Im Rahmen dieser Hausarbeit soll das Phänomen des Aussteigens beleuchtet und in einen spezifischen Kontext auf der Kanareninsel La Gomera eingebettet werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Aussteigertypen aus der Emigrationsentwicklung der Insel hervorgehen. Insbesondere sollen individuell geprägte Erwartungen an die Veränderungen des Lebensraumes deutscher Emigranten untersucht werden.
Die Betrachtungen zielen auf die Untersuchung einer erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Verwirklichung anfangs vorhandener Ideale und Vorstellungen, welche sich in der veränderten Lebenssituation wiederspiegeln. Der Fokus liegt hierbei auf dem gescheiterten Ausstieg mit seinen Folgewirkungen und der Suche nach Gründen für diese Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Ausstieg im 21. Jahrhundert
3 Aussteigerkultur auf La Gomera
3.1 Die Tourismus – und Migrationsentwicklung auf La Gomera
3.2 Aussteigertypen und ihre Motive
4 Lebensrealität der Aussteiger auf La Gomera
5 Zusammenfassung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht in der Untersuchung des Phänomens des Aussteigens vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Fluchtbewegungen, wobei der Fokus auf die Kanareninsel La Gomera als spezifischer Lebensraum gelegt wird. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche unterschiedlichen Aussteigertypen aus der Emigrationsentwicklung auf La Gomera hervorgehen und inwieweit ihre idealisierten Vorstellungen von Freiheit und Selbstbestimmung mit der realen Lebenssituation und den ökonomischen Zwängen auf der Insel korrespondieren.
- Phänomenologische Analyse des Ausstiegs im 21. Jahrhundert
- Entwicklung des Tourismus und der Migration auf La Gomera
- Typologisierung von Aussteigern und deren individuelle Leitmotive
- Gegenüberstellung von utopischen Lebensentwürfen und ökonomischer Realität
- Kritische Reflexion von Scheitern, Desillusionierung und Remigration
Auszug aus dem Buch
3 Aussteigerkultur auf La Gomera
La Gomera, die Isla Ronda (runde Insel), ist die „alternative Kanareninsel“. Sie misst lediglich 370 Quadratkilometer, beherbergt nur 22000 Einwohner und ist von geringer touristischer Infrastruktur geprägt (PASKIEWICZ & PASKIEWICZ 2013:123). Während Einige ihr lediglich einen urlaubsgebundenen Tagesbesuch abstatten, werden Andere angezogen, durch die von STEUER (1996:14f.) beschriebenen einzigartigen Landschaftsausprägungen, gekennzeichnet durch Zerklüftungen und Zerfurchungen, sowie ein auf Vulkanismus und Erosion beruhendes Gebirgsrelief, in Verbindung mit dem milden und temperaturbeständigen Klima.
Die Kanarischen Inseln werden als „Die glücklichen Inseln“ (GÖSCHEL 1985:95) bezeichnet. Deshalb ist es naheliegend, dass sich europäische Aussteiger, zur Selbstverwirklichung ihres eigenen Glücks, wie es PENTZLIN (1985:112) beschreibt, auf die am meisten entkoppelte der kanarischen Inseln begeben, welche gerade durch fehlenden Kommerz, Naturverbundenheit und „Echtheit“ heraussticht (PASKIEWICZ & PASKIEWICZ 2013:123).
Der Begriff Aussteiger scheint in Verbindung mit La Gomera eine gängige Symbiosestellung zu besitzen. So wird in den deutschen Medien beispielsweise vom „Tal der Paradiesvögel“ (REUTER 1998) gesprochen und damit das gängige Klischee von Aussteigern auf La Gomera, in Form von „kiffenden und nackig- sonnenbadende Gelegenheitsfreaks“ (vgl. MÜLLENDER 1999:20), bedient. Begründen lässt sie diese Darstellung damit, dass La Gomera in den 1960er Jahren von Menschen entdeckt wurde, die der vorherrschenden Hippibewegung angehörten, und eine alternative Lebensweise anstrebten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Flucht aus modernen Industrienationen ein und begründet das wissenschaftliche Interesse an La Gomera als spezifischer Fallstudie für Aussteiger.
