These der vorliegenden Arbeit ist, dass E.T.A Hoffmann anhand seiner Erzählung „Der Sandmann“ die bei vielen Vertretern der Romantik anzutreffende ausschließliche Konzentration auf ihr Inneres, welche zu einer Überbewertung der eigenen Emotionen und einer Vernachlässigung der äußeren Wirklichkeit führt, kritisiert.
Im Rahmen dieser Hausarbeit mit dem Titel „Übersteigerter Subjektivismus als Problem der Romantik – am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Erzählung ‚Der Sandmann’“ wird Hoffmanns Kritik anhand der Figur Nathanaels analysiert und erläutert. Die im folgenden untersuchten Aspekte der Erzählung werden somit nur im Hinblick auf das Phänomen des übersteigerten Subjektivismus untersucht. Andere Deutungsansätze wie zum Beispiel den von Wolfgang Preisendanz , der von einer doppeldeutigen Wirklichkeit ausgeht, werden hier nicht berücksichtigt. Preisendanz kritisiert Interpretationen wie die Jochen Schmidts, in denen herauszufinden versucht wird, ob Hoffmann anhand Nathanaels eine „problematische Subjektivität“ darstellen wollte, in denen also klare Aussagen zu Dingen getroffen werden, die aufgrund der perspektivischen Darstellungsweise seiner Ansicht nach mehrdeutig bleiben müssen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der „subjektive Idealismus“ als philosophisches Prinzip der Frühromantik
2. Übersteigerter Subjektivismus in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“
2.1 Nathanael als Repräsentant des romantischen Künstlertums
2.2 Die Bedeutung des Sandmanns und des Motivs der Augen für die Entwicklung von Nathanaels übersteigertem Subjektivismus
2.3 Clara als Ausgleich zwischen Poesie und Leben
2.4 Die Bedeutung des Automatenmotivs für Nathanaels Entfremdung
2.5 Die Feuerkreis-Vision als Zentrum der Erzählung
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann in seiner Erzählung „Der Sandmann“ die romantische Tendenz zur ausschließlichen Konzentration auf das subjektive Innere kritisiert. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Überbewertung der Emotionen und die Vernachlässigung der äußeren Realität unweigerlich zu Nathanaels psychischem Verfall und seiner Zerstörung führen.
- Die philosophischen Grundlagen des subjektiven Idealismus in der Frühromantik
- Die Analyse der Figur Nathanael als Sinnbild des problematischen romantischen Künstlers
- Die symbolische Funktion der Augen und des Sandmann-Motivs für Nathanaels verzerrte Wahrnehmung
- Die Rolle von Clara als konträres Idealbild für einen gesunden Ausgleich zwischen Poesie und Leben
- Die Kritik am narzisstischen Subjektivismus durch das Automatenmotiv und die Feuerkreis-Vision
Auszug aus dem Buch
2.5 Die Feuerkreis-Vision als Zentrum der Erzählung
„Er stellte sich und Clara dar, in treuer Liebe verbunden, aber dann und wann war es, als griffe eine schwarze Faust in ihr Leben und risse irgendeine Freude heraus, die ihnen aufgegangen. Endlich, als sie schon am Traualtar stehen, erscheint der entsetzliche Coppelius und berührt Claras holde Augen; die springen in Nathanaels Brust wie blutige Funken sengend und brennend, Coppelius fasst ihn und wirft ihn in einen flammenden Feuerkreis, der sich dreht mit der Schnelligkeit des Sturmes und ihn sausend und brausend fortreißt. Es ist ein Tosen, als wenn der Orkan grimmig hineinpeitscht in die schäumenden Meereswellen, die sich wie schwarze weißhauptige Riesen emporbäumen in wütendem Kampf. Aber durch das wilde Tosen hört er Claras Stimme: ‚Kannst du mich denn nicht erschauen? Coppelius hat dich getäuscht, das waren ja nicht meine Augen, die so in deiner Brust brannten, das waren ja glühende Tropfen deines eigenen Herzbluts – ich habe ja meine Augen, sieh mich doch nur an!’ Nathanael denkt: Das ist Clara, und ich bin ihr ewiglich. – Da ist es, als fasst der Gedanke gewaltig in den Feuerkreis hinein, dass er stehen bleibt, und in schwarzem Abgrund verrauscht dumpf das Getöse. Nathanael blickt in Claras Augen; aber es ist der Tod, der mit Claras Augen ihn freundlich anschaut.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thesen ein, dass Hoffmann die romantische Subjektivität kritisiert, und grenzt sich von anderen Deutungsansätzen ab.
