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Skandal und Verschwörungstheorie als Waffen der Aufklärung

Die Kampagne der Berlinischen Monatsschrift gegen den Scharlatan Cagliostro 1783-1788

Titel: Skandal und Verschwörungstheorie als Waffen der Aufklärung

Hausarbeit , 2017 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Christoph Kluge (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In den 1780er Jahren machte ein Magier in ganz Europa von sich reden, der unter dem Pseudonym ‚Graf Cagliostro‘ von einem Fürstenhof zum nächsten zog und esoterische Rituale abhielt. Die schillernde Figur beschäftigte zahlreiche Journalisten und Pamphletisten. Obwohl Cagliostro in Preußen kaum Aktivitäten entwickelte, betrieben gerade Berliner Aufklärer einen großen Aufwand in ihren Bemühungen, den Mystiker als Scharlatan zu entlarven. Mit ihren Veröffentlichungen trugen sie jedoch auch nachhaltig zu seiner Bekanntheit und Mystifizierung bei. Insbesondere die Berlinische Monatsschrift (BM) hatte der Esoterik den Krieg erklärt, da ihre Herausgeber überzeugt waren, dass jede ‚Schwärmerei‘ der Gegenaufklärung und der Gegenreformation in die Hände spielte.

Diese Arbeit untersucht die Debattenbeiträge in ihrem historischen Kontext. Nur vor dem Hintergrund der politischen Situation und zeitgenössischer Konflikte innerhalb der Freimaurerei ist das geradezu obsessive Interesse der BM an Cagliostro und ähnlichen Gestalten zu erklären. Die Herausgeber waren überzeugt davon, dass das Projekt der Aufklärung existenziell gefährdet war und – im aus ihrer Sicht schlimmsten Fall – sogar eine Rekatholisierung ganz Europas drohte, wenn ihre Gegner erfolgreich sein würden. Gegen diese zum großen Teil imaginäre Bedrohung, die allerdings durchaus einen realen Kern hatte, setzten sie sich mit den Mitteln der Publizistik zur Wehr. Die Journalisten scheuten nicht davor zurück, Skandalgeschichten und Verleumdungen zu verbreiten. Cagliostro wurde zur Projektionsfläche für düstere Zukunftsängste.

Zuerst geht die Arbeit auf die Esoterik und das Geheimbundwesen im Allgemeinen ein, um dann die konkreten Ereignisse zu beleuchten, die die BM veranlassten, Cagliostro ins Visier zu nehmen. Anhand der Mittel, die sie zu seiner Bekämpfung wählten, wird erkennbar sein, dass die Aufklärer ihrem Hassobjekt näher standen, als ihnen bewusst war.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historisch-theoretischer Teil

2.1 Die abendländische Esoterik

2.2 Ägypten als Ursprungsland der Weisheit

2.3 Die Gold- und Rosenkreuzer und der preußische Thron

2.4 Verschwörungstheorien als Wissensinnovation

3. Hauptteil

3.1 Ein Ganovenpärchen im Freimaurergewand

3.2 Die Halsbandaffäre als europäischer Skandal

3.3 Die Berliner Aufklärung unter Druck

3.4 Scharlatane umgarnen das gemeine Volk

3.5 Cagliostro als Verführer des Adels

3.6 Verschwörung gegen Aufklärung und Reformation

3.7 Das Ende des Magiers

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie die Berlinische Monatsschrift in den 1780er Jahren publizistische Kampagnen gegen Esoterik und Scharlatane führte, wobei die Figur des „Grafen Cagliostro“ als Projektionsfläche für Ängste vor einer antiaufklärerischen Verschwörung diente. Es wird analysiert, inwiefern die Berliner Aufklärer durch ihren Kampf gegen imaginäre Bedrohungen selbst Verschwörungsmuster in ihr Weltbild integrierten, um den Einfluss von Geheimbünden und einer befürchteten Rekatholisierung Preußens zu bekämpfen.

  • Die Verflechtung von Aufklärung und Esoterik im späten 18. Jahrhundert.
  • Die Rolle der Berlinischen Monatsschrift als politisches Debattenmedium.
  • Der Einfluss der „Gold- und Rosenkreuzer“ am preußischen Hof.
  • Strukturen und Funktionen von Verschwörungstheorien als Mittel der Wissensinnovation.
  • Der Fall Cagliostro als Medienphänomen und politischer Skandal.

Auszug aus dem Buch

3.1 Ein Ganovenpärchen im Freimaurergewand

In den 1780er Jahren berichteten Journale in ganz Europa über einen skurrilen Mystiker, der unter dem Namen ‚Graf Cagliostro‘ an diversen Fürstenhöfen gastierte und esoterische Rituale wie Séancen abhielt. Der Geisterseher begründete einen obskuren ‚ägyptischen Ritus‘ der Freimaurerei und scharte Anhänger um sich, von denen viele zur gesellschaftlichen Elite gehörten. Die angebliche Lebensgeschichte des ominösen Grafen gleicht der eines literarischen Helden - nicht zuletzt, weil er sich selbst im Stil eines Abenteurers inszenierte. Bei einer Reise durch Ägypten sei er in geheime Mysterien eingeweiht worden, behauptete Cagliostro (vgl. Freller 2001: 13-15). Nach dem Prinzip der Initiationskette stilisierte er sich zum Jünger des Hermes (vgl. Assmann/Ebeling 2011: 151).