2 Der Ausstieg im 21. Jahrhundert: Hier werden theoretische Definitionen des Ausstiegsbegriffs dargelegt, die Motive für die Abkehr vom gesellschaftlichen „Hamsterrad“ beleuchtet und verschiedene Typologien von Aussteigern diskutiert.
3 Aussteigerkultur auf La Gomera: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen geographischen und touristischen Bedingungen auf der Insel, die sie als Ziel für Emigranten attraktiv machen, und ordnet das Klischee des Aussteigers historisch ein.
3.1 Die Tourismus – und Migrationsentwicklung auf La Gomera: Dieser Abschnitt zeichnet die historische Wandlung der Insel vom Geheimtipp zur touristisch erschlossenen Region nach und analysiert deren Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur.
3.2 Aussteigertypen und ihre Motive: Hier erfolgt eine Kategorisierung der Aussteiger in verschiedene Gruppen wie Geschäftsleute, Esoteriker oder „Freaks“, basierend auf ihren unterschiedlichen Leitmotiven.
4 Lebensrealität der Aussteiger auf La Gomera: Das Kapitel kontrastiert die Wunschvorstellung eines freien Lebens mit der harten Realität ökonomischer Zwänge und touristischer Abhängigkeiten vor Ort.
5 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden hier gebündelt, wobei das medial verbreitete Bild des unbeschwerten Aussteigerlebens aufgrund der Untersuchungsergebnisse kritisch hinterfragt wird.
6 Fazit: Das Fazit resümiert die Hürden und psychologischen Herausforderungen eines Ausstiegs und warnt vor einer Desillusionierung, die oft in einer Remigration endet.
Schlüsselwörter
Aussteiger, La Gomera, Migration, Tourismus, Lebensrealität, Selbstverwirklichung, Auswanderung, Inselmentalität, ökonomische Zwänge, Lebensqualität, Sinnsuche, gesellschaftliche Konventionen, Remigration, Raumwahrnehmung, Ausstiegsidealismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Phänomen des Aussteigens und untersucht, welche Beweggründe Menschen dazu veranlassen, aus ihrer gewohnten gesellschaftlichen Umgebung zu flüchten, um auf der Kanareninsel La Gomera ein neues Leben zu beginnen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Tourismus- und Migrationsentwicklung, die Typisierung verschiedener Aussteigergruppen, die Analyse der Diskrepanz zwischen utopischen Idealen und realen Lebensbedingungen sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Auswanderer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, welche Aussteigertypen sich auf La Gomera etabliert haben und ob ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten, freien Leben angesichts der zunehmenden touristischen Kommerzialisierung der Insel erfolgreich realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Literatur- und Sekundärquellenanalyse, bei der soziologische und geographische Studien herangezogen werden, um die Entwicklung der Aussteigerkultur auf La Gomera historisch und empirisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Zusammenhänge der Tourismusentwicklung auf La Gomera dargelegt, verschiedene Typen von Aussteigern (z.B. Geschäftsleute, Lebenskünstler, Rentner) charakterisiert und die ernüchternden ökonomischen Realitäten des Alltags auf der Insel untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Aussteiger“, „Selbstverwirklichung“, „Flucht vor Leistungsdruck“, „ökonomische Zwänge“ und „Desillusionierung“ charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Realität der Aussteiger von dem medial vermittelten Bild?
Während die Medien oft das Klischee von freiheitsliebenden „Aussteigern im Paradies“ vermitteln, zeigt die Untersuchung, dass die meisten Akteure fest in ökonomische und soziale Zwänge des Tourismussektors eingebunden sind, was oft zu Konflikten und Desillusionierung führt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des „Gelingens“ eines Ausstiegs?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein Ausstieg auf La Gomera kein Garant für das erhoffte Glück ist. Oft scheitern die idealisierten Lebensentwürfe an der harten Realität, was in vielen Fällen in einer Rückkehr nach Deutschland (Remigration) mündet.
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- Erik Schittko (Author), 2015, Aussteiger auf La Gomera. Zwischen dem Streben nach einem exotischen Leben und der Last der Alltagsbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/386174