Einordnung des Themas in den Lehrplan sowie eine wissenschaftliche Sachanalyse der Phänomene Dichte und Auftrieb.
6. Interviewverfahren zur Präkonzepterhebung: Dieses Kapitel dokumentiert die Durchführung eines Interviews mit einem Grundschulkind und analysiert dessen spezifische Vorstellungen zu Schwimm- und Sinkvorgängen.
7. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Herausforderungen für Lehrkräfte zusammen, Lernende in der Zone der nächsten Entwicklung zu unterstützen.
9. Anhang: Der Anhang enthält die vollständige Transkription des durchgeführten Interviews sowie eine visuelle Übersicht der verwendeten Materialien.
Schlüsselwörter
Präkonzepte, Sachunterricht, Conceptual Change, Schülervorstellungen, Schwimmen und Sinken, Dichte, Auftrieb, naturwissenschaftliches Lernen, Diagnose, Interview, Fehlkonzepte, Lernvoraussetzungen, Konstruktivismus, Grundschule, Materialanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Diagnose und pädagogischen Einordnung kindlicher Vorstellungen zu naturwissenschaftlichen Phänomenen, konkret am Beispiel des Themas "Schwimmen und Sinken".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Präkonzepte, dem didaktischen Konzept des Conceptual Change und der empirischen Anwendung mittels eines Interviews.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein Kind physikalische Phänomene deutet, um daraus Ableitungen für einen differenzierenden und konstruktiven Sachunterricht zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenerhebung verwendet?
Die Autorin nutzt ein leitfadengestütztes Interview mit experimentellen Elementen, in denen das Kind aufgefordert wird, Vermutungen zu verschiedenen Gegenständen zu äußern und zu überprüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Präkonzepten, eine fachwissenschaftliche Analyse des Schwimmens und Sinkens sowie die Auswertung eines Einzelfallinterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Präkonzepte, Conceptual Change, Schülervorstellungen, Dichte, Auftrieb und naturwissenschaftliches Lernen in der Grundschule.
Warum spielt das "Gewichtskonzept" für das befragte Kind eine so zentrale Rolle?
Das Kind greift immer wieder auf das Gewicht als primäre Ursache für das Schwimmen oder Sinken zurück, was eine typische kindliche Sichtweise (naives Konzept) darstellt, die noch nicht zwischen Gewicht und Dichte differenziert.
Wie reagiert das Kind auf die physikalische Widerlegung seiner Vermutungen?
Das Kind zeigt sich bei Widersprüchen zunächst unsicher oder versucht, seine Theorie durch neue, teils spekulative Argumente (wie die Form des Gegenstands) zu retten, anstatt das wissenschaftliche Modell sofort zu übernehmen.
- Arbeit zitieren
- Linda Jirschitzka (Autor:in), 2014, Erhebung eines Präkonzeptes zum Sachunterrichtsthema "Schwimmen und Sinken", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416952