Hinter der schillernden Maske des Okkultisten Cagliostro verbarg sich ein Hochstapler und Urkundenfälscher namens Guiseppe Balsamo (1743–1795) aus Palermo. Da er in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen war, verfügte der Sizilianer lediglich über die sehr elementare Bildung einer Klosterschule. 1768 heiratete er die damals 15-jährige Serafina Feliciani und zog mit ihr nach Rom, wo sie von kleineren Betrügereien lebten. Bald darauf begab sich das Ganovenpärchen auf eine lange Reise durch Europa. Pariser Polizeidokumente von 1772 belegen, dass Feliciani dort als Prostituierte tätig war. Etwa zur selben Zeit eignete sich ihr Ehemann und mutmaßlicher Kuppler autodidaktisch grundlegende Kenntnisse über alchemistische Praktiken und Terminologien an, um Schönheitswässerchen und ähnliche beliebte Tinkturen zum Verkauf herzustellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Berlinischen Monatsschrift und ihre Auseinandersetzung mit dem Magier Cagliostro als Abwehrkampf gegen die Gegenaufklärung.

2. Historisch-theoretischer Teil: Analyse der Verzahnung von Esoterik, Hermetik und Geheimbünden im 18. Jahrhundert sowie der Entstehung von Verschwörungstheorien.

3. Hauptteil: Untersuchung der konkreten Ereignisse um Cagliostro, die Halsbandaffäre und den Kampf der Berliner Aufklärer gegen vermeintliche Unterwanderungsversuche durch Jesuiten und Rosenkreuzer.

4. Schluss: Fazit über die Konstruktion von Feindbildern durch die Aufklärer und deren paradoxe Anwendung von Verschwörungsmustern, um politische Ziele zu erreichen.

Schlüsselwörter

Berlinische Monatsschrift, Cagliostro, Aufklärung, Gegenaufklärung, Esoterik, Freimaurerei, Gold- und Rosenkreuzer, Verschwörungstheorie, Halsbandaffäre, Scharlatanerie, Hermetik, Aberglaube, Publizistik, Geheimbünde, Preußen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den publizistischen Kampf der Berlinischen Monatsschrift gegen esoterische Figuren wie Cagliostro im Kontext der politischen Instabilität Preußens gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Wechselwirkungen zwischen der Berliner Aufklärung und zeitgenössischen esoterischen Strömungen, der Einfluss geheimer Gesellschaften auf den preußischen Hof sowie die Entstehung von Verschwörungstheorien als politisches Instrument.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Aufklärer mittels Skandalgeschichten und Verschwörungsszenarien versuchten, ihre Macht und ihr Weltbild gegen eine wahrgenommene Bedrohung durch die Gegenaufklärung zu verteidigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-kontextuelle Analyse von zeitgenössischen Zeitschriftenbeiträgen, insbesondere der Berlinischen Monatsschrift, eingebettet in politik- und kulturwissenschaftliche Theorien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Biografie Cagliostros, der Halsbandaffäre, dem Druck auf die Berliner Aufklärung durch die „Gold- und Rosenkreuzer“ sowie dem publizistischen Vorgehen der Redakteure Biester und Gedicke.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Aufklärung, Esoterik, Berlinische Monatsschrift, Cagliostro, Verschwörungstheorie, Geheimbünde und Wissensinnovation.

Warum interessierte sich die Berliner Aufklärung so sehr für Cagliostro, obwohl er in Preußen kaum aktiv war?

Cagliostro diente als ideale Projektionsfläche, an der die Redakteure der Berlinischen Monatsschrift ihre Ängste vor einer europaweiten, von katholischen Kräften oder Geheimbünden gesteuerten Gegenaufklärung exemplifizieren konnten.

Welche Rolle spielt die „Halsbandaffäre“ in der Argumentation des Autors?

Sie dient als exemplarisches Beispiel für einen europäischen Medienskan-dal, der genutzt wurde, um das Ansehen des Ancien Régime zu erschüttern und die Gefahr esoterischer Hochstapler im politischen Raum zu verdeutlichen.

Wie bewertet der Autor das Verhältnis der Aufklärer zu ihren „Hassobjekten“?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Aufklärer ihren Gegnern näherstanden, als ihnen bewusst war, da sie zur Bekämpfung der Esoterik selbst Mechanismen des magischen Denkens und der Verschwörungslogik nutzten.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Skandal und Verschwörungstheorie als Waffen der Aufklärung
Untertitel
Die Kampagne der Berlinischen Monatsschrift gegen den Scharlatan Cagliostro 1783-1788
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
Editionspolitik - Zeitschriften der Aufklärung
Note
1,7
Autor
Christoph Kluge (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V387603
ISBN (eBook)
9783668620582
ISBN (Buch)
9783668620599
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cagliostro Esoterik Hermetismus Aufklärung Irrationalismus Berlinische Monatsschrift
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Kluge (Autor:in), 2017, Skandal und Verschwörungstheorie als Waffen der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/387603
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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