Studien, die das Phänomen der Konformität in der Interaktion zwischen Mitgliedern einer Gruppe untersucht haben, fokussierten lange Zeit überwiegend auf externe Faktoren, die durch den Versuchsleiter oder, übertragen auf die Situation in Unternehmen, durch das Management gesteuert werden können. Dazu gehören Merkmale wie Gruppengröße- und zusammensetzung, die Versorgung der Gruppenmitglieder mit Information, Expertise in der Gruppe oder das Ausmaß an Autonomie, die den einzelnen Teammitgliedern gegeben wird. Andere Moderatoren, die in der Disposition des Einzelnen liegen und ungleich schwerer zu identifizieren sind, werden erst in jüngerer Zeit untersucht. Um anerkannte und aktuelle Forschungsergebnisse bestmöglich zu berücksichtigen, beschäftigt sich diese Arbeit mit drei ausgewählten intraindividuellen Merkmalen: Die kulturelle Prägung (1), der Umgang mit emotionalen Reaktionen (2) und die Neigung, sich mit anderen zu vergleichen (3). Ziel ist es, Hypothesen zu entwickeln, um untersuchen zu können, inwieweit diese personenbezogenen Faktoren die Neigung zur Konformität beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Stand der Forschung
1. Kulturelle Prägung
2. Umgang mit emotionalen Reaktionen
3. Neigung, sich mit anderen zu vergleichen
III. Methoden
IV. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von drei spezifischen intraindividuellen Moderatoren – kulturelle Prägung, Umgang mit emotionalen Reaktionen sowie die Neigung zum sozialen Vergleich – auf die Konformitätsneigung von Individuen in Gruppen, um die psychologischen Faktoren hinter der Verhaltensanpassung besser zu verstehen.
- Analyse des Einflusses kultureller Prägung (individualistisch vs. kollektivistisch) auf Konformität.
- Untersuchung der Wirkung von Ablehnung durch emotionale Reaktionen auf das Verhalten.
- Erforschung der Rolle der Neigung zum sozialen Vergleich bei der Entscheidungsfindung.
- Operationalisierung der Forschungsfrage durch Hypothesenbildung für eine quantitative Untersuchung.
- Ableitung von Implikationen für die Personalauswahl und Personalentwicklung in Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Seit den Experimenten des US-Psychologen Solomon Elliott Asch zur Beeinflussbarkeit von Menschen Anfang der fünfziger Jahren (Colman, 2009) beschäftigt sich die Sozialpsychologie intensiv mit dem Verhalten von Individuen in Gruppen und dabei insbesondere mit der Frage der Konformität, die Myers (2014, S. 605) als Anpassung des Verhaltens oder Denkens definiert, um mit dem Gruppenstandard übereinzustimmen.
Diese Verhaltensanpassung an bestehende soziale Normen dient dazu, zwei Grundbedürfnisse zu befriedigen, die in jedem Menschen verankert sind. Einerseits soll Unsicherheit darüber, wie man sich angemessen verhält, verringert werden (Van den Bos & Lind, 2002, zitiert nach Hewstone & Martin, 2014, S. 274), andrerseits soll dadurch, dass man mit den Erwartungen von anderen konform geht, Anerkennung erlangt und soziale Sanktionen, wie Ablehnung, vermieden werden (Hewstone & Martin, 2014, S. 282). Diese beiden sozialen Einflüsse, die als informativer bzw. normativer Einfluss in der Sozialpsychologie definiert werden (Myers, 2014, S. 606), wirken in der Regel gleichzeitig mit jeweils unterschiedlicher Intensität oder in wechselnder Reihenfolge (Braun, 2017, S. 37).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Konformität ein, erläutert die psychologischen Hintergründe der Verhaltensanpassung und stellt die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit vor.
II. Stand der Forschung: Hier werden aktuelle wissenschaftliche Studien zu den drei intraindividuellen Faktoren kulturelle Prägung, Umgang mit Emotionen und Neigung zum sozialen Vergleich detailliert analysiert.
III. Methoden: Dieser Abschnitt operationalisiert die Forschungsfrage, stellt Nullhypothesen auf und diskutiert geeignete Messinstrumente zur Erhebung der relevanten Variablen.
IV. Diskussion: Das Fazit reflektiert die theoretischen Erkenntnisse im Hinblick auf Minderheiteneinfluss sowie deren praktische Relevanz für Unternehmen und das Management von Arbeitsgruppen.
Schlüsselwörter
Konformität, Sozialpsychologie, Kulturelle Prägung, Kollektivismus, Individualismus, Emotionale Reaktionen, Soziale Ablehnung, Sozialer Vergleich, Soziale Phobie, Minderheiteneinfluss, Verhaltensanpassung, Gruppenpsychologie, Personalauswahl, Organisationspsychologie, Entscheidungsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie bestimmte, im Individuum verankerte Merkmale – sogenannte intraindividuelle Moderatoren – die Neigung von Menschen beeinflussen, sich dem Verhalten oder der Meinung einer Gruppenmehrheit anzupassen (Konformität).
Welche drei zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die kulturelle Prägung, den Umgang mit emotionalen Reaktionen der Ablehnung durch die Gruppe sowie die individuelle Neigung, sich mit anderen zu vergleichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Hypothesen zu entwickeln, um zu untersuchen, inwieweit diese drei personenbezogenen Faktoren das Maß an Konformität beeinflussen und ob sie als Prädiktoren für das Verhalten in Arbeitsgruppen dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Ableitung von Nullhypothesen, die für eine empirische, quantitative Untersuchung mittels Online-Fragebögen operationalisiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der aktuelle Stand der Forschung zu den gewählten Konstrukten dargestellt und deren theoretischer Bezug zur Konformitätsforschung erläutert, gefolgt von einer methodischen Operationalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konformität, kulturelle Prägung, sozialer Vergleich, Minderheiteneinfluss, Verhaltensanpassung und organisationspsychologische Implikationen.
Inwiefern spielt der kulturelle Hintergrund eine Rolle bei der Konformität?
Die Arbeit stützt sich auf Konzepte wie Individualismus und Kollektivismus. Es wird abgeleitet, dass kollektivistisch geprägte Personen tendenziell eher zu mehrheitskonformem Verhalten neigen als individualistisch geprägte.
Welche Rolle spielt die emotionale Verärgerung der Gruppe?
Emotionale Reaktionen wie Verärgerung führen zu einem Gefühl der Ablehnung. Im Unternehmenskontext, in dem ein Wechsel der Gruppe meist schwierig ist, wirkt dies häufig konformitätsverstärkend, um soziale Zugehörigkeit zu sichern.
Warum ist die Untersuchung für die Praxis relevant?
Für Unternehmen, insbesondere in kreativen oder beratenden Bereichen, ist es entscheidend, dass Minderheitenmeinungen nicht durch Konformitätsdruck unterdrückt werden. Die Identifizierung der Moderatoren könnte dabei helfen, Auswahl- und Entwicklungsinstrumente zu optimieren.
- Arbeit zitieren
- Dr. Igor Rösch (Autor:in), 2018, Einflussfaktoren von Gruppenzwang. Ausgewählte intraindividuelle Moderatoren und ihr Einfluss auf mehrheitskonformes Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416944