In der vorliegenden Arbeit wird ein Ausschnitt aus dem Werk Viktorija Tokarevas betrachtet. Bei der strukturellen und sprachlichen Analyse werden zunächst die Besonderheiten ihrer Prosa im Hinblick auf das Zusammenspiel zwischen Inhalt und Form untersucht.
Der Schwerpunkt soll jedoch auf der Darstellung der Frauenfiguren liegen. Dazu sind drei Erzählungen ausgewählt worden, in denen junge Frauen als Hauptfiguren fungieren. Da das Alter der Protagonistinnen eine bedeutende Rolle für die zu untersuchende Ausbildung der Charaktere, die Figurenkonstellation, die gesamten Lebensumstände bis hin zu einer möglichen Perspektive spielt, liegt die Betonung auf 'jung’.
Dazu werden die drei Frauen als Hauptfiguren innerhalb der Geschichte der jeweiligen Erzählung und im Vergleich zueinander betrachtet, wobei Parallelen und Unterschiede aufgedeckt werden. Bei der Untersuchung der Konzeption der Frauenfiguren sind auch ihr Verhältnis zur umgebenden Welt und die darin liegenden, möglichen Konflikte von Interesse. Überlegungen zur Konfliktlösung stehen am Schluss dieser Arbeit.
Zum tieferen Verständnis der Besonderheiten von Tokarevas Erzählungen muss ihr Werk im zeitlichen und kulturhistorischen Kontext gesehen werden. Aus diesem Grund soll als erstes eine Einordnung ihrer Literatur in die russische «Ženskaja proza» erfolgen, die dabei aus zwei Blickwinkeln betrachtet wird: als weibliches Schreiben und als Teil der «anderen Prosa».
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Viktorija Tokareva: Leben und Werk
3 «Ženskaja proza» und «andere Prosa»: Versuch einer Einordnung
3.1 Die «Ženskaja proza» als Frauenliteratur
3.2 Ist die «Ženskaja proza» Teil der «anderen Prosa» ?
4 Textanalyse und Interpretation
4.1 Die Idee
4.2 Die Geschichte
4.3 Die Titel
4.4 Die Struktur
4.5 Die Zeit
4.6 Sprache und Stil
4.6.1 Bildliche Vergleiche und Metaphern
4.7 Leitmotive
4.8 Perspektivierung
4.9 Konzeption der weiblichen Hauptfiguren
4.9.1 Körperliche und sexuelle Gestaltung
4.9.2 Namensgebung
4.9.3 Bezug zu Raum und Zeit
4.9.4 Verbale Kommunikation und Körpersprache
4.9.5 Soziale Beziehungen
4.9.6 Existenzielle Verfassung der Frauen contra Sinngebung der Welt
5 Schlusswort : Haben Tokarevas Frauen eine Perspektive?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild im Werk der russischen Autorin Viktorija Tokareva anhand dreier ausgewählter Erzählungen. Das primäre Ziel ist es, die spezifische Konzeption der weiblichen Hauptfiguren, ihr Verhältnis zur umgebenden Welt sowie die zugrunde liegenden strukturellen und sprachlichen Besonderheiten ihrer Prosa im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen weiblicher Identität und gesellschaftlichen Erwartungen zu analysieren.
- Strukturelle Analyse der Erzählweise (Inhalt und Form).
- Darstellung der Frauenfiguren und ihrer Selbsterkenntnisprozesse.
- Bedeutung der Kommunikation und zwischenmenschlicher Beziehungen.
- Einordnung des Werks in den Kontext der russischen "Ženskaja proza".
- Untersuchung von Leitmotiven, Symbolik und sprachlichen Stilmitteln.
Auszug aus dem Buch
4.6.1 Bildliche Vergleiche und Metaphern
Tokarevas Sprache ist sehr bildhaft. Es gibt zahlreiche unbewusste Vergleiche und Metaphern, die in der Alltagssprache bereits als Redewendungen gebraucht werden. Sie fallen kaum auf und kommen den Figuren in ihren Alltagsgesprächen natürlich über die Lippen. Dazu kommen auch viele Vergleiche, die ihrer stilistischen, poetischen Wirkung wegen von der Autorin bewusst gesetzt wurden. Ihre Vielfalt trägt zu einem großen Teil dazu bei, dass sich die Alltagsgeschichten über die Alltagssprache erheben oder dem Alltag eine poetisch - feinfühlige Note verleihen können.
