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Vorbild oder Anti-Bild - Die Novelle 'St. Joseph der Zweite' im Kontext von Goethes 'Wilhelm Meisters Wanderjahre'

Titel: Vorbild oder Anti-Bild - Die Novelle 'St. Joseph der Zweite' im Kontext von Goethes 'Wilhelm Meisters Wanderjahre'

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Peter Wöhrle (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

[...] „Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden“ ist Goethes Altersroman. Was bewegte ihn dazu, eine Fortsetzung der „Lehrjahre“ zu schreiben und dazu noch in einer Form, die auf zeitgenössische Leser befremdend wirken musste? Auf den ersten Blick erscheint der Roman als inkohärente Zusammenstellung von Novellen, die lose mit der Rahmengeschichte Wilhelm Meisters verknüpft sind. So ungewöhnlich die Struktur des Roman zunächst erscheint, so merkwürdig beginnt der Roman. Nachdem die Lehrjahre mit der Zusammenführung Wilhelms und Natalies endeten, beginnt die Fortsetzung mit ihrer Trennung. Außerdem prallen die Erneuerungsbestrebungen der Turmgesellschaft mit einer Welt zusammen, die noch im Zeichen der alten Feudalordnung steht. Als Schnittstelle zwischen den beiden Romanen hat die Josephsgeschichte eine zentrale Bedeutung. Zudem muss betont werden, dass die Josephsnovelle den am frühesten entstandenen Teil der Wanderjahre darstellt und von Goethe immer schon als Beginn der Wanderjahre gedacht war. Während viele der anderen Novellen bei der Zweitfassung eine andere Position einnehmen als bei der Erstfassung, bleibt die Josephsnovelle an ihrer wichtigen ersten Stelle. Die vorangestellten Zitate aus der Forschungsliteratur zur Josephsgeschichte spiegeln die gegensätzlichen Tendenzen der Interpretation dieser Novelle eindrucksvoll wider. Die Beurteilung der Josephsfigur und seiner Familie oszilliert zwischen positiver Einordnung, die die Vorbildfunktion der Josephsfamilie einschließt, und der Bewertung als Antibild zum Romanganzen. Während die positive Bewertung eher der Einschätzung früherer Interpreten entspricht, stellen die jüngeren dieses Bild in Frage und rücken die ironischen Dimensionen der Josephsnovelle in den Mittelpunkt. Die Bewertung erscheint deshalb so wichtig, weil aufgrund ihrer Stellung als Eingangsnovelle eine Erwartungshaltung geformt wird, die für die Rezeption des Gesamttextes ausschlaggebend sein kann, da Josephs traditionelle Welt im Gegensatz zu der aufbrechenden Welt des Auswandererbundes gelesen werden muss. Mit der Interpretation der Eingangsnovelle wird das Romanganze mitinterpretiert. Insofern ist es notwendig, Joseph und seine Familie genau in Augenschein zu nehmen. Dazu ist zum einen präzise Textarbeit nötig, zum anderen muss die Textgenese mit einbezogen werden, die die intentionalen Aspekte erhellt. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Eine erste Betrachtung

2.2 Josephs Imitation

2.2.1 Goethes Quellen für den Bilderzyklus

2.2.2 Josephs Nachahmung

2.3 Ironie in der Josephsnovelle

2.3.1 Ironisches Zitat romantischer Motivwahl

2.3.2 Joseph als Dilettant

2.3.3 Anmaßung und Spielerei

2.4 Josephs Egozentrik

2.5 St. Joseph der Zweite im Romanzusammenhang

3. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Novelle „St. Joseph der Zweite“ innerhalb von Goethes Altersroman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Das primäre Ziel ist die Analyse der Josephsfigur und deren Imitation der Heiligenlegende, um zu prüfen, inwieweit diese als vorbildhaft oder als ironisch gebrochene Negativfigur im Kontext der gesamten Romanhandlung zu bewerten ist.

