Anlässlich des diesjährigen Lutherjubiläums, 500 Jahre Reformation, soll in der vorliegenden Hausarbeit der Frage auf den Grund gegangen werden, in wieweit Bach als ein Glaubensträger im lutherischen Sinne gesehen werden kann.
Bei der Beantwortung dieser Fragestellung muss zunächst Luthers Wertschätzung der Musik genauer betrachtet werden. Welche sind die musikalischen und theologischen Grundlagen Luthers? Welchen Zweck hat die Musik für ihn? Was soll mit der Musik zum Ausdruck gebracht werden? Wie wurde das reine Evangelium in der Musik verarbeitet? Beispielhaft soll Luthers Lied Ein neues Lied wir heben an im Vordergrund stehen, um die genannten Fragen zu beantworten.
Luther hatte nicht nur Einfluss auf die theologischen Aspekte in den Glaubensansichten vieler, sondern auch einen großen musikalischen Einfluss mit seinen Liedern auf seine Nachwelt. Der musikalische Aspekt soll neben Bach anhand von Kirchenlieddichtern wie Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude und Paul Gerhardt thematisiert werden, da diese sehr bekannten Kirchenlieddichter die Musik und Theologie Luthers sehr wertschätzten. Wie wurden Luthers Lieder und seine theologischen Grundsätze bei ihnen verarbeitet und zu welchem Zweck schrieben sie Kirchenmusik?
Um die These, dass Bach ein idealer Lutheraner sei, bestätigen zu können, muss der Begriff zunächst einmal mit Hilfe der vorherigen Ergebnisse definiert werden. Es soll sich weiterhin der Frage gewidmet werden, welchen Einflüssen Bach unterlag und welche Bedeutung die Musik Luthers für ihn persönlich hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Luthers Wertschätzung der Musik
2.2. Der Ausdruck des Textes durch die Musik
2.3. Luthers musikalischen Einflüsse
2.3.1. Definitionsversuch: Was ist ein idealer Lutheraner?
2.4. J. S. Bach in der lutherischen Tradition
3. Bach, ein idealer Lutheraner
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Johann Sebastian Bach als "idealer Lutheraner" betrachtet werden kann, indem sie den Einfluss von Martin Luthers Theologie und Musik auf Bachs Schaffen analysiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Bach die lutherische Tradition in Musik und Glauben aufgriff und interpretierte, wobei die Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott" (BWV 80) als zentrales Fallbeispiel dient.
- Analyse von Martin Luthers Verständnis und Wertschätzung der Musik.
- Untersuchung des theologischen und musikalischen Einflusses Luthers auf seine Nachwelt, insbesondere auf Komponisten wie Schütz, Buxtehude und Bach.
- Definition der Kriterien für einen "idealen Lutheraner" im musikalischen Kontext.
- Überprüfung dieser Kriterien anhand von Bachs Kantate BWV 80.
Auszug aus dem Buch
2.1. Luthers Wertschätzung der Musik
Luther gilt neben Paul Gerhardt (1607-1676) als größter deutscher Kirchenlieddichter. Seine zahlreichen Kirchenlieder haben alle den Zweck, das Wort Gottes zu verkünden. Bis Luther die meisten seiner 36 geistlichen Lieder 1523/24 schrieb, studierte er Theologie und Musik. Erwähnenswert ist wohl, dass Luther in einem frommen Elternhaus aufwuchs, jedoch habe dies laut Bernhard Lohse keinen starken Einfluss auf Luthers späteren Werdegang gehabt.
Mit seinem achten Lebensjahr besuchte Luther die Trivialschule, in welcher ihm die Fächer des Trivium gelehrt wurden. Diese drei Fächer der Septem artes liberales (Sieben freien Künste) umfassen die sprachlich-philosophischen Disziplinen wie Rhetorik, Dialektik und Grammatik, welche seit dem Mittelalter als sehr wichtige Lehren zur Grundlage für ein Studium z.B. der Theologie galten. Luther vertiefte diese Lehre, als er 1501-1505 an der Artistenfakultät der Universität Erfurt studierte. Dort wurden beide Teildisziplinen gelehrt, das Quadrivium (mathematisch-musikalische Disziplinen: Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) und das vorher genannte Trivium. Innerhalb von vier Jahren schloss Luther in Erfurt jenes Grundstudium ab. Die Lehre des Quadrivium ist laut Stalmann „als gründliche musiktheoretische Unterweisung und als intensive Praxis“ zu sehen und hatte somit sicherlich einen Einfluss auf die Bedeutung der Musik für Luther.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, inwieweit J. S. Bach als ein Glaubensträger im lutherischen Sinne gesehen werden kann, und umreißt die methodische Herangehensweise.
2. Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet Luthers musiktheoretische Grundlagen, seinen Einfluss auf nachfolgende Komponisten wie Schütz und Buxtehude sowie die praktische Umsetzung dieser Einflüsse durch J. S. Bach anhand definierter Thesen.
2.1. Luthers Wertschätzung der Musik: Dieses Kapitel beschreibt Luthers Ausbildung in den "Sieben freien Künsten" und leitet daraus sein theologisch geprägtes Verständnis der Musik als gottgegebene Gabe zur Ehre Gottes ab.
2.2. Der Ausdruck des Textes durch die Musik: Hier wird analysiert, wie Luther seine Theologie in Liedern verarbeitete, beispielhaft dargestellt am Lied "Ein neues Lied wir heben an", welches die Reformation und den Märtyrertod thematisiert.
2.3. Luthers musikalischen Einflüsse: Dieser Abschnitt untersucht, wie die Reformation den Gottesdienst wandelte und welche Wirkung Luthers theologische und musikalische Vorgaben auf spätere Generationen von Kirchenlieddichtern und Komponisten hatten.
2.3.1. Definitionsversuch: Was ist ein idealer Lutheraner?: Hier werden fünf spezifische Thesen aufgestellt, um den Begriff des "idealen Lutheraners" greifbar und in der Folge an Werken Bachs überprüfbar zu machen.
2.4. J. S. Bach in der lutherischen Tradition: Das Kapitel wendet die zuvor entwickelten Thesen konkret auf Bachs Reformationskantate "Ein feste Burg ist unser Gott" (BWV 80) an.
3. Bach, ein idealer Lutheraner: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die anfängliche These, dass Bach als idealer Lutheraner gelten kann, da er maßgeblich von der lutherischen Tradition geprägt war.
Schlüsselwörter
Johann Sebastian Bach, Martin Luther, Reformation, Kirchenmusik, Reformationskantate, Ein feste Burg ist unser Gott, Theologie, Glaubensbote, Musikgeschichte, protestantische Kultur, Kantatenwerk, Pietismus, Choralkantate, Kirchenlied, Evangelium.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die musikalische und theologische Beziehung zwischen Martin Luther und Johann Sebastian Bach, um zu klären, ob Bach als "idealer Lutheraner" bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Luthers musiktheoretische Ansichten, den Einfluss der Reformation auf die Kirchenmusik, die Rezeption durch spätere Komponisten und die Analyse von Bachs Kantatenwerk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Bachs Rolle als Glaubensbote im lutherischen Sinne durch die Überprüfung selbst aufgestellter Thesen an seinem Werk "Ein feste Burg ist unser Gott" zu bestätigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse theologischer und musikwissenschaftlicher Quellen sowie eine fallbasierte Untersuchung eines exemplarischen Musikstücks, um die Thesen zu untermauern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt Luthers musikalisches Verständnis, den breiten Einfluss der Reformation auf Komponisten wie Schütz und Gerhardt sowie die spezifische Anwendung dieser Tradition durch Bach.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Reformation, Kirchenmusik, Luthers Theologie, Kantatenwerk und die spezifische Bedeutung von Bachs Kantate BWV 80.
Warum wurde ausgerechnet die Kantate BWV 80 als Beispiel gewählt?
Die Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott" basiert direkt auf Luthers gleichnamigem Lied und eignet sich daher hervorragend, um die direkte musikalische und inhaltliche Anknüpfung an die lutherische Tradition zu demonstrieren.
Wie definiert die Autorin einen "idealen Lutheraner"?
Die Definition erfolgt über fünf Thesen, die unter anderem die Vermittlung des Glaubens, die ausschließliche Ehre Gottes, das fröhliche Gemüt und die Vermeidung von "Ungereimtem" in der Musik fordern.
Welchen Einfluss hatte der Pietismus auf Bachs Musik?
Die Autorin weist darauf hin, dass neben der lutherischen Prägung auch pietistische Strömungen, etwa durch melismatische Achtelbewegungen in Bachs Musik, als Ausdrucksform für einen sogenannten "Jesus-Ton" identifizierbar sind.
- Arbeit zitieren
- Janine Göttert (Autor:in), 2017, J. S. Bach, ein idealer Lutheraner? Luthers musikalischer Einfluss auf seine Nachwelt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384942