„Familienerziehung – Gestern und Heute“ – ein Thema im Überblick der letzten Jahrzehnte, wie es facetten- und umfangreicher kaum sein könnte. Diese Arbeit möchte nun im Rahmen dieser Thematik den Fokus speziell auf die Erziehungsziele, -einstellungen und –praktiken richten. Da hier eine kaum überschau- und darstellbare Anzahl an Daten für die letzen 50 Jahre vorliegen, kann natürlich nur eine begrenzte Ansicht und Analyse der Forschung erfolgen. Interessant ist zum Auftakt die Vorstellung von diversen Elternbefragungen zu Erziehungszielen im Wandel der Zeit. Hier wird aber auch Wert auf eine kritische Sichtweise solcher Befragungen und Erhebungen gelegt. Um zu verdeutlichen wie wichtig auch eine Begriffsdefinition der formulierten Erziehungsziele und -vorstellungen sein kann, und wie der zeitliche und wertebedingte Wandel diese verändern kann, zeigt sich am Beispiel „Selbstständigkeit“ (auch aus der Sicht der Kinder selbst). Aufschlussreich ist sicherlich auch der Aspekt „Weltanschauung als Konfliktpotenzial“. Um das Thema abzuschließen wird das Gebiet Erziehungspraktiken betrachtet. Selbstverständlich kann auch hier nur eine fokussierte Auswahl interessanter Aspekte dargeboten werden, da sonst der Rahmen dieser Arbeit gesprengt werden würde. Zur besseren Ansicht und vertiefenden Betrachtung der verschiedenen verwendeten Untersuchungen in Form von Tabellen und Schaubildern werden diese im Anhang einzusehen sein. Eine Kennzeichnung durch Klammern erfolgt im Textverlauf dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Begriffsdefinition
2. Bevölkerungsumfragen zu Erziehungszielen
2.1 Was können Erziehungserhebungen aussagen
3. Erziehungsziel „Selbstständigkeit“ und die Erziehungsrealität
3.1 Selbstständigkeit im Kinderalltag
3.2 Einschränkung der Selbstständigkeit durch ökonomische Probleme
4. Weltanschauliche Differenzen als Konfliktpotenzial
4.1 Veränderungserleben gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
4.2 Politische Fragen als Streitanlässe
5. Erziehungspraktiken
5..1 Wandel im Erziehungsstil
5.2 Angestrebte Veränderungen in der praktischen Erziehung
5.3 Strafpraktiken
III. Schlussgedanke
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den historischen und soziokulturellen Wandel von Erziehungszielen, -einstellungen und -praktiken in Deutschland seit 1950, um die Transformation von einem autoritären Befehlshaushalt hin zu einem Verhandlungshaushalt zu analysieren.
- Analyse der Erziehungsziele im Wandel der Zeit anhand von Umfragedaten.
- Untersuchung des Konzepts der „Selbstständigkeit“ als zentralem Erziehungsziel.
- Betrachtung von weltanschaulichen Differenzen und Konfliktpotenzialen zwischen den Generationen.
- Erörterung des Wandels der Erziehungspraktiken, insbesondere im Hinblick auf Strafmethoden.
- Reflexion der Diskrepanz zwischen propagierten Erziehungsleitbildern und der gelebten Erziehungsrealität.