Die bewussten Vergleiche und Metaphern in den ausgewählten Erzählungen lassen sich nach ihren unterschiedlichen Bildquellen in Gruppen zusammenfassen.
Zunächst einmal spielen einige Vergleiche auf die unromantischen Seiten des sowjetischen Alltags an und sprechen den russischen Leser deshalb in besonderer Weise an:
In der ‘Schminkszene’ in «Skaži mne...» heißt es: «Мое лицо похоже на квартиру во время ремонта, когда все разворочено и кажется, что теперь всегда будет так.» (S.153) Ein wenig später im Restaurant entdeckt Slavik, dass er den Hausschlüssel vergessen hat, was seiner Frau Lilja sofort die Laune verdirbt: «Но квартирная хозяйка для меня священная корова, которой все дозволено, Ей можно все, а мне ничего. Я ему сразу сказала: возьми ключ!» (S.168)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Analyseziele und der Auswahl der drei Erzählungen im Fokus auf junge Frauen.
2 Viktorija Tokareva: Leben und Werk: Biografie der Autorin und Einordnung ihres schriftstellerischen Werdegangs.
3 «Ženskaja proza» und «andere Prosa»: Versuch einer Einordnung: Theoretische Abgrenzung der Frauenliteratur und ihre Stellung innerhalb der russischen Literaturgeschichte.
4 Textanalyse und Interpretation: Detaillierte Untersuchung von Idee, Struktur, Zeitgestaltung, Sprache und Figurenkonzeption der ausgewählten Texte.
5 Schlusswort : Haben Tokarevas Frauen eine Perspektive?: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der gesellschaftlichen Möglichkeiten und Perspektiven für Tokarevas Frauenfiguren.
Schlüsselwörter
Viktorija Tokareva, Ženskaja proza, Frauenbild, russische Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichte, Identitätssuche, Alltagsprosa, Geschlechterrollen, Kommunikation, Narrativik, Sprachstil, Metaphorik, soziale Beziehungen, Selbstfindung, Sowjetliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht das Frauenbild in drei ausgewählten Erzählungen der russischen Schriftstellerin Viktorija Tokareva.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzeption weiblicher Hauptfiguren, deren Suche nach Selbstidentifikation sowie ihr Verhältnis zur umgebenden gesellschaftlichen Welt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll analysiert werden, wie Tokareva durch strukturelle und sprachliche Mittel das Leben junger Frauen gestaltet und welche Perspektiven sie ihren Protagonistinnen innerhalb ihrer Lebenswelt einräumt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sowohl formale Aspekte (Struktur, Zeit, Sprache) als auch inhaltliche Motive und kulturhistorische Kontexte betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der "Ženskaja proza" und eine tiefgehende Interpretation der Erzählungen, inklusive der Analyse von Symbolen, Metaphern, Ironie und der sozialen Figurenkonstellation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tokarevas Frauenbild, Identitätssuche, weibliche Kommunikation, "Ženskaja proza" und die erzählerische Gestaltung von Alltagssituationen geprägt.
Warum spielt das Alter der untersuchten Frauenfiguren eine besondere Rolle?
Das Alter der Protagonistinnen beeinflusst die Ausbildung ihres Charakters, die Figurenkonstellation sowie ihre gesamten Lebensumstände, weshalb die Autorin den Fokus auf "junge" Frauen legt.
Welche Rolle spielt die Ironie in Tokarevas Erzählungen?
Die Ironie dient Tokareva als Mittel zur Distanzierung, um die emotionalen Schwierigkeiten und die Unsicherheit ihrer Figuren darzustellen, ohne sich dabei mit deren Handlungen vollends zu identifizieren.
Warum haben die Frauenfiguren bei Tokareva oft keine klare Perspektive?
Dies liegt laut Arbeit an der Gewöhnlichkeit und Routine des Alltags, die einen Kreislauf bilden, aus dem die Figuren aus eigener Kraft nur schwer ausbrechen können.
- Arbeit zitieren
- Julia Schatte (Autor:in), 2002, Das Frauenbild in den Erzählungen Viktorija Tokarevas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/39825