Den Holocaust innerhalb eines Comics zu thematisieren ist ein wagemutiges Unterfangen, doch es mithilfe von Tierfiguren zu tun ist noch kühner. Art Spiegelmans Werk "Maus – Die Geschichte eines Überlebenden" trotzt vielen Konventionen bezüglich der Darstellung der Shoah und rekonstruiert sie auf noch nie dagewesene Art und Weise. In dieser Hausarbeit sollen die zahlreichen Besonderheiten bei der Darstellung des Holocaust in Art Spiegelmans Werk genauer dargestellt und sich damit auseinandergesetzt werden, welchen Effekt sie auf die Leserschaft haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Medium Comic
2.1 Definitionsversuch
2.2 Strukturen und Elemente von Comics
2.3 Comics – Dem Holocaust angemessen?
3. Maus
3.1 Inhalt und Entstehungskontext
3.2 Narrative Ebenen
3.3 Künstlerischer Stil
3.4 Die Tiermetapher
3.4.1 Beweggründe für die Tiermetapher
3.4.2 Die Tiermetapher und die NS-Rassenideologie
3.4.3 Die Tiermetapher als distanzierendes Mittel
3.4.4 Bewusstes Spiel mit der Tiermetapher
3.5 Rezeption von Maus in der Öffentlichkeit
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Art Spiegelmans Graphic Novel Maus im Hinblick auf ihre Eignung zur Darstellung des Holocaust, wobei der Fokus auf den narrativen und künstlerischen Besonderheiten sowie deren Wirkung auf die Leserschaft liegt.
- Theoretische Grundlagen und Definition des Mediums Comic
- Analyse der narrativen Ebenen in Maus (Epos, Bildungsroman, Künstlerroman)
- Untersuchung der Tiermetapher als distanzierendes und symbolisches Mittel
- Diskussion der weltweiten Rezeption und der ethischen Herausforderungen des Werkes
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Beweggründe für die Tiermetapher
Die Anfänge der Idee der Tiermetapher setzt Spiegelman in einer Zeit an, in der er versuchte die „schwarze Erfahrung in Amerika im Stil von Trickfilmen anzufertigen“ und auf Grundlage von den Tom und Jerry-Comics, mit welchen er aufgewachsen war, so etwas wie „Ku-Klux Kats“ zu zeichnen (Spiegelman und Heckmann 2012: 112f). Letztlich beschloss er dieses Projekt nicht umzusetzen, da es als rassistische Karikatur hätte aufgefasst werden können.
Er beschloss allerdings, das Tier-Konzept wieder aufzugreifen, sollte er jemals zu einem Terrain wechseln, bei dem er emotional stärker betroffen war (vgl. Spiegelman und Heckmann 2012: 114). Ihm war zu diesem Zeitpunkt laut eigenen Angaben noch nicht klar, dass das Konzept von Juden als „wehrlose, huschende Geschöpfe“ in der Literatur schon vorhanden war und verweist auf Kafkas Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse, welches er beim ersten Lesen nicht mit dem jüdischen Volk in Verbindung gebracht hatte (ebd.). Zusammen mit Kafkas Werk, reiht sich Spiegelmans Maus laut RICHTER (2005) in eine komplexe Tradition von Fabeln, Tierdichtungen und Tiercartoons ein und die Tiermetapher fungiert als das bildliche Zentrum des Werkes (vgl. 29). Weiter führt er an, dass die Tiermetapher gleichzeitig zentral und überflüssig sei. Die Leser blieben sich der Tiergesichter während der Lektüre zwar insgeheim bewusst, jedoch schaffe es die „emotionale Kraft und narrative Dynamik des Textes“ immer wieder, die Tiermetaphorik in Vergessenheit geraten zu lassen (ebd.).
Dazu trägt vor allem auch die sehr menschliche Darstellung der Tiere bei. Bei dieser Darstellung war Spiegelman vor allem wichtig, dass Katzen und Mäuse von gleicher Größe sein sollten, um die Mäuse nicht als wehrlose Geschöpfe darzustellen. „Katzen und Mäuse gleich groß zu zeichnen hieß nicht, ihnen gleiche Macht zu geben, wies den Mäusen aber auch nicht notwendig den totalen biologischen Nachteil zu, den die Metapher sonst einschließt“ (Spiegelman und Heckmann 2012: 118). Die Tiermasken sollten also wirklich nur Masken sein (vgl. ebd.). So erreichte Spiegelman, dass es für den Leser der Lektüre keine Frage ist, dass Realität abgebildet wird, obwohl Tiere die Hauptcharaktere darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Holocaust als geschichtliches Ereignis und Einführung in Spiegelmans Werk Maus als innovative Form der Holocaustliteratur.
2. Das Medium Comic: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition und den formalen Strukturen von Comics sowie der Frage nach der Angemessenheit des Mediums für die Holocaust-Thematik.
3. Maus: Detaillierte Analyse des Entstehungskontexts, der drei narrativen Ebenen, des Stils und der komplexen Funktion der Tiermetapher im Comic.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung von Maus als authentisches, die Empathie förderndes Werk und Überlegungen zu dessen Potenzial im Bildungskontext.
Schlüsselwörter
Holocaust, Maus, Art Spiegelman, Comic, Graphic Novel, Tiermetapher, Erinnerungskultur, Narrative Ebenen, Geschichte, Auschwitz, Identität, Rezeption, Nationalsozialismus, Trauma, Vermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk Maus von Art Spiegelman und analysiert, wie das Medium Comic genutzt wird, um die traumatische Geschichte des Holocaust darzustellen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretische Einordnung des Comics, die narrative Struktur der Erzählung, der Einsatz der Tiermetapher sowie die öffentliche Rezeption des Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen formalen und erzählerischen Mitteln Spiegelman das Unvorstellbare des Holocaust für den Leser erfahrbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medien- und literaturwissenschaftliche Analyse, die auf Sekundärliteratur und Interviewaussagen des Autors basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Comic-Analyse sowie eine tiefgehende Untersuchung von Maus, insbesondere der drei narrativen Ebenen und der Tiermetaphorik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Holocaust, Tiermetapher, Graphic Novel, Erinnerungskultur und Narrative Identität.
Warum verwendet Spiegelman Tiere in seiner Darstellung des Holocaust?
Die Tiermetapher dient als Distanzierungsmittel, aber auch als Symbol für die rassistische Ideologie der Nationalsozialisten, die Gruppen als "Ungeziefer" etikettierte und so entmenschlichte.
Was ist das Ergebnis der Analyse zur "Tiermaske"?
Die Masken zeigen, dass Identität ein soziales Konstrukt ist, und Spiegelman nutzt sie, um die Absurdität rassistischer Segregation innerhalb seiner Erzählung offenzulegen.
- Arbeit zitieren
- Lisa Henigin (Autor:in), 2017, Die Judenverfolgung als Katz-und-Maus-Spiel? Die Darstellung des Holocaust in Art Spiegelmans Comic "Maus – Die Geschichte eines Überlebenden", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/386284