Grundlage dieser Ausarbeitung ist die Hypothese, dass Augenzeugen häufig Fehler bei der Identifizierung von Tätern anhand von Fotos oder einer Gegenüberstellung begehen. Um diese These zu stützen, wird das Experiment Matching Faces to Photographs genau beleuchtet.
Zunächst werden Hintergrundinformationen zur Wahrnehmung und Identifizierung einer Person dargestellt, um daraufhin den genannten Versuch mit seiner Durchführung und seinem Ergebnis genauestens zu erläutern. Da das Ergebnis des Versuchs möglicherweise von bestimmten Merkmalen beeinflusst ist, werden zwei Abwandlungen des Experiments, die diese Merkmale ignorieren, in ihrer Durchführung und ihrem Ergebnis aufgezeigt.
Daraufhin wird Kritik an der Durchführung des Experiments geübt, wodurch die Bedeutung des Ergebnisses abgegrenzt wird. Überdies werden Fehlerquotienten aufgezeigt, die zu Fehlern der Versuchspersonen geführt haben können. Aus den Fehlerquotienten resultieren teilweise Verbesserungsvorschläge für die Durchführung bezogen auf reale Umstände. Zuletzt wird ein abschließendes Fazit dargestellt, dass die Befunde zusammenfasst, die Hypothese beantwortet und somit die Umstände, die zu den oben aufgezeigten Fakten geführt haben können, erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrundinformationen
3. Experiment
3.1 Aufbau
3.2 Durchführung
3.3 Ergebnis
3.4 Abwandlungen
3.5 Ergebnis
4. Kritik
5. Fehlerquotienten
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Zuverlässigkeit von Augenzeugenaussagen bei der Täteridentifizierung. Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass Augenzeugen häufig Fehler bei der Identifizierung anhand von Fotos oder Gegenüberstellungen begehen, und die psychologischen Hintergründe sowie die damit verbundenen Risiken für das Justizwesen aufzuzeigen.
- Psychologische Grundlagen der Gesichtserkennung und Wahrnehmung
- Analyse des Experiments "Matching Faces to Photographs"
- Einflussfaktoren und Fehlerquotienten bei Identifizierungsprozessen
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit experimenteller Ergebnisse auf reale Ermittlungssituationen
- Risiken von Fehlidentifizierungen für das Justizsystem
Auszug aus dem Buch
3. Experiment
Um herauszufinden, wie gut Menschen Personen identifizieren können, wurde im Jahre 2008 das Experiment Matching Faces to Photographs (Megreya & Burton, 2008) durchgeführt. Teilnehmer des Experiments waren 92 Studenten der Menoufia University in Ägypten; 56 von ihnen waren weiblich und 36 männlich ohne visuellen Einschränkungen. Das Experiment wurde in einem Unterrichtsraum der Menoufia University durchgeführt.
Zunächst wurden die 92 Versuchspersonen in vier Gruppen á 23 Personen eingeteilt.
Die Auswahl der Fotos, anhand derer die Täter zu identifizieren waren, unterliegen bestimmter Merkmale. Für das Experiment wurden Fotos von 230 Männern verwendet. Alle wurden gleich oft und in zufälliger Reihenfolge gezeigt. Die Fotos waren von hoher Qualität, schwarz-weiß und das Gesicht frontal von vorne abgebildet mit einer Größe von 5x7cm zu erkennen. Der Gesichtsausdruck der abgebildeten Personen war neutral und die Personen hatten weder Bartwuchs noch andere auffällige Merkmale.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Problematik der Justizirrtümer durch fehlerhafte Augenzeugenaussagen dar und definiert die zentrale Arbeitshypothese.
2. Hintergrundinformationen: Dieses Kapitel erläutert die evolutionären und biologischen Grundlagen der menschlichen Gesichtserkennung.
3. Experiment: Hier wird der Aufbau, die Durchführung und das Ergebnis der Studie "Matching Faces to Photographs" sowie zwei darauf aufbauende Modifikationen detailliert beschrieben.
4. Kritik: Dieser Abschnitt hinterfragt die Repräsentativität der experimentellen Bedingungen im Vergleich zu realen, oft deutlich schwierigeren Tatortbedingungen.
5. Fehlerquotienten: Hier werden spezifische Faktoren und psychologische Mechanismen identifiziert, die zu Fehlentscheidungen der Augenzeugen führen können.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothese und fordert die Eliminierung von Fehlerquellen sowie die kritische Einordnung von Zeugenaussagen im Justizprozess.
Schlüsselwörter
Augenzeugen, Identifizierung, Täter, Justizirrtum, Gesichtserkennung, Matching Faces to Photographs, Fehlerquote, Wahrnehmung, Gegenüberstellung, Zeugenaussage, Fehlerquellen, Erinnerung, Psychologie, Beweisstück, Kameraeinstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Fehleranfälligkeit von Augenzeugen bei der Identifizierung von Tätern anhand von Fotos oder polizeilichen Gegenüberstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die psychologische Gesichtserkennung, die Analyse kontrollierter Experimente zur Identifizierung und die Übertragung dieser Erkenntnisse auf reale forensische Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Bestätigung der Hypothese, dass Augenzeugen systematische Fehler bei der Identifizierung begehen, was die Gefahr von Justizirrtümern erhöht.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf die Analyse und Auswertung des Experiments "Matching Faces to Photographs" sowie dessen Abwandlungen und ergänzt dies durch fachwissenschaftliche Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Gesichtserkennung, die detaillierte Darstellung des Experiments inklusive seiner Ergebnisse sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Einflussfaktoren auf Fehlentscheidungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Augenzeugentestung, Identifikationsfehler, Wahrnehmungspsychologie und forensische Validität definieren.
Welchen Einfluss hat die Art der Darstellung (simultan vs. sequenziell) auf das Ergebnis?
Das Experiment legt nahe, dass die simultane Darstellung von Auswahlmöglichkeiten zu Vergleichen untereinander verleitet, weshalb die nacheinander folgende (sequenzielle) Darstellung empfohlen wird.
Warum wird die Repräsentativität des untersuchten Experiments kritisiert?
Die Kritik basiert auf den idealisierten Bedingungen des Experiments, wie exzellente Lichtverhältnisse, fehlender Stress beim Zeugen und das Fehlen zeitlicher Verzögerungen, die in der Realität einer Straftat nicht gegeben sind.
- Arbeit zitieren
- S. H. (Autor:in), 2013, Aussagen von Augenzeugen. Die Identifizierung des Täters durch Augenzeugen anhand von Fotos und Gegenüberstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/383607