Diese Arbeit behandelt strukturiertes Nachtragsmanagement im Bauwesen.
Für den Bauleiter ist ein strukturiertes Nachtragsmanagement von erheblicher Bedeutung. Dies wird in der Praxis häufig unterschätzt und soll daher im Folgenden einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Unter dem Begriff Nachtrag wird der Zustand verstanden, dass der Bauunternehmer eine höhere Vergütung für eine geänderte oder zusätzliche Leistung oder eine längere Bauzeit verlangt. Also ist der Nachtrag ein Nachschlag für den Bauunternehmer. Er kann so seine Vergütung und somit sein Erlös erhöhen.
Bei Nachträgen werden also zwei Problemkreise behandelt: Eine Abweichung des Bauinhaltes und eine Abweichung der Bauumstände. Der Bauinhalt betrifft also was gebaut wird und die Baumumstände betreffen wie der Bau ausgeführt wird. Der Bauvertrag ist oft das bedeutendste Dokument eines Bauvorhabens. Nach ihm richten sich die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien.
Im Bauvertrag sollten am besten die Leistungspflichten des Auftragnehmers ebenso geregelt sein wie die Rechtsfolgen bei Leistungsstörungen, aber selbstverständlich auch die Gegenleistungen, nämlich die Vergütung, die Bereitstellung des Grundstücks und andere Bereitstellungs- und Koordinierungspflichten des Auftraggebers. Was jedoch nicht im Bauvertrag geregelt wurde, lässt sich im späteren Zeitpunkt meist nicht mehr oder nur mit hohem Aufwand korrigieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Nachtragsmanagement
1.1 Definition Nachtragsmanagement
1.2 Bauvertrag
1.2.1 Leistungsbeschreibung
1.2.2 Bauvertragsarten
1.2.3 Leistungsbeschreibungselemente
1.2.4 Unvollständige Leistungsbeschreibung
1.3 Leistungsabweichung
1.3.1 Feststellung des Bau-Soll
1.3.2 Feststellung des Bau-Ist
1.3.3 Feststellung der Abweichung Bau-Ist von Bau-Soll
1.3.4 Feststellung der Vergütungspflichtigkeit der Abweichung
1.4 Mengenabweichung
1.5 Bauzeitverzögerung
1.5.1 Bauzeit
1.5.2 Vertragsfristen
1.5.3 Verzögerungen
1.5.4 Auswirkungen auf den Bauablauf
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vermittelt ein strukturiertes Verständnis für das Nachtragsmanagement in Bauprojekten, um Bauleitern die notwendigen Werkzeuge zur Hand zu geben, Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Zustand professionell zu identifizieren und rechtlich sowie ökonomisch korrekt zu bewerten.
- Grundlagen des Bauvertragsrechts und der Leistungsbeschreibung
- Systematische Analyse von Leistungs- und Mengenabweichungen
- Methodik zur Bestimmung von Bauzeitverzögerungen
- Bewertung der Vergütungspflichtigkeit von Nachtragsleistungen
- Prozessuale Auswirkungen von Bauablaufstörungen
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Leistungsbeschreibung
Die Leistungsbeschreibung ist das Bau-Soll und ist die Grundlage und somit der bedeutendste Bestandteil des Bauvertrags. Die Leistungsbeschreibung legt fest, wie und in welchem Zustand der Auftraggeber seine Bauführung erhalten möchte. Des weiteren können sich Schwierigkeiten ergeben unter anderem dadurch, dass sich die Wünsche während der Bauausführung des Auftraggebers ändern können. Es könnte auch sein das sich die Nutzungen nach Vertragsschluss ändern, zum Beispiel wenn ein neuer Mieter gefunden wird, der andere Anforderungen hat. Ein Bauvertrag besteht aus der Leistungsbeschreibung und dazu kommen noch sonstige Regelungen wie zum Beispiel die Vergütung, die Gewährleistung, die Sicherheiten, die Vertragsstrafe und die Subunternehmer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Nachtragsmanagement: Einführung in die Relevanz eines strukturierten Umgangs mit Nachträgen zur Sicherung der Vergütung und des Projekterfolgs.
1.1 Definition Nachtragsmanagement: Erläuterung des Begriffs Nachtrag als finanzielle Forderung aufgrund geänderter Bauinhalte oder veränderter Baumumstände.
1.2 Bauvertrag: Darlegung der rechtlichen Bedeutung des Bauvertrags als zentrales Dokument für Rechte, Pflichten und Risikoverteilung.
