In dieser Arbeit soll es darum gehen, warum Merleau-Ponty mit Hilfe seiner Theorie der leiblichen Wahrnehmung der Malerei und seinem Produkt, dem Bild, eine solch wichtige Rolle im Denken einräumt. Es soll dabei vor allem der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich in dieser Theorie Bild und Natur noch unterscheiden lassen. Dazu soll zunächst in Merleau-Pontys Methode der Wahrnehmungstheorie kurz skizziert werden, um im Anschluss daran die magische Theorie des Sehens nachzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Primat der Wahrnehmung bei Merleau-Ponty
3. Die „Magische Theorie des Sehens“.
3.1. Der Körper
3.2. Die Kunst und die Erschaffung der Wirklichkeit
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Wahrnehmungsphilosophie von Maurice Merleau-Ponty, insbesondere seine Auseinandersetzung mit der Malerei im Essay "Das Auge und der Geist". Ziel ist es, die zentrale Rolle des menschlichen Körpers und der leiblichen Erfahrung für das Verständnis von Sehen, Bildhaftigkeit und Weltbezug herauszuarbeiten sowie das komplexe Verhältnis von Natur und Kunst innerhalb seiner Theorie zu analysieren.
- Die Überwindung klassischer dualistischer Wahrnehmungsmodelle (z.B. Camera obscura).
- Die Rolle des leiblichen Körpers als Erfahrungsort und "Sich" durch Einswerden.
- Die Funktion der Malerei als "Sichtbarmachen" und "Mittlerin der Wahrnehmung".
- Die Spiegelung als Instrument einer universellen Magie des Sehens.
- Das Verhältnis von Bild, Wirklichkeit und der Konstitution des Sehraums.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Körper
Der wirkende und gegenwärtige Körper ist für Merleau-Ponty „eine Wahrnehmung und Bewegung Verbindendes.“14 Er wird bestimmt durch sein Sein im Räum. Denn jeder Gegenstand, der gesehen wird, ist immer auch in einer räumlichen Beziehung zu dem/derjenigen, der/die den Gegenstand sieht. Der Körper ist Teil der sichtbaren Welt. Zugleich ist das Sehen auf die Bewegung der Augen angewiesen. Das Sehen und das Gesehene haben ein oszillierendes Verhältnis, das sich im Verhältnis des Köpers zeigt. Er ist zugleich sehend und sichtbar.
„Er, der alle Dinge betrachte, kann sich zugleich auch selbst betrachten und in dem, was er gerade sieht, ‚Die andere Seite’ seines Sehvermögens erkennen. Er sieht sich sehend, er betastet sich tastend, er ist für sich selbst sichtbar und spürbar. Er ist ein ‚Sich’, nicht durch Transparenz wie das Denken, das, was es auch immer denkt, sich selbst assimiliert, in dem es es als Denken konstruiert, in Denken verwandelt, sondern ein ‚Sich’ durch Einswerden, durch eine narzisstische Verbundenheit dessen, der sieht, mit dem, was er sieht, dessen, der berührt, mit dem, was er berührt, des Empfindenden mit dem Empfundenen – ein ‚Sich’ also, das den Dingen verhaftet ist, das eine Vorder- und eine Rückseite, eine Vergangenheit und eine Zukunft hat ...“15
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Merleau-Pontys Projekt vor, mit Hilfe der Malerei das "Sichtbarmachen" jenseits rein wissenschaftlicher Erklärungsmodelle zu untersuchen.
2. Das Primat der Wahrnehmung bei Merleau-Ponty: Dieses Kapitel kritisiert klassische Modelle der unbewussten Wahrnehmung und etabliert die Wahrnehmung als ein phänomenologisches Phänomen sui generis.
3. Die „Magische Theorie des Sehens“.: Hier wird das komplexe Verhältnis von Sehendem und Gesehenem durch die Vermittlung des Leibes und der Kunst als "magischer" Akt des Sehens definiert.
3.1. Der Körper: Dieses Kapitel expliziert den Körper als konstitutives Element der Weltwahrnehmung, der zugleich sehend und sichtbar ist.
3.2. Die Kunst und die Erschaffung der Wirklichkeit: Der Fokus liegt auf der Malerei, die nicht abbildet, sondern als Mittlerin neue Wahrnehmungsweisen und Wirklichkeiten konstituiert.
4. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die Rolle des Künstlers als antwortendes Subjekt auf das Sichtbare und betont die Unabschließbarkeit des Ausdrucksgeschehens.
Schlüsselwörter
Maurice Merleau-Ponty, Wahrnehmungsphilosophie, Phänomenologie, Leiblichkeit, Malerei, Sichtbarmachen, Bild, Körper, Spiegelung, Magische Theorie, Sehen, Wirklichkeit, Ästhetik, Sichtbares, Unvorstellbares
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wahrnehmungsphilosophie von Maurice Merleau-Ponty und untersucht, wie Kunst, insbesondere Malerei, unsere Art zu sehen und die Welt zu verstehen maßgeblich beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Rolle des leiblichen Körpers, die Kritik an naturwissenschaftlichen Wahrnehmungsmodellen, das Verhältnis von Raum und Perspektive sowie die Funktion der Kunst als Mittlerin zwischen Betrachter und Welt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, warum Merleau-Ponty der leiblichen Wahrnehmung der Malerei eine so fundamentale Rolle für das philosophische Denken beimisst und wie sich Bild und Natur in diesem Kontext zueinander verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen phänomenologischen Ansatz, der sich an den Schriften Merleau-Pontys orientiert, um Wahrnehmung durch Beschreibung und Analyse des "Sich-Einswerdens" mit der Welt zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Primat der Wahrnehmung, die konstitutive Rolle des Körpers sowie die "Magische Theorie des Sehens", wobei auch die Bedeutung von Spiegelungen und künstlerischen Techniken erörtert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wahrnehmung, Leiblichkeit, Sichtbarmachen, Phänomenologie, Malerei, Spiegelung und die Verschränkung von Sehendem und Gesehenem.
Wie unterscheidet sich Merleau-Pontys Sicht auf den Körper vom Modell der Camera obscura?
Im Gegensatz zum Modell der Camera obscura, das den Körper als passiven Apparat für äußere Reize sieht, begreift Merleau-Ponty den Körper als aktiven, in der Welt verankerten Erfahrungsort, der aktiv an der Konstitution der Sichtbarkeit mitwirkt.
Welche Rolle spielt der Spiegel in der Argumentation?
Der Spiegel wird als Instrument einer "universellen Magie" betrachtet, da er die Reflexivität des Sinnlichen verdeutlicht und den Körper dazu bringt, sich selbst von außen als Teil der sichtbaren Welt zu erfahren.
- Arbeit zitieren
- Simon Manuel Wanka (Autor:in), 2012, Der Körper und die Kunst. Zur Wahrnehmungsphilosophie Maurice Merleau-Pontys, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/412666