Scham ist ein starkes und äußerst unangenehmes Gefühl, das jeder Mensch kennt und wohl keiner gerne spüren will. Es wird oft unterschätzt und hat bei weitem mehr als nur mit Sexualität oder Intimität zu tun. Menschenwohl geläufig. In der allgemeinen Kranken-und Altenpflege begegnet uns Pflegenden das ThemaScham und der Umgang mit Schamgefühlen allerdings sichtbar häufiger und bewusster. Das mag zum Teil sicher daran liegen, dass immer mehr Literatur wie u.a. das Buch Scham und Würde in der Pflege von Immenschuh und Marks auf dem Markt erscheint und an der Tatsache, dass die Medien, ob einiger der Missstände aufmerksamer werden und mehr aus dem Pflegealltag sowie den Zuständen und Behandlungen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern berichten.
Wie bewusst gehen wir nun mit dem Thema Scham und Schamgefühle in der ambulanten psychiatrischen Pflege um? Woran mag es liegen, dass das Thema so wenig Thema ist? Ist es überhaupt ein Thema? Müssen wir uns damit beschäftigen? Auf keinen Fall zu viel oder zu tief über Gefühle reden – werden wir unseren Patienten so wirklich gerecht? Ist es schon Therapie oder geht es nicht zumindest in die Richtung, wenn verdrängte Gefühle zur Sprache kommen? Liegt es somit dann außerhalb unseres Aufgaben- und Zuständigkeitsbereiches oder unserer Fachkompetenz?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Scham - Menschen und Gefühle in der sozial psychiatrischen Arbeit
2.1 Begegnung mit dem Thema Scham
2.2 Was sind Schamgefühle?
2.3 Was sind Schuldgefühle?
2.4 Formen von Scham
2.5 Zeichen von Scham
2.6 Abwehrmechanismen
3. Umgang mit Schamgefühlen in der sozial psychiatrischen Arbeit
3.1. Scham hat auch immer eine positive Funktion
3.2 Was können wir in unserer Arbeit konkret tun?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Facharbeit untersucht die Bedeutung von Scham- und Schuldgefühlen im Kontext der ambulanten psychiatrischen Pflege und zeigt auf, wie professionelle Interaktionspartner durch gezielte Beziehungsgestaltung und Kommunikation einen konstruktiven Umgang mit diesen oft verdrängten Emotionen fördern können, um Genesungsprozesse zu unterstützen.
- Theoretische Grundlagen und Abgrenzung von Scham- und Schuldgefühlen
- Die Dynamik der Scham-Wut-Spirale und ihre Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl
- Methoden der Beziehungsarbeit und therapeutische Interventionen
- Einsatzmöglichkeiten der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in der Pflege
- Bedeutung von Achtsamkeit und Akzeptanz für eine professionelle Beziehungsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.2. Was können wir in unserer Arbeit konkret tun?
Zunächst einmal, können wir davon ausgehen, dass es meistens so ist, wie von Hilgers wie folgt beschrieben.
