Dass moderne Informations- und Kommunikationstechnologien unseren Arbeitsalltag in immer größerem Maße bestimmen, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Eine Folge des verstärkten Einsatzes solcher Technologien in den Unternehmen der Wirtschaft ist die Entwicklung einer sozialen Arbeitsform, deren Verhältnisse und Wirkungen bislang noch nicht hinlänglich erforscht sind: Die sogenannten virtuellen Teams.
Hierfür wird in Kapitel 2 zunächst eine definitorische Klärung grundlegender Begriffe zu virtueller Teamarbeit vorgenommen, bevor anschließend die konkreten Merkmale dieser Teams, sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile aufgezeigt werden. Wie so oft, haben die Unternehmen die damit für sie verbundenen Möglichkeiten rasch erkannt und entsprechende Teams installiert, obwohl – wissenschaftlich betrachtet – noch längst nicht klar ist, unter welchen Bedingungen diese Arbeitsform optimal funktioniert, geschweige denn, was bei der Führung dieser Teams zu beachten ist.
Grundsätzlich wird allerdings in der Forschung zu virtuellen Teams davon ausgegangen, dass Vertrauen, aufgrund der räumlichen Trennung, als eine wichtige Voraussetzung dafür betrachtet werden kann, gemeinsam Projekte bearbeiten zu können. Die Entwicklung von Vertrauen im virtuellen Kontext stellt jedoch angesichts der Charakteristiken von computervermittelter Kommunikation eine Herausforderung für die beteiligten Personen dar. Hierauf wird im Kapitel 2.2. näher eingegangen, bevor anschließend im dritten Kapitel die Vertrauensbildung an sich, sowie deren Wirkung und Einfluss auf die Teammitgliedern im Mittelpunkt der Betrachtung steht.
Nach einer Begriffsdefinition, werden empirische Ergebnisse der Auswirkungen von Vertrauen in traditionellen sowie virtuellen Teams kontrastierend gegenüber gestellt. Hieraus können dann Anknüpfungspunkte zur besseren Entwicklung und Förderung von Vertrauen in virtuellen Teams gezogen werden (Kapitel 3.2.). Um eine ganzheitliche Sichtweise zum Umfeld virtueller Teams zu gewährleisten, behandelt das fünfte Kapitel das Management dieser Teams. Die reduzierte Kopräsenz stellt ebenso die Führungskräfte vor Besonderheiten und neue Herausforderungen. Ihnen kommt dabei vor allem beim Vertrauensaufbau, sowie bei der Verhinderung von Vertrauenserosion eine besondere Rolle zu.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Virtuelle Teams
2.1. Rahmenbedingungen und Merkmale
2.2. Besonderheiten der computervermittelnden Kommunikation
3. Vertrauen
3.1. Vertrauen in traditionellen und virtuellen Teams
3.2. Möglichkeiten der Vertrauensentwicklung und -förderung in virtuellen Teams
4. Führung von virtuellen Teams
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung von Vertrauen für den Erfolg virtueller Teams. Dabei wird insbesondere analysiert, wie trotz räumlicher Trennung und computervermittelter Kommunikation vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut und aufrechterhalten werden können, um die Teamleistung zu sichern.
- Definition und Charakteristika virtueller Teams
- Herausforderungen der computervermittelten Kommunikation
- Mechanismen des Vertrauensaufbaus (z. B. Swift Trust)
- Rolle der Führungskraft bei der Vertrauensförderung
- Bedeutung informeller Kommunikation für den Zusammenhalt
Auszug aus dem Buch
3. Vertrauen
Der Aufbau von Vertrauen hat für virtuelle Teams eine besondere Bedeutung, da die Situation in einem virtuellen Team noch weniger über- und durchschaubar als jede sonstige berufliche Situation ist. Nur wenn das Team trotz dieser grundsätzlich unsicheren und potenziell verunsichernden Situation Vertrauen untereinander aufbaut, wird es handlungs- und leistungsfähig sein. Ein Team mit ausgeprägtem Vertrauen untereinander kann viele Lücken in der Kommunikation ausgleichen, wie sie durch die Medienvermittlung und die seltenen persönlichen Treffen häufig entstehen (vgl. Herrmann/Hüneke/Rohrberg 2012, S.110).
Interpersonelles Vertrauen bezieht sich grundsätzlich auf personale Akteure, wohingegen sich institutionelles Vertrauen auf Institutionen und die damit verbundenen Normen, Unternehmungen oder monetären Flüsse bezieht (vgl. Orlikowski 2002). Beide Arten von Vertrauen sind im Arbeitskontext relevant, auf institutionelles Vertrauen soll hier aber nicht näher eingegangen werden. Für den Begriff „interpersonelles Vertrauen“ existiert zwar keine einheitliche Definition, es finden sich jedoch regelmäßig wiederkehrende Merkmale. Nach diesen lässt sich zwischenmenschliches Vertrauen als Bereitschaft definieren, eine riskante Position eigener Verwundbarkeit gegenüber anderen Personen einzunehmen, mit der Erwartung, dass diese sich als fähig, verlässlich, glaubwürdig und wohlwollend erweisen und das eingegangene Risiko nicht ausnutzen. Erst das tatsächliche vertrauensvolle Verhalten bietet somit Personen, denen das Vertrauen entgegengebracht wird, die Möglichkeit, die eigene Vertrauenswürdigkeit unter Beweis zu stellen (vgl. Melchior 2008, siehe auch Bissels 2001).
