Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Fremdenfeindlichkeit in Italien, die dort, wie auch in gesamt Europa zu sehen, starke Tendenzen entwickelt. Fremdenfeindliche Strömungen sind immer mehr im Vormarsch. Doch wie sieht diese Fremdenfeindlichkeit nun aus, und wie kann man sich ihre Entstehung erklären? Um diese Fragen zu beantworten, wird sowohl der politische Rassismus etwas näher analysiert, aber auch die Fremdenfeindlichkeit in der Zivilbevölkerung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Entstehung rassistischer Strömungen in der Politik Italiens Nach 1945
2. Die Lega Nord und der Vorwurf des Rassismus
3. Das Klientel der Lega Nord
4. Der Erfolg der Lega Nord
5. Über den Umgang mit Einwanderern in Italien
5. 1. Isolierung
5. 2. Leben in Gruppen
6. Über die Diskriminierung von Einwanderern
6. 1. Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt
6. 2. Sprachbarrieren
6. 3. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt
6. 4. Gewalt gegen Einwanderer
7. Wie ist nun das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit auf Angst vor Machtverlusten zurückzuführen?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit in Italien und analysiert, inwiefern sich das soziologische Modell der „Außenseiter – Etablierten – Figuration“ von Norbert Elias auf den politischen Kontext Italiens, insbesondere den Aufstieg der Lega Nord, übertragen lässt.
- Analyse der historischen Entstehung fremdenfeindlicher Strömungen in Italien nach 1945.
- Untersuchung der politischen Rhetorik und des Erfolgskonzeptes der Lega Nord.
- Darstellung der verschiedenen Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung von Einwanderern im italienischen Alltag.
- Theoretische Anwendung der Elias’schen Machtkonstellations-Analyse auf die italienische Migrationsdebatte.
- Erklärung von Fremdenfeindlichkeit als Ausdruck von Existenzangst und Sorge vor Machtverlusten.
Auszug aus dem Buch
7. Wie ist nun das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit auf Angst vor Machtverlusten zurückzuführen?
Bei der Lösung dieser Frage beziehe ich mich auf die Studie von Norbert Elias und John L. Scotson mit dem Titel „Etablierte und Außenseiter“. Es handelt sich hierbei um eine Fallstudie einer kleinen Gemeinde, Winston Parva, und der darin bestehenden Machtkonstellation. In dieser Gemeinde geschah es, dass Neusiedler hinzuzogen, die jedoch von der alteingesessenen ausgegrenzt und stigmatisiert wurden. Elias erklärt dieses Verhalten mit der Angst um Machtverluste innerhalb der alteingesessenen Gruppe. In dieser Gruppe bestehen gewisse Regeln, Normen und Traditionen, die den Zuwanderern unbekannt sind, demzufolge sie diese auch nicht befolgen können oder in Frage stellen, was, nach Meinung der Etabliertengruppe, zu einer Gefährdung der Einhaltung führt. Laut Elias besitzen die Etablierten „ eine Art kollektives Charisma, das die höherstehende Gruppe für sich in Anspruch nahm.“ Dieses Gruppencharisma ist ein spezifischer Wert der Gruppe, „an dem ihre sämtlichen Mitglieder teilhaben und der den anderen abgeht“.
„In all diesen Fällen können die Machtstärkeren die Machtschwächeren immer wieder selbst zu der Überzeugung bringen, daß ihnen die Begnadung fehle- daß sie schimpfliche, minderwertige Menschen seien.“ Es werden drei Variablen festgestellt, die diese Figuration ausmachen, nämlich die Kohäsionsvariable, die Machtbalance und der Aspekt der Verflechtungen untereinander. Schauen wir nun, ob diese Variablen auch auf Italien anwendbar sind. Nehmen wir das Beispiel der Lega Nord. Auch die Lega Nord verfügt über ein sogenanntes Gruppencharisma, es besteht darin, dass alle Mitglieder und Sympathisanten aus dem Norden Italiens kommen, sie fühlen sich nicht nur als Italiener, sondern genauer gesagt als Norditaliener. Sie beziehen sich hierbei auf ihre Traditionen, ihre Geschichte und ihre Kultur, und gehen selbstverständlich davon aus, dass sie nur ihre Herkunft wegen bessere Menschen sind als zum Beispiel Süditaliener oder Einwanderer.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der Fremdenfeindlichkeit in Italien und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage.