„Die Inanspruchnahme psychotherapeutischer oder psychiatrischer Hilfe stellt in der Regel an sich schon eine erhebliche Schamquelle dar. Abhängigkeits - und Inkompetenzscham werden ausgelöst, da wesentliche Lebensbereiche offenbar nicht allein bewältigt werden können. Scham entsteht gegenüber eigenen Idealen, da häufig ein komplexes System innerer Wertvorstellungen über das Selbst verletzt ist. Erfolgt stationäre Aufnahme, so wird die ausgelöste Scham meist noch erheblicher sein. Ähnliches gilt oft auch für die Einnahme von Psychopharmaka. Widerstände gegen eine psychopharmakologische Medikation gründen nicht selten auf der Befürchtung, „nicht mehr ohne zu können“ (Kompetenz und/oder Abhängigkeitsscham) oder nicht mehr man selbst zu sein (Selbstscham). Neben dem Eingeständnis, allein nicht mehr oder nur sehr unbefriedigend zurechtzukommen, und den damit verbundenen Schamaffekten wird dieser »Makel« wenigstens gegenüber dem Interviewer, meist aber auch noch gegenüber Krankenkassen, Angehörigen, Kollegen oder einfach Straßenpassanten beim Betreten der Praxisräume plötzlich und unkontrolliert sichtbar. Viele Patienten geben gegenüber Angehörigen oder Arbeitgebern an, sie erhielten Bestrahlungen, Massagen oder andere langwierige Behandlungen oder sprechen bei stationären Behandlungen von einer Kur.“ (Hilgers, 12.05.2015)
Wenn wir mit dem nötigen Takt, Wissen und vor allem mit Empathie in den Kontakt zum Patienten gehen, um ihm ein Beziehungsangebot zu machen, steht uns ein großer Koffer voller Möglichkeiten zur Verfügung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft unterschätzte Rolle von Scham in der Pflege und stellt die Relevanz der emotionalen Auseinandersetzung für die ambulante psychiatrische Pflege dar.
2.Scham - Menschen und Gefühle in der sozial psychiatrischen Arbeit: Dieses Kapitel definiert Scham- und Schuldgefühle theoretisch, erläutert deren Formen, Zeichen und Abwehrmechanismen sowie deren Einfluss auf die psychische Gesundheit.
3. Umgang mit Schamgefühlen in der sozial psychiatrischen Arbeit: Das Kapitel erläutert die positive Funktion von Scham als Schutzhaltung und leitet konkrete Handlungsmöglichkeiten für die professionelle Arbeit ab.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Scham als wichtiges und kraftvolles Gefühl anzuerkennen, um Patienten empathisch und zielführend zu begleiten.
Schlüsselwörter
Scham, Schuld, psychiatrische Pflege, Sozialpsychiatrie, Selbstwertgefühl, Beziehungsgestaltung, Affektlogik, Gewaltfreie Kommunikation, Achtsamkeit, Akzeptanz, Scham-Wut-Spirale, Stigmatisierung, Compliance, Abwehrmechanismen, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Bedeutung von Schamgefühlen und deren Einfluss auf psychisch kranke Menschen sowie dem Umgang damit in der ambulanten psychiatrischen Pflege.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Scham und Schuld, den Auswirkungen von Scham auf das Selbstwertgefühl, den entsprechenden Abwehrmechanismen und dem therapeutischen Beziehungsaufbau.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Pflegefachkräfte für die Dynamik von Schamgefühlen zu sensibilisieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese durch Empathie und professionelle Kommunikation konstruktiv in den Pflegealltag integriert werden können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt Konzepte wie die Affektlogik nach Ciompi, die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Rosenberg sowie gestalttherapeutische Ansätze und Fachliteratur zur Schamforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Definitionen, die "Scham-Wut-Spirale", Abwehrmechanismen und bietet praktische Handlungsempfehlungen für den Arbeitsalltag in der ambulanten psychiatrischen Pflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Scham, Schuld, psychiatrische Pflege, Selbstwertgefühl, Beziehungsarbeit, Gewaltfreie Kommunikation und Achtsamkeit.
Wie lässt sich Scham von Schuld abgrenzen?
Während sich Schuldgefühle auf ein konkretes Handeln oder Unterlassen beziehen ("Ich habe etwas falsch gemacht"), betreffen Schamgefühle das gesamte Selbstbild ("Ich bin falsch/wertlos").
Warum ist das Thema Scham gerade in der Psychiatrie so relevant?
Scham ist oft ein Begleiter psychischer Erkrankungen und kann zu Verleugnung, Rückzug oder Isolation führen, weshalb eine empathische Adressierung dieses Gefühls entscheidend für den therapeutischen Erfolg ist.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Flügge (Autor:in), 2015, Scham. Menschen und Gefühle in der sozial-psychiatrischen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/412402