Trotz gemeinhin bestehender Ressourcenknappheit und vieler weiterer Herausforderungen hinken die öffentlichen Institutionen gleichwohl auf dem Gebiet des Vorschlagswesens der Privatwirtschaft in toto noch deutlich hinterher. In diesen Trend fällt die in Ermangelung einer ausreichenden Resonanz erfolgte Einstellung des zentralen Vorschlagswesens auf Ebene des Landes Niedersachsen. Hier setzt die vorliegende Ausarbeitung an, deren Intention es ist, der kommunalen Landschaft die Wesensmerkmale des Vorschlagswesens näher zu bringen, um dessen dortigen Einsatz zu befördern. Neben einer deskriptiven Abbildung der Elemente des Vorschlagswesens geht der Verfasser dabei auf zwei Aspekte genauer ein. Diese bestehen zum einen in der Vorstellung der Transformation vom klassischen zum Vorgesetzten- und weiterhin zum modifizierten Vorgesetztenmodell sowie in der grundsätzlichen Fragestellung nach der Sinnhaftigkeit monetärer Prämien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Betriebliche Vorschlagswesen
2.1 Historie, Begriff und Ziele
2.2 Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation
2.2.1 Das Vorgesetztenmodell
2.2.2 Die Rolle der Prämie
2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die praktische Gestaltung eines Betrieblichen Vorschlagswesens (BVW) für den kommunalen Sektor in Niedersachsen. Ziel ist es, die Wesensmerkmale des BVW darzulegen, die Transformation von Modellen (insbesondere des Vorgesetztenmodells) zu analysieren und die juristischen Rahmenbedingungen sowie die Sinnhaftigkeit monetärer Anreizsysteme kritisch zu beleuchten.
- Struktur und Elemente des klassischen BVW
- Analyse des Vorgesetztenmodells und hybrider Ansätze
- Diskussion der Motivationswirkung monetärer Prämien
- Kommunalrechtliche Besonderheiten in Niedersachsen
- Praxisorientierte Empfehlungen für kommunale Entscheidungsträger
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das Vorgesetztenmodell
Zu Beginn der 1980er Jahre griff in der Praxis die Erkenntnis Raum, dass bei den Führungskräften der Schlüssel eines erfolgreichen BVW läge. Mit ihr einher ging der Trend, VV direkt beim konkreten Vorgesetzten einzureichen. (vgl. Thom & Etienne, 1999, S. 7)
Lediglich sofern es sich beim Vorgesetzten nicht um den richtigen Entscheider handelt, leitet dieser im neuen System den VV an die zuständige Führungskraft weiter. Andernfalls findet bereits vor Ort eine abschließende Bearbeitung des VV statt. (vgl. dib, 2003, S. 22)
Infolgedessen wandelte sich der Charakter des BVW vom verwaltungsintensiven, zentralen, hin zum aktiven, dezentralen System und war dabei vielerorts erfolgreich. (vgl. Thom & Etienne, 1999, S. 7)
Den Sinn dieses neuen Modells sieht Bismarck in der Abkehr von der tayloristischen Trennung von Urheber und Idee, die seines Dafürhaltens nach der veränderten Rolle des Managements mittlerweile nicht mehr gerecht wird. Die anvisierten Effekte des daraus resultierenden Dialogs zwischen VV-Einreicher und Vorgesetztem seien vielfältig. Neben der Verbesserung der entsprechenden Kommunikation sowie der Wandlung des Vorgesetzten zum Coach und Förderer, zählt er vor allem die stärkere Mitverantwortung der Mitarbeiter und eine Effizienzsteigerung des BVW auf. Abgesehen davon, beinhalte das Modell aber auch Nachteile, die in dem Über- und Unterordnungsverhältnis der beiden Parteien bestünden und zu (empfundener) Ungerechtigkeit sowie einem Abhängigkeitsverhältnis führen könnten. Hinzu kommt laut Bismarck die schlechte Handhabbarkeit größerer, abteilungsübergreifender VV. In Summe konstatiert er jedoch, dass es sich beim Vorgesetztenmodell um den modernsten Verbesserungsansatz des BVW im deutschsprachigen Raum handele. (2000, S. 57-60)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Herkunft des Vorschlagswesens ein und stellt die Relevanz des BVW als modernes Instrument für Innovationen in der Verwaltung heraus.
2. Das Betriebliche Vorschlagswesen: Das Kapitel bietet eine fundierte Definition, beleuchtet die historische Entwicklung und analysiert die organisatorischen Aspekte sowie die rechtlichen Voraussetzungen für Kommunen.
3. Schluss: Der Schluss fasst die Argumente für das BVW zusammen und appelliert an die kommunalen Verantwortlichen, das System individuell an die Bedürfnisse ihrer Verwaltung anzupassen.
Schlüsselwörter
Betriebliches Vorschlagswesen, BVW, Ideenmanagement, Kommunalverwaltung, Vorgesetztenmodell, Prämierung, Motivation, KVP, Organisationsstruktur, Arbeitnehmererfindungsgesetz, Innovationsförderung, Führungspsychologie, Niedersachsen, Effizienzsteigerung, Verwaltungshandeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung und Ausgestaltung eines Betrieblichen Vorschlagswesens (BVW) speziell für niedersächsische Kommunen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation, dem Vergleich zwischen klassischem Modell und Vorgesetztenmodell sowie der rechtlichen Zulässigkeit von Prämien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Wesensmerkmale des BVW in der kommunalen Landschaft bekannt zu machen und Entscheidungsträgern bei der Einführung eines eigenen Systems rechtliche und organisatorische Orientierungshilfen zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung der gängigen Fachliteratur und verknüpft diese mit den spezifischen juristischen Rahmenbedingungen für den öffentlichen Dienst in Niedersachsen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den Grundbegriffen und Zielen das Vorgesetztenmodell sowie die kontroverse Frage der monetären Entlohnung von Verbesserungsvorschlägen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die zentralen Begriffe sind Betriebliches Vorschlagswesen, Ideenmanagement, Vorgesetztenmodell, Prämierung, Kommunalverwaltung und Innovationsförderung.
Warum wird die Privatwirtschaft als Vergleich herangezogen?
Da das BVW seinen Ursprung und seine größte Verbreitung in der Privatwirtschaft findet, dienen diese Modelle als bewährte Praxisbeispiele, um über notwendige Strukturen zu informieren.
Welches Fazit zieht der Verfasser zur Geldprämie im öffentlichen Dienst?
Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass ein kompletter Verzicht auf Geldprämien zwar dem Gebot der Sparsamkeit im Kommunalrecht entspricht, jedoch aufgrund der motivierenden Wirkung und des Wettbewerbs um Talente wirtschaftlich nicht uneingeschränkt empfehlenswert ist.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Master of Public Administration (MPA) Christian Sander (Autor:in), 2015, Der Aufbau eines Vorschlagswesens anhand einer niedersächsischen Kommune, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/386931