Neben dem Lesen nimmt vor allem das Schreiben in der Schule einen wichtigen Stellenwert ein. So fordert der Lehrplan PLUS für die Grundschulen in Bayern unter anderem neben der Stärkung der individuellen Anlagen und der Erziehung zu eigenverantwortlichen, selbstständigen und wertorientierten Persönlichkeiten die Vermittlung grundlegender Schreibkompetenzen. Sowohl das Fachprofil Deutsch als auch das Fachprofil Deutsch als Zweitsprache stellt das Schreiben neben den Kompetenzen "Hören, Sprechen und Zuhören", "Lesen - mit Texten umgehen" und "Sprache - Wortschatz und Strukturen entwickeln und untersuchen" in den Mittelpunkt der beiden Fächer. Ausgehend von den Forderungen des Lehrplans und der Wichtigkeit des Schreibens ist es Aufgabe des Deutschunterrichts und des Deutsch als Zweit- und Fremdsprachenunterrichts allen Schülern grundlegende Schreibfertigkeiten zu vermitteln, um insbesondere auch Kindern mit Migrationshintergrund eine erfolgreiche Teilhabe in allen Schulfächern und der Gesellschaft zu ermöglichen. Angestoßen durch den Wandel von einer produkt- zu einer prozessorientierten Schreibdidaktik seit den frühen 1980er Jahren sieht es der Fachlehrplan Deutsch als Zweitsprache weiter vor, allen Kindern durch geeignete Verfahren Strategien zur Überarbeitung und Verbesserung von selbst verfassten Texten zu vermitteln. Ein mitunter geeignetes methodisch-didaktisches Vorgehen ist dabei die Schreibkonferenz, die im Zuge dieser Arbeit unter dem Aspekt des prozessorientierten Schreibens näher dargestellt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Aufsatzdidaktik
2.1 Produktorientiertes Schreiben
2.2 Prozessorientierte Schreibdidaktik
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2 Grundmuster prozessorientierter Schreibanleitung
2.2.3 Kooperation beim prozessorientierten Schreiben
3. Die Schreibkonferenz
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Konzept und Ablauf
3.3 Schreibkonferenzregeln
4. Bewertung von Schreibkonferenzen
4.1 Nutzen und Ziele
4.2 Schwierigkeiten und Probleme
5. Zusammenfassendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das methodisch-didaktische Verfahren der Schreibkonferenz als zentrales Werkzeug einer prozessorientierten Schreibdidaktik im Deutsch- sowie DaZ-/DaF-Unterricht der Grundschule. Ziel ist es, den theoretischen Wandel von produkt- zu prozessorientierten Ansätzen darzulegen und aufzuzeigen, wie Schreibkonferenzen die Schreibkompetenz fördern und zur individuellen Textüberarbeitung beitragen können.
- Wandel von der produkt- zur prozessorientierten Schreibdidaktik
- Methodische Grundlagen und Phasen der Schreibkonferenz
- Kooperatives Lernen und Feedbackschleifen
- Förderung der Schreibkompetenz bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund
- Bewertung von Chancen, Nutzen und praktischen Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsbestimmung
Der Begriff „Schreibkonferenz“ wurde erstmals durch Donald H. Graves unter dem Terminus `Writing Conference´ in England (vgl. Necknig 2012: 67) eingeführt. Donald H. Graves gilt damit als Vorreiter der Schreibkonferenz, die sich schließlich in den 1980er Jahren durch Gudrun Spitta in Deutschland ausbreitete und so letztlich Eintritt in die tägliche Unterrichtspraxis des deutschen Grundschulunterrichts erhielt (Graves 1983, zit. n. Spitta 1992: 13). In Anlehnung an Graves stellen Schreibkonferenzen nach Spitta
ein Verfahren dar, einen selbst verfa[ss]ten Text einer kleinen kritischen Öffentlichkeit zur Diskussion zu präsentieren, um aus den Reaktionen der Teilnehmer Hinweise für eine eventuelle Überarbeitung des Textes zu erhalten. Unter professionellen Schreibern sind Schreibkonferenzen ein ganz selbstverständlich praktiziertes Verfahren, um die Qualität der eigenen Texte – durch Vortrag und Diskussion – zu überprüfen und gegebenenfalls am Text Veränderungen vorzunehmen. (Spitta 1992: 13)
Ausgehend von dieser Definition handelt es sich bei Schreibkonferenzen um ein didaktisch-methodisches Verfahren zur Entwurfsüberarbeitung von Texten, mit dem Ziel, die Qualität der Texte entscheidend zu verbessern. Innerhalb dieser Überarbeitungsmethode arbeiten die Kinder meist in Kleingruppen von durchschnittlich drei Schülern in gemeinsamer Kooperation zusammen (vgl. a.a.O. 43).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit, Grundschülern im Deutsch- und DaZ-Unterricht durch prozessorientierte Schreibverfahren grundlegende Schreibkompetenzen für eine erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu vermitteln.
