In dieser Arbeit werden neben einem Abriss des Zweitspracherwerbs und der Erläuterung wichtiger Begriffe wichtige Hypothesen Cummins sowie sein Quadranten-Modell sprachlicher Aktivitäten vorgestellt und so ein möglicher Weg von der Alltags- zur Bildungssprache, von der konzeptionellen Mündlichkeit zur Schriftlichkeit, aufgezeigt.
„Fremde Sprachen lernt man am besten über Texte“ (Börner/Vogel) – dieser Maxime gemäß werden Merkmale authentischer Texte denen von Lehrbuchtexten gegenübergestellt, miteinander verglichen und anschließend Gründe für den Einsatz authentischer Texte im Unterricht aufgezählt.
Dem Begriff ‚Textkompetenz‘, ein Begriff, der übrigens nicht im GER (Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen) auftaucht, möchte diese Arbeit einen berechtigten und zweckmäßigen Platz im Spracherwerb einräumen. Mit dem Modell von Portmann/Schmölzer wird eine Möglichkeit einer textsortenspezifischen Progression vom Einfachen zum Komplexen, ähnlich dem Quadranten-Modells Cummins, dargestellt. Abschließend werden Praxisbeispiele im Unterricht genannt und der Einsatz authentischer Texte unter Beschreibung der passenden Kompetenz- und Sprachniveaus und möglichen Aufgabenstellungen veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zweitspracherwerb
2.1. Einige Begriffserläuterungen
2.2. Gefahren eines ungesteuerten Zweitspracherwerbs
2.3. Cummins Hypothesen zum Zweitspracherwerb
2.4. Cummins Quadranten-Modell sprachlicher Aktivitäten
2.5. Merkmale und Erwerb von Bildungssprache
3. Der authentische Text im Zweitspracherwerb
3.1. Merkmale und Gründe für seinen Einsatz im Unterricht
3.2. Textkompetenz
3.3. Die vier Quadranten nach Portmann/Schmölzer
3.4. Textkompetenz und ihre Bedeutung für die Optimierung von Lehr- und Lernprozessen
4. Der authentische Text und sein Einsatz im Unterricht – Beispiele
4.1. Werbeprospekt, Flyer oder Stadtplan
4.2. Kleinanzeige
4.3. Quizshow „Was bin ich“
4.4. Zeitung
4.5. Bilderbuch
5. Rückblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle von authentischen Texten im Zweitspracherwerb, um den Übergang von der Alltagssprache zur bildungssprachlichen Kompetenz bei Lernenden zu fördern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine gezielte didaktische Einbettung solcher Texte kognitive und sprachliche Fähigkeiten effizient weiterentwickelt werden können.
- Grundlagen des Zweitspracherwerbs und Herausforderungen der ungesteuerten Sprachaneignung.
- Die Bedeutung von Cummins’ Modellen für die Unterscheidung von Alltags- und Bildungssprache.
- Entwicklung und Anwendung von Textkompetenz durch das Modell nach Portmann/Schmölzer.
- Praktische Umsetzungsmöglichkeiten authentischer Texte im Unterrichtsalltag.
Auszug aus dem Buch
3.2. Textkompetenz
Um mit Texten erfolgreich arbeiten zu können, brauchen die Lernenden eindeutig eine Textkompetenz. Sie ist Voraussetzung, um Wissen zu erwerben und für den Unterricht elementar. Im angloamerikanischen Raum wird Textkompetenz mit dem Begriff ‚Literacy‘ umschrieben und meint zunächst so etwas wie „Schriftkundigkeit“ (Schmölzer 2008, 38) oder die Herausbildung konzeptionell-schriftsprachlicher Fähigkeiten (CALP), um somit eine Teilhabe an der Wissensgesellschaft zu ermöglichen (s. Kap. 2.3.). „Literat sein [bedeutet über ein] kulturelles Werkzeug“ (Brockmeier 1998, 201) verfügen, das einem verschiedene Möglichkeiten eröffnet, in geschriebener und gesprochener Sprache an einer Schriftkultur teilzunehmen und diese auch in gewisser Weise mitzugestalten. Es bedeutet also mehr als das Erlernen von Lesen und Schreiben, sondern vielmehr „die Fähigkeit auszubilden, sich am literalen Diskurs einer Gesellschaft zu beteiligen“ (Schmölzer 2008, 38). Warum hat man ‚Literacy‘ nicht durch den deutschen Begriff ‚literale Fähigkeit‘ ersetzt und stattdessen ‚Textkompetenz‘ gewählt? Es rückt hier ein weiterer Aspekt in den Mittelpunkt, nämlich der Umgang mit Texten als individuelle Kompetenz.