1. Der „subjektive Idealismus“ als philosophisches Prinzip der Frühromantik: Dieses Kapitel erläutert die Wurzeln in der Philosophie Fichtes und die daraus resultierende Problematik der romantischen Vereinsamung.
2. Übersteigerter Subjektivismus in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“: Dieser Hauptteil analysiert die tragische Entwicklungsgeschichte Nathanaels als exemplarischen romantischen Künstler.
2.1 Nathanael als Repräsentant des romantischen Künstlertums: Es wird dargelegt, warum Nathanaels Dichtertum auf einer unheilvollen Trennung von der Außenwelt basiert.
2.2 Die Bedeutung des Sandmanns und des Motivs der Augen für die Entwicklung von Nathanaels übersteigertem Subjektivismus: Hier wird der Assoziationszwang beleuchtet, der Nathanaels Realitätswahrnehmung durch traumatische Kindheitserinnerungen verzerrt.
2.3 Clara als Ausgleich zwischen Poesie und Leben: Das Kapitel kontrastiert Claras gesunden Verstand mit Nathanaels exzessiver Imagination.
2.4 Die Bedeutung des Automatenmotivs für Nathanaels Entfremdung: Die Analyse zeigt auf, wie Nathanaels Liebe zur Automatenpuppe Olimpia seinen Narzissmus entlarvt.
2.5 Die Feuerkreis-Vision als Zentrum der Erzählung: Die Vision wird als bildhafte Vorwegnahme des Wahnsinns und Scheiterns Nathanaels interpretiert.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Hoffmann durch die Zerstörung des Künstlers die Grenzen der romantischen Weltanschauung aufzeigt.
Schlüsselwörter
Romantik, E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Subjektivismus, Idealismus, Nathanael, Wahnsinn, Wirklichkeitsverlust, Künstlertum, Imagination, Entfremdung, Automatenmotiv, Wahrnehmung, Narzissmus, Feuerkreis-Vision
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann in „Der Sandmann“ die romantische Haltung der Selbstbezogenheit kritisiert, die zur Isolation und zum Wahnsinn führt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das romantische Künstlertum, die Diskrepanz zwischen Realität und Imagination sowie die zerstörerischen Folgen subjektiver Wahrnehmung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der „übersteigerte Subjektivismus“ in Hoffmanns Erzählung als ein Scheitern der romantischen Lebensauffassung dargestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter dem Aspekt des übersteigerten Subjektivismus untersucht und mit zeitgenössischen philosophischen Strömungen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Motive wie den Sandmann, die Augen, die Figur der Clara und das Automaten-Thema, um Nathanaels psychischen Niedergang nachzuzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Romantik, Subjektivismus, Künstlertum, Imagination, Entfremdung und Wirklichkeitsverlust.
Warum spielt das Automatenmotiv eine so entscheidende Rolle für die Argumentation?
Es dient dazu, Nathanaels Narzissmus zu entlarven, da er in der Puppe Olimpia nur eine Spiegelung seines eigenen Egos liebt, anstatt echte zwischenmenschliche Beziehung zu suchen.
Welche Funktion hat die „Feuerkreis-Vision“ für den Gesamtzusammenhang?
Diese Vision wird als das Zentrum der Erzählung identifiziert, da sie das Schicksal Nathanaels vorwegnimmt und die Unvereinbarkeit seiner poetischen Welt mit der Realität drastisch verdeutlicht.
- Quote paper
- Rebecca Blum (Author), 2002, Übersteigerter Subjektivismus als Problem der Romantik - am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Erzählung 'Der Sandmann', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/39770