1.2.1 Leistungsbeschreibung: Beschreibung des Bau-Solls als vertragliches Fundament und Umgang mit sich ändernden Anforderungen.
1.2.2 Bauvertragsarten: Differenzierung zwischen Leistungsverträgen (Einheitspreis, Pauschalpreis) und Stundenlohnverträgen hinsichtlich ihrer Risikostruktur.
1.2.3 Leistungsbeschreibungselemente: Einteilung in Werkerfolg, konkrete Leistungselemente sowie standardisierte Regelwerke wie DIN und Normen.
1.2.4 Unvollständige Leistungsbeschreibung: Analyse der Haftungsfragen und Vorgehensweisen bei Lücken in der Leistungsbeschreibung zur Vermeidung von Mängeln.
1.3 Leistungsabweichung: Vorstellung eines vierstufigen Prüfungsschemas zur Beurteilung von Nachtragsforderungen.
1.3.1 Feststellung des Bau-Soll: Definition des Bau-Solls durch den Bauvertrag und die Leistungsbeschreibung.
1.3.2 Feststellung des Bau-Ist: Dokumentation der tatsächlichen Ausführung und Abgleich mit den Anforderungen vor Ort.
1.3.3 Feststellung der Abweichung Bau-Ist von Bau-Soll: Ermittlung von Differenzen zwischen Vertrag und Realität.
1.3.4 Feststellung der Vergütungspflichtigkeit der Abweichung: Prüfung der Vergütungsansprüche unter Berücksichtigung der VOB/B.
1.4 Mengenabweichung: Klärung der rechtlichen Folgen bei Abweichungen von der Soll-Menge um mehr als 10 %.
1.5 Bauzeitverzögerung: Betrachtung der Bedeutung der Bauzeit für Vertragsparteien und ökonomische Auswirkungen von Störungen.
1.5.1 Bauzeit: Einordnung der Bauzeit als dritte Säule neben Qualität und Kosten.
1.5.2 Vertragsfristen: Erläuterung der Bedeutung verbindlicher Fristen und der Konsequenzen bei deren Nichteinhaltung.
1.5.3 Verzögerungen: Identifikation von Ursachen wie Fehlplanungen, Streiks oder Lieferengpässen.
1.5.4 Auswirkungen auf den Bauablauf: Analyse von Leistungsverschiebungen und Sekundärstörungen im Bauprozess.
Schlüsselwörter
Nachtragsmanagement, Bauvertrag, Leistungsbeschreibung, Bau-Soll, Bau-Ist, Leistungsabweichung, Mengenabweichung, Bauzeitverzögerung, Vertragsfristen, VOB/B, Vergütungspflicht, Werkerfolg, Bauablauf, Leistungsverschiebung, Sekundärstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Steuerung und rechtlichen Einordnung von Nachträgen in Bauprojekten, um wirtschaftliche Risiken für Bauleiter und Unternehmer zu minimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung von Bauverträgen, der Analyse von Leistungs- und Mengenabweichungen sowie dem Management von Bauzeitverzögerungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Vermittlung einer strukturierten Vorgehensweise zur Identifikation und Prüfung von Nachtragsforderungen auf Basis der VOB/B.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Methode angewandt, die auf fachlicher Literatur und normativen Regelwerken (VOB/B) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert das Prüfungsschema für Leistungsabweichungen, die vertraglichen Grundlagen von Bauleistungen sowie die Ursachen und Auswirkungen von Bauzeitverzögerungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Nachtragsmanagement, Bau-Soll/Ist, VOB/B, Leistungsbeschreibung und Bauablaufstörung.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Einheitspreis- und Pauschalpreisverträgen?
Einheitspreisverträge haben ein geringeres wirtschaftliches Risiko, da nur die tatsächlich erbrachten Leistungen abgerechnet werden, während Pauschalpreise eine exakte Leistungsbeschreibung erfordern, um wirtschaftliche Risiken für beide Seiten zu kalkulieren.
Was versteht man unter einer Sekundärstörung im Bauablauf?
Eine Sekundärstörung bezeichnet nachgelagerte Beeinträchtigungen, die als direkte Folge einer primären Bauablaufstörung auf nachfolgende Gewerke oder Vorgänge wirken.
Ab wann spricht man von einer Mengenabweichung bei einem Leistungsverzeichnis?
Üblicherweise liegt eine Mengenabweichung vor, wenn die tatsächlich erbrachte Menge um mehr als 10 % von der im Leistungsverzeichnis definierten Sollmenge abweicht.
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- Anonym (Author), 2016, Nachtragsmanagement im Bauwesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384217