Auszug aus dem Buch
3.1 Selbstständigkeit im Kinderalltag
Was Selbstständigkeit aus der Kinderperspektive bedeuten kann, soll folgender Textauszug verdeutlichen:
„Drei Kinder einer zweiten Grundschulklasse in Berlin: Ein Mädchen, das noch nie ohne Begleitung Erwachsener den Schulweg machen durfte fliegt selbstständig zu Verwandten nach Kanada. Zwei Straßenzüge weiter wohnt ein Klassenkamerad, der Berlin noch nie verlassen hat, sich jedoch schon seit dem Vorschulalter ohne Begleitung selbstständig durch ganz Berlin bewegt. Eine arabische Mitschülerin, die einige Häuser von ihm entfernt wohnt, noch nie in einem Wald war und wenig Freiraum und Freizeit hat, versorgt selbstständig ihre jüngeren Geschwister. Was ist selbstständig? Was fordert und unterbindet Selbstständigkeit?“ (in BMFSFJ 2001, S109)
Anhand dieser Beispiele wird die Dimension von Selbstständigkeit für Kinder sehr gut ersichtlich. Dies setzt sich auch im häuslichen Bereich fort. Heutzutage gehört das eigene Kinderzimmer fast zur Selbstverständlichkeit. Ein eigenes Zimmer räumt dem Kind dabei Selbstständigkeit ein, fordert es gleichzeitig aber auch. Denn das Zimmer soll ja zum Beispiel auch vom Kind selbstständig aufgeräumt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Familienerziehung im Wandel der letzten Jahrzehnte unter Fokussierung auf Ziele, Einstellungen und Praktiken.
1. Begriffsdefinition: Theoretische Grundlegung und Definition des Begriffs Erziehungsziel gemäß Brezinka.
2. Bevölkerungsumfragen zu Erziehungszielen: Darstellung zeitlicher Veränderungen bei Erziehungsvorstellungen anhand empirischer Datenreihen.
3. Erziehungsziel „Selbstständigkeit“ und die Erziehungsrealität: Analyse des Bedeutungswandels und der Sinntypen von Selbstständigkeit sowie der Alltagsrealität.
4. Weltanschauliche Differenzen als Konfliktpotenzial: Untersuchung der moralischen Werteorientierung und des Verhältnisses zwischen Eltern und Jugendlichen.
5. Erziehungspraktiken: Analyse der Entwicklung hin zu einem liberaleren Erziehungsstil und der Veränderung von Strafpraktiken.
III. Schlussgedanke: Resümee über die Bestätigung der These des Wandels zum Verhandlungshaushalt unter Berücksichtigung der Modernisierungstendenzen.
Schlüsselwörter
Familienerziehung, Erziehungsziele, Erziehungseinstellungen, Erziehungspraktiken, Selbstständigkeit, Wertewandel, Generationenkonflikt, Verhandlungshaushalt, Sozialisation, Pädagogik, Strafpraktiken, Eltern-Kind-Beziehung, empirische Erziehungsforschung, Modernisierung, Normkonformes Verhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Familienerziehung in Deutschland seit 1950 mit dem Schwerpunkt auf der Veränderung elterlicher Erziehungsziele und Erziehungspraktiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Erziehungszielen, die empirische Entwicklung der Selbstständigkeitserziehung, den Einfluss von Weltanschauungen auf das Familienklima und den Wandel von Strafpraktiken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den gesellschaftlichen Transformationsprozess von einem autoritären Erziehungsmodell hin zu einem partnerschaftlichen Verhandlungshaushalt aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung und Analyse vorhandener empirischer Studien, Bevölkerungsbefragungen und sozialwissenschaftlicher Literatur zum Thema Familienerziehung.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Basisbegriffe, die Auswertung von Bevölkerungsumfragen, die Analyse des Zielbegriffs Selbstständigkeit, Konfliktpotenziale durch Weltanschauungen und die Untersuchung von Erziehungspraktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Selbstständigkeit, Erziehungsziele, Wertewandel, Verhandlungshaushalt und Sozialisationsforschung.
Was versteht der Autor unter den „drei Sinntypen der Selbstständigkeit“?
Der Autor unterscheidet zwischen Selbstständigkeit als elterlichem Leistungsnachweis, als Form der Entlastung der Eltern und als Erziehung aus echter Überzeugung.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Eltern und Jugendlichen bei politischen Themen?
Während politische Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Kindern häufig vorkommen, sind sie seltener ein Grund für tiefgreifende Konflikte, als es bei alltäglichen Reibungspunkten der Fall ist.
- Arbeit zitieren
- German Hondl (Autor:in), 2003, Erziehungsziele, Erziehungseinstellungen, Erziehungspraktiken, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/39689