1. Die Entstehung rassistischer Strömungen in der Politik Italiens Nach 1945: Historischer Rückblick auf die Entwicklung fremdenfeindlicher Bewegungen in Italien von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre.
2. Die Lega Nord und der Vorwurf des Rassismus: Analyse der politischen Rhetorik der Lega Nord und ihrer rassistischen Tendenzen gegenüber Einwanderern sowie Süditalienern.
3. Das Klientel der Lega Nord: Untersuchung der sozioökonomischen Struktur der Wählerschaft der Lega Nord und deren Beweggründe.
4. Der Erfolg der Lega Nord: Erläuterung der politischen und gesellschaftlichen Gründe für den Erfolg der Partei in Norditalien.
5. Über den Umgang mit Einwanderern in Italien: Darstellung der Lebensbedingungen von Migranten durch Isolierung und Gruppenzugehörigkeit.
6. Über die Diskriminierung von Einwanderern: Analyse der alltäglichen Diskriminierungserfahrungen von Einwanderern auf dem Arbeitsmarkt, durch Sprachbarrieren, auf dem Wohnungsmarkt und durch Gewalt.
7. Wie ist nun das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit auf Angst vor Machtverlusten zurückzuführen?: Anwendung des Elias’schen Modells der „Etablierten und Außenseiter“ auf den Fall der Lega Nord und die Fremdenfeindlichkeit in Italien.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Italien, Lega Nord, Norbert Elias, Etablierte und Außenseiter, Rassismus, Migration, Machtkonstellation, Ausgrenzung, Diskriminierung, Wohlstandschauvinismus, Nord-Süd-Gefälle, Identität, Gruppencharisma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit in Italien und setzt diese mit soziologischen Machttheorien in Verbindung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die politische Entwicklung der Lega Nord, die Diskriminierung von Einwanderern in verschiedenen Lebensbereichen und die soziologische Analyse von Ausgrenzungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die zentrale Frage ist, ob sich das Modell der „Außenseiter – Etablierten – Figuration“ von Norbert Elias auf das aktuelle Beispiel der Fremdenfeindlichkeit in Italien anwenden lässt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Rahmen (Elias’sche Soziologie), um empirische Beobachtungen und politische Analysen in Italien zu deuten.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Lega Nord, eine Untersuchung der Lebensrealitäten von Einwanderern und eine theoretische Übertragung des Elias-Modells auf das italienische Machtgefüge.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fremdenfeindlichkeit, Lega Nord, Machtkonstellation, Migration und Etablierte und Außenseiter.
Inwiefern spielt der „Wohlstandschauvinismus“ für die Argumentation des Autors eine Rolle?
Der Autor führt den Wohlstandschauvinismus als defensives Motiv an, mit dem Teile der norditalienischen Bevölkerung ihre ökonomische Vormachtstellung gegen Einwanderer und den Süden verteidigen wollen.
Wie erklärt die Arbeit die Rolle von Sprache für die Diskriminierung von Einwanderern?
Sprachbarrieren werden als Instrument dargestellt, das Einwanderern den Zugang zu Rechten und Behörden verwehrt und sie in eine hilflose Position gegenüber der Mehrheitsgesellschaft drängt.
Welche Funktion hat der „Schmähklatsch“ im Modell der Außenseiter?
Er dient dazu, Verflechtungen zwischen Gruppen zu zerstören und die Ausgrenzung der „Außenseiter“ durch Stigmatisierung in der täglichen Kommunikation zu festigen.
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- Susanne Drews (Author), 2005, Fremdenfeindlichkeit in Italien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/39406