Zur Etablierung personalen Vertrauens wird häufig eine gewisse Stabilität der sozialen Beziehungen vorausgesetzt. Zusätzlich setzt Vertrauen Informationen über diejenigen voraus, denen vertraut werden soll. Im Kontext virtueller Teamarbeit sind diese beiden Faktoren jedoch häufig nicht gegeben. Teammitglieder müssen Vertrauen meistens schnell aufbauen und unter eingeschränkten Möglichkeiten persönlicher Begegnungen aufrechterhalten (vgl. Orlikowski 2002). Die Art und Weise, wie die Mitglieder virtueller Teams Vertrauen aufbauen, beschreiben Meyerson, Weick und Kramer (1996) als „Swift Trust“. Dieser impliziert, dass aufgrund von Zeitbegrenzungen zur Aufgabenbewältigung Teammitglieder Erwartungen nicht auf der Basis von eigenen Erfahrungen mit den aktuellen Personen gründen können, sondern sich auf Vertrauenserwartungen aus anderen Situationen mit ähnlichem Hintergrund beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung virtueller Teams in der modernen Arbeitswelt und führt das zentrale Thema der Arbeit ein: die Notwendigkeit von Vertrauen als Erfolgsfaktor.
2. Virtuelle Teams: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe geklärt, die Merkmale virtueller Teams definiert und die spezifischen Herausforderungen der computervermittelten Kommunikation erläutert.
3. Vertrauen: Dieses Kapitel analysiert die Bedeutung von Vertrauen, vergleicht traditionelle mit virtuellen Teams und diskutiert Strategien zur aktiven Vertrauensbildung.
4. Führung von virtuellen Teams: Es wird die veränderte Rolle der Führungskraft beleuchtet, die sich verstärkt als Coach und Gestalter versteht, um trotz räumlicher Distanz Vertrauen und Selbstorganisation zu fördern.
5. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer Mischung aus virtueller und physischer Zusammenarbeit für den Teamerfolg.
Schlüsselwörter
Virtuelle Teams, Vertrauen, computervermittelte Kommunikation, Swift Trust, Teambuilding, Führung, interpersonelles Vertrauen, soziale Präsenz, Projektarbeit, Zusammenarbeit, Online-Kommunikation, Führungskräfte, Teamgeist, Vertrauensaufbau, räumliche Trennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, warum Vertrauen ein entscheidender Erfolgsfaktor für virtuelle Teams ist und wie dieses trotz der Herausforderungen durch räumliche Distanz und digitale Kommunikation aufgebaut werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition virtueller Teams, die Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation, die Mechanismen der Vertrauensbildung und die neue Rolle der Führung in diesem Kontext.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fokussiert auf die Relevanz von Vertrauen für die Zusammenarbeit in virtuellen Teams und fragt, welche Bedingungen und Maßnahmen Vertrauen fördern oder gefährden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender soziologischer und organisationspsychologischer Studien und Theorien zum Thema virtuelle Zusammenarbeit und Vertrauen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition von virtuellen Teams, die Analyse der Vertrauensbildung unter medialen Einschränkungen sowie die Erörterung von Managementansätzen für verteilte Teams.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Vertrauen, virtuelle Teams, computervermittelte Kommunikation, Swift Trust sowie Führung von virtuellen Teams.
Was versteht man in diesem Zusammenhang unter „Swift Trust“?
Swift Trust beschreibt eine Form des Vertrauensaufbaus, bei dem Teammitglieder aufgrund von Zeitdruck vorab Vorschussvertrauen gewähren, ohne auf eigene tiefe Erfahrungen mit dem Gegenüber zurückgreifen zu können.
Warum sind laut Autorin persönliche Treffen in virtuellen Teams relevant?
Obwohl virtuelle Teams ortsunabhängig arbeiten, werden persönliche Treffen wie Kick-off-Veranstaltungen als unersetzlich für den Beziehungsaufbau und das Schaffen einer gemeinsamen Vertrauensbasis erachtet.
Welche Rolle spielt die Führungskraft bei der Verhinderung von Vertrauenserosion?
Die Führungskraft agiert als Gestalter, der durch das Zulassen informeller Kommunikation, das Schaffen virtueller Freiräume und die Moderation von Konflikten aktiv dem Vertrauensverlust entgegenwirkt.
- Arbeit zitieren
- Jessika Müller (Autor:in), 2016, Die Relevanz von Vertrauen bei virtueller Teamarbeit im Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/387526