2. Die Entwicklung der Aufsatzdidaktik: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der traditionellen produktorientierten Schreibdidaktik mit der modernen prozessorientierten Didaktik, wobei die Phasen der Schreibplanung, Formulierung und Überarbeitung im Fokus stehen.
3. Die Schreibkonferenz: Dieses Kapitel definiert die Schreibkonferenz als methodisches Instrument der Kooperation und erläutert deren vierphasigen Ablauf sowie die spezifischen Verhaltensregeln zur konstruktiven Textarbeit.
4. Bewertung von Schreibkonferenzen: Die Analyse beleuchtet den positiven Nutzen für die Schreibqualität und Sozialkompetenz, setzt sich aber auch kritisch mit zeitlichen Anforderungen und methodischen Startschwierigkeiten auseinander.
5. Zusammenfassendes Fazit: Das Fazit unterstreicht das enorme Potenzial von Schreibkonferenzen als wirksames Instrument, fordert jedoch gleichzeitig ein Umdenken im Bildungssystem, um dieses Verfahren sinnvoll in den Unterrichtsalltag zu integrieren.
Schlüsselwörter
Schreibkonferenz, prozessorientiertes Schreiben, Schreibdidaktik, DaZ-Unterricht, Grundschule, Schreibkompetenz, Textüberarbeitung, Feedbackschleifen, Kooperatives Lernen, Schreibprozess, Sprachförderung, Aufsatzdidaktik, Selbstständigkeit, Schreibberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen des prozessorientierten Schreibens in der Grundschule und stellt die Schreibkonferenz als methodisches Verfahren zur qualitativen Verbesserung von Texten vor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wandel der Aufsatzdidaktik, die Phasen des Schreibprozesses, kooperative Überarbeitungsmethoden sowie die spezifische Förderung von Schülern mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schreibkonferenzen als Teil einer prozessorientierten Didaktik zur Steigerung der Schreibkompetenz beitragen und welche Bedingungen für eine erfolgreiche Durchführung erfüllt sein müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Darstellung, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller didaktischer Konzepte und fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Schreibdidaktik, die detaillierte Darstellung des Schreibkonferenz-Konzepts nach Gudrun Spitta und eine kritische Bewertung der Potenziale und Herausforderungen dieser Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Schreibkonferenz, Prozessorientierung, Schreibkompetenz und didaktisches Verfahren charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Schreibkonferenz?
Die Lehrkraft fungiert nicht mehr als alleinige Korrekturinstanz, sondern als Moderatorin, die den Schreibprozess strukturiert, die Kinder zur Selbstständigkeit anleitet und Feedbackprozesse initiiert.
Warum ist die Schreibkonferenz besonders für DaZ-Schüler geeignet?
Durch den stetigen interaktiven Austausch mit Mitschülern erweitern DaZ-Schüler ihren Wortschatz und erhalten wohlwollende Rückmeldungen, die im Vergleich zu reinen Lehrer-Korrekturen als weniger belastend empfunden werden.
- Arbeit zitieren
- Linda Jirschitzka (Autor:in), 2018, Prozessorientiertes Schreiben und Schreibkonferenz im Deutsch als Zweit- und Fremdsprachen-Unterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416401