  • Untersuchung der Imitation des Bilderzyklus durch Joseph.
  • Analyse der Profanisierung religiöser Motive bei Goethe.
  • Kritische Beleuchtung der egozentrischen Züge der Hauptfigur.
  • Einordnung der Novelle in den Romanzusammenhang und zum Auswandererbund.
  • Dekonstruktion der vermeintlichen Vorbildfunktion der Josephsfamilie.

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Josephs Nachahmung

Ein erster Vergleich dieses Bilderzyklus mit der Umsetzung in der Novelle zeigt zunächst einmal, dass ein Unterschied in der Reihenfolge der Bilder bzw. der Nachahmung, wie sie im Text geschildert wird, besteht. In der Bilderlegende und ihren Vorlagen steht „Die Flucht nach Ägypten“ natürlicherweise am Schluss, während Goethe die Nachahmung der Flucht an den Anfang setzt und so ein analytisches Erzählen vorzieht: Die „sonderbare Erscheinung“ (S. 8), die Wilhelm den Berg herabkommen sieht, erklärt Joseph rückwendend mit seiner Lebensgeschichte.

Wie bereits erläutert werden zehn Bilder des Bilderzyklus dargestellt. Der Erzähler fasst dabei neun Bilder folgendermaßen zusammen:

„Hier sah man ihn mit einer Zimmerarbeit beschäftigt (1); hier begegnet er Marien, und eine Lilie sproßte zwischen beiden aus dem Boden, indem einige Engel sie lauschend umschwebten (2). Hier wird er getraut (3); es folgt der englische Gruß (4). Hier sitzt er mißmutig zwischen angefangener Arbeit, lässt die Axt ruhen und sinnt darauf, seine Gattin zu verlassen (5). Zunächst erscheint ihm aber der Engel im Traum, und seine Lage ändert sich (6). Mit Andacht betrachtet er das neugeborene Kind im Stalle zu Bethlehem und betet es an (7). Bald darauf folgt ein wundersam schönes Bild. Man sieht mancherlei Holz gezimmert; eben soll es zusammengesetzt werden, und zufälligerweise bilden ein paar Stücke ein Kreuz. Das Kind ist auf dem Kreuze eingeschlafen, die Mutter sitzt daneben und betrachtet es mit inniger Liebe, und der Pflegevater hält mit der Arbeit inne, um den Schlaf nicht zu stören (8). Gleich darauf folgt die Flucht nach Ägypten (9).“ (S. 14-15)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ ein und umreißt die gegensätzlichen Forschungstendenzen hinsichtlich der Interpretation der Josephsnovelle.

2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine textimmanente Betrachtung der Figur, die Analyse der Imitation des Bilderzyklus, die Untersuchung ironischer Dimensionen, eine Darstellung der Egozentrik Josephs sowie die Einbettung in den Romanzusammenhang.

2.1 Eine erste Betrachtung: Eine erste, oberflächliche Analyse der Gebirgsszene ergibt ein positiv konnotiertes Bild der Josephsfamilie, das durch die Erzählung des Protagonisten zunächst bestätigt wird.

2.2 Josephs Imitation: Dieser Abschnitt beleuchtet die Quellen Goethes für den Bilderzyklus und analysiert kritisch, wie Joseph versucht, diese religiösen Vorbilder in seinem Leben nachzuahmen.

2.2.1 Goethes Quellen für den Bilderzyklus: Hier werden die literarischen und ikonographischen Vorlagen für die zehn Bilder des Zyklus, wie sie Goethe verwendet, detailliert aufgeführt.

2.2.2 Josephs Nachahmung: Dieses Kapitel vergleicht die Bilderlegende direkt mit Josephs Handlungen und zeigt auf, wie Goethe durch Umkehrung der Reihenfolge analytisches Erzählen ermöglicht.

2.3 Ironie in der Josephsnovelle: Dieser Teil deckt die ironischen Brüche auf, die Goethe in der Novelle durch romantische Motive und die Darstellung des Dilettantismus erzeugt.