In diesem Determinativkompositum wird eine Kompetenz und nicht der Text näher bestimmt; interessant sind also die kommunikativ Handelnden, die etwas mit Texten tun und sich in diesem Handeln auf ihre Kompetenz verlassen und diese weiterentwickeln. Sie müssen dazu verstehen, was Texte sind, wie sie gemacht sind und wozu man sie in jenen Welten, in denen sie vorkommen, normalerweise braucht. Textkompetenz charakterisiert als Terminus daher einen Diskurs, in dem sich der Blick vom Text als Beschreibungsobjekt, als Lerngegenstand und als Demonstrationsobjekt für erworbene Fertigkeiten und Kompetenzen zu denjenigen hin verschiebt, die in soziokulturell diversen Kontexten umgehen. (Thonhauser 2007, 17)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt die persönliche Motivation dar und skizziert den Aufbau der Arbeit hinsichtlich des Zweitspracherwerbs und des Einsatzes authentischer Texte.
2. Zweitspracherwerb: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe, Gefahren ungesteuerter Aneignung sowie die Modelle von Jim Cummins zur Differenzierung zwischen Alltags- und Bildungssprache.
3. Der authentische Text im Zweitspracherwerb: Es werden Merkmale authentischer Texte definiert und das Konzept der Textkompetenz im Kontext der Portmann/Schmölzer-Quadrant-Modelle für den Unterrichtsgebrauch erläutert.
4. Der authentische Text und sein Einsatz im Unterricht – Beispiele: Die Autorin stellt praktische Unterrichtsbeispiele von A1 bis zum fortgeschrittenen Sprachniveau vor, um die theoretischen Überlegungen zu illustrieren.
5. Rückblick: Das Fazit fasst zusammen, dass authentische Texte ein unverzichtbares Instrument zur Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen und zur Erweiterung der Lebenswelt von Lernenden darstellen.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Bildungssprache, Alltagssprache, Authentische Texte, Textkompetenz, Cummins, Portmann/Schmölzer, BICS, CALP, Literalität, Sprachförderung, Unterrichtsplanung, Sprachdidaktik, DaZ, DaF
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Bedeutung authentischer Texte für den Prozess des Zweitspracherwerbs, insbesondere im Hinblick auf den Aufbau bildungssprachlicher Fähigkeiten.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von Alltags- und Bildungssprache, die Förderung von Textkompetenz und die Anwendung von Modellen zur sprachlichen Progression im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie authentische Texte als Stütze und Hilfe für den Zweitspracherwerb genutzt werden können, um Sprachlernende zur kompetenten Teilhabe am Bildungswesen zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit fachdidaktischer Literatur und die Analyse bekannter Modelle wie jener von Jim Cummins und Portmann/Schmölzer.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs, definiert Bildungssprache und Textkompetenz und verknüpft diese Konzepte mit konkreten Praxisbeispielen aus dem Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zweitspracherwerb, Bildungssprache, authentische Texte, Textkompetenz, BICS/CALP und Sprachförderung.
Warum spielt das Quadranten-Modell von Cummins eine Rolle?
Das Modell ist entscheidend, um den Weg von der einfachen Alltagskommunikation hin zur anspruchsvollen Bildungssprache zu veranschaulichen und kognitive Anforderungen zu bestimmen.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Portmann/Schmölzer von Cummins?
Portmann und Schmölzer erweitern das Modell von Cummins, indem sie es spezifisch auf den Bereich der Textkompetenz anwenden und eine textsortenspezifische Progression vom Einfachen zum Komplexen definieren.
Welche Bedeutung haben Bilderbücher in diesem Kontext?
Bilderbücher fungieren als Brücke zwischen Alltags- und Bildungssprache und ermöglichen einen handlungsorientierten, motivierenden Zugang zur Zielsprache für Lernende auf unterschiedlichen Niveaustufen.
Was bedeutet „Fossilisierung“ im Zusammenhang mit Zweitspracherwerb?
Fossilisierung bezeichnet einen Zustand, in dem der Lernende auf einer bestimmten Erwerbsstufe verbleibt und weder Fortschritte noch Rückschritte in der Zielsprache macht.
- Arbeit zitieren
- Christiane Oswald (Autor:in), 2017, Zweitspracherwerb. Von der Alltags- zur Bildungssprache im Umgang mit authentischen Texten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/387474