2.3.1 Ironisches Zitat romantischer Motivwahl: Hier wird analysiert, wie die romantische Kulisse der Klosterruine ins Ironische gewendet wird, da sie nicht mit romantischem Inhalt gefüllt wird.

2.3.2 Joseph als Dilettant: Dieses Unterkapitel stellt dar, wie Joseph aufgrund seiner Abhängigkeit vom Stoff der Heiligenlegende und seiner mangelnden geistigen Durchdringung als Dilettant charakterisiert wird.

2.3.3 Anmaßung und Spielerei: Hier wird argumentiert, dass Josephs stilisierende Imitation eine Anmaßung darstellt, die der Autor Goethe durch ironische Distanz entlarvt.

2.4 Josephs Egozentrik: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Josephs Handeln nicht moralisch, sondern durch eine projektive Egozentrik motiviert ist, die andere Personen funktionalisiert.

2.5 St. Joseph der Zweite im Romanzusammenhang: Hier erfolgt die Kontrastierung der Josephsfigur mit Wilhelm Meister, wobei besonders das Verständnis des „Sinns“ gegenüber der rein ornamentalen Imitation hervorgehoben wird.

3. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Joseph keine vorbildliche Figur ist, sondern eine ironisierte Anachronie, die im Kontrast zum neuen, kooperativen Gesellschaftsideal des Romans steht.

Schlüsselwörter

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, St. Joseph der Zweite, Novelle, Imitation, Ironie, Profanisierung, Dilettantismus, Egozentrik, Heiligenlegende, Bilderzyklus, Entsagung, Romantik, Menschsein, Romanzusammenhang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Erzählung „St. Joseph der Zweite“ in Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ und hinterfragt, ob die Hauptfigur ein echtes Vorbild oder eine ironisierte Negativfigur darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Nachahmung, die Profanisierung religiöser Stoffe, der Dilettantismus sowie die ironische Distanzierung des Autors von seiner Figur.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, dass Josephs Imitation kein moralisches Ideal verkörpert, sondern aufgrund einer egozentrischen, nur äußerlichen Stilisierung als problematisch und anachronistisch zu bewerten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textimmanente Analyse in Verbindung mit motivgeschichtlichen und erzähltheoretischen Ansätzen (nach Stanzel) sowie der Heranziehung von Forschungsliteratur genutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Quellen für den Bilderzyklus, die ironischen Brechungen in der Novelle, Josephs egozentrische Wahrnehmungsweise und den Kontrast zu Wilhelms Entwicklungsgeschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Imitation, Ironie, Profanisierung, Dilettantismus, Egozentrik, Anachronismus und die kritische Distanz zum romantischen Vorbild.

Warum spielt der Bilderzyklus eine so zentrale Rolle?

Der Bilderzyklus dient als Referenzrahmen für Josephs Leben. Die Analyse zeigt, dass Joseph nur die äußere Form dieser Bilder nachahmt, während ihm der tiefere Sinngehalt verschlossen bleibt.

In welchem Verhältnis steht Joseph zu Wilhelm Meister?

Während Joseph eine starre, anachronistische Existenz im Schatten einer feudalen Ordnung führt, repräsentiert Wilhelm ein modernes, zur Entsagung und zur Gemeinschaft befähigtes Streben, das den tieferen Sinn von Symbolen erfasst.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vorbild oder Anti-Bild - Die Novelle 'St. Joseph der Zweite' im Kontext von Goethes 'Wilhelm Meisters Wanderjahre'
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar II)
Veranstaltung
Goethes Wilhelm Meister-Romane
Note
1,0
Autor
Peter Wöhrle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V38331
ISBN (eBook)
9783638374231
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorbild Anti-Bild Novelle Joseph Zweite Kontext Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre Goethes Wilhelm Meister-Romane
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Peter Wöhrle (Autor:in), 2002, Vorbild oder Anti-Bild - Die Novelle 'St. Joseph der Zweite' im Kontext von Goethes 'Wilhelm Meisters Wanderjahre', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/38331
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Leseprobe aus  